Deutsche Minderheit

Konzept: So will der Vorstand Schule und Kindergarten in Rapstedt retten

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Schulvereinsvorsitzende Christina Buchmeier und Mitstreitende bangen um den Erhalt der deutschen Schule und des Kindergartens in Rapstedt (Archivfoto).

Ein generationenübergreifendes Bildungs- und Kulturzentrum, kosteneffiziente Verschmelzung mit dem Kindergarten, Stelleneinsparung und proaktives Bemühen um Kinder: Mit diesen Ansätzen hoffen der deutsche Kindergarten und die Schule in Rapstedt, die ins Spiel gebrachte Schließung abzuwenden. Ein Blick auf das Konzept, das den Deutschen Schul- und Sprachverein überzeugen soll.

58 Seiten umfasst das Zukunftskonzept der Deutschen Schule und des Kindergartens Rapstedt. Das Dossier soll die vom Deutschen Schul- und Sprachverein (DSSV) aus finanziellen Gründen und wegen mangelnder Perspektive empfohlene Schließung der Einrichtungen verhindern. 

Ausgangspunkt der Empfehlung ist eine Strukturanalyse des DSSV zu den Schulen und deren Gebäuden.

Unter dem Oberbegriff „zuSammen", abgeleitet vom dänischen Wort „sammen“ – zusammen – hat der Vorstand um Vorsitzende Christina Buchmeier ein Modell erstellt sowie Strategien und Argumente zusammengetragen, die zum Erhalt von Schule und Kindergarten beitragen sollen.

Schule und Kindergarten als eine Einheit

Kindergarten, Schulfreizeitordnung und Schule sollen verschmelzen nach dänischem Freischulgesetz und mit dem DSSV als Dachorganisation. Durch eine Leitung und personelle Schnittstellen gibt es Einsparpotenzial, so der Ansatz der Elternvertretung. 

Der Standort und die Gebäude werden ein generationenübergreifendes Bildungs- und Kulturzentrum, das die deutsche Gemeinschaft stärken und ein wichtiger Bestandteil des Ortes werden soll. Ein Fünf-Jahres-Plan ist für das Konstrukt erstellt worden.

Die Schule bleibt als DSSV-Einrichtung Eigentümer, überlässt dem Kulturzentrum als Trägerverein für einen symbolischen Mietbetrag aber die Gebäudenutzung einschließlich der Gebäudeerhaltung. Die Betriebskosten und der vom DSSV errechnete Sanierungsstau in Höhe von 700.000 Kronen würden aus dem Haushalt von Schule und Kindergarten herausfallen. Ausgaben sollen zudem durch den Wegfall einer Lehrerstelle reduziert werden, so der Ansatz.

Unterschiedliche Einschätzung des demografischen Faktors

Ein Fragezeichen setzen die Autorinnen und Autoren hinter die demografische Betrachtung des DSSV. Die Schule hat in den vergangenen Jahren eine stabile bis hin zur gestiegenen Schülerzahl mit aktuell 27 verzeichnen können. Dass die Zahl im Kindergarten von über 20 im Jahr 2022 auf sieben gefallen ist, sei nicht auf einen demografischen Wandel zurückzuführen, sondern auf die Krise in der DKA (Deutsche Kindergärten Apenrade). Der Rückgang stehe in keiner Weise im Verhältnis zur Demografie, so der Wortlaut im Zukunftskonzept.

Darin wird auf eine mögliche Trendwende hingewiesen, die durch Zuzüglerfamilien aus Deutschland und durch den nahe gelegenen Energiepark Kassö (Kassø) zu erwarten ist. Etwa 2.000 Arbeitsplätze sollen entstehen, und so manche Familien könnten Rapstedt und Umgebung als Wohnort wählen, wovon die deutschen Einrichtungen profitieren könnten, argumentiert der Vorstand.

Die spezielle pädagogische Ausrichtung der Schule, die familiäre Atmosphäre und die individuelle Förderung der Kinder sehen die Vertreterinnen und Vertreter aus Rapstedt als großes Plus. Auf Sicht werde sich die Kinderzahl im Kindergarten erholen. Es lägen bereits wieder Anmeldungen vor, so der Wortlaut.

Langfristig angeblich finanziell tragbar

Ab kommendem Schuljahr müsste der Zuschuss des DSSV für Schule und Kindergarten ca. 2,6 Millionen Kronen betragen und würde durch die erwartete Entwicklung  sukzessiv sinken und in einigen Jahren gen Null gehen, so die Berechnung im Konzept.

Die Gruppe um Christina Buchmeier gibt zudem zu bedenken, dass die Investitionen der vergangenen Jahre in energetische Maßnahmen wie Solar und Wärmepumpe, durch die die Betriebskosten der Schule merkbar gesunken sind, bei einem Aus quasi umsonst waren. 

Hinzu komme, dass bei einer Schließung in Rapstedt eine Zubringerschule wegfällt. Die Kinder in dem Einzugsgebiet werden nicht automatisch an eine andere deutsche Schule wechseln, womit dem DSSV die Einnahmen für diese Kinder verloren gehen.

Hoffen und Bangen

Das gesamte Umfeld der Rapstedter Schule setzt darauf, dass die Argumente, Ideen und Berechnungen im ausgearbeiteten Konzept die Schließung verhindern werden. 

Am Dienstag (25. November) soll es eine Rückmeldung des DSSV geben, ob an der Empfehlung festgehalten wird, ob die Schule doch weitermachen kann oder ob weitere Gespräche geführt werden. 

Am Abend davor stellten die Vertreterinnen und Vertreter aus Rapstedt den Entscheidungsträgerinnen und -trägern des Schul- und Sprachvereins sowie des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN) das vor einer Woche abgegebene Konzept noch einmal vor. Gleiches stand für die deutschen Einrichtungen in Lunden an, deren Schließung ebenfalls im Raum steht.

Der Beitrag ist bezüglich des Zuschusses für Kindergarten und Schule ab 2026 korrigiert worden. Er müsste  nicht angehoben werden und würde laut Konzept zunächst bei 2,6 Millionen Kronen für beide Einrichtungen liegen, um dann Jahr für Jahr zu fallen.


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