Demokratie

Digitale Seniorenratswahl: Die Wahlbeteiligung rauschte in den Keller

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Bei der Seniorentratswahl in der Kommune Apenrade anno 2025 lag die Wahlbeteiligung bei nur rund 30 Prozent. Der amtierende Ratsvorsitzende Dieter Johannsen vermutet, dass das elektronische Abstimmungsverfahren daran schuld ist (Archivfoto).

Dieter Johannsen ist als Mitglied des Seniorenrates der Kommune Apenrade wiedergewählt worden. Die Freude darüber ist beim aktuellen Ratsvorsitzenden gedämpft, denn „die Wahlbeteiligung war eine Katastrophe“. Als Ursache sieht Johannsen die digitale Stimmabgabe, die die Bürgerinnen und Bürger ab 60 Jahre offensichtlich vom Wählen abgeschreckt hat. Auch der Vorsitzende des kommunalen Sozial- und Seniorenausschusses hätte sich eine höhere Wahlbeteiligung gewünscht.

Die Gratulation zur Wiederwahl als Seniorenratsmitglied in der Kommune Apenrade (Aabenraa) hakt Dieter Johannsen aus Bülderup-Bau ganz schnell ab. Er sammelte knapp über 600 Stimmen und gehört damit zu den erfolgreichsten Kandidatinnen und Kandidaten. Die Stimmenverteilung gibt es hier.

Die Freude sei schon da, doch als amtierendes Mitglied und Vorsitzender beschäftige ihn etwas ganz anderes: die Wahlbeteiligung. „Waren es bei der vorherigen Wahl noch rund 60 Prozent, ist sie um die Hälfte auf etwa 30 Prozent gesunken. Das ist eine Katastrophe“, so der 78-Jährige. 

Die Ursache liegt für ihn auf der Hand. Die Seniorenratswahl wurde dieses Mal ausschließlich mit digitaler Stimmabgabe durchgeführt – entweder in den eigenen vier Wänden oder am PC in den Wahllokalen. 

„Das scheint viele abgeschreckt zu haben. Nicht nur bei uns. In Sonderburg gab es dasselbe Problem. Beim nächsten regionalen Seniorenratstreffen im Dezember, wenn die neuen Gesundheitsräte auf der Tagesordnung stehen, werden wir das ansprechen“, so Johannsen.

Vielleicht lieber zurück zu Papier und Stift

Seniorenratswahl

Bei der Seniorenratswahl 2025 in der Kommune Apenrade (Aabenraa) waren laut Kommunalverwaltung 19.653 Frauen und Männer ab 60 Jahren stimmberechtigt. 6.088 gaben ihre Stimme ab. Das sind 30,98 Prozent. Bei der Wahl 2017 (2021 musste nicht abgestimmt werden, da es genauso viele Kandidatinnen und Kandidaten wie Ratsplätze gab) wurden 10.737 Stimmen abgegeben, womit die Wahlbeteiligung bei rund 60 Prozent lag.

Bei der Wahl 2025 haben 3.250 Bürgerinnen und Bürger über eine Benachrichtigung in der „E-boks“ abgestimmt. Das entspricht 17 Prozent. 501 Stimmberechtigte nutzten die digitale Briefwahl (2,55 %). 2.337 haben digital in den Wahllokalen mittels eines Tablets abgestimmt.

Zu überlegen gelte, ob man zurück zum klassischen Kreuzsetzen auf einem Abstimmungsbogen geht, so, wie es bei der Kommunal- und Regionswahl wieder gemacht wurde. Drei Bögen, drei Kreuze, und die Sache wäre in einem Abwasch erledigt gewesen, so Johannsen zur Alternative.

„Im Wahllokal in Bülderup war es so, dass die Stimmen zur Regional- und Kommunalwahl in einem Raum per Kreuz und zur Seniorenratswahl in einem anderen Raum digital abgegeben werden konnten. Viele Ältere, die ihr Kreuz in der Wahlkabine gesetzt und noch nicht für die Seniorenratswahl gestimmt hatten, sind nicht automatisch in den anderen Raum gegangen. Das ist problematisch“, so Johannsen. 

Für Dieter Johannsen, wiedergewähltes Mitglied des Seniorenrates in der Kommune Apenrade, ist die Wahlbeteiligung ein Dorn im Auge. Sie sank bei der kürzlich stattgefundenen Seniorenratswahl auf rund 30 Prozent.

Halb von zu Hause, halb im Wahllokal

Von den rund 19.000 wahlbeteiligten Bürgerinnen und Bürgern ab 60 Jahren gaben gerade einmal 6.000 ihre Stimme ab. „Ungefähr die Hälfte von zu Hause, die andere in den Wahllokalen oder per Briefwahl“, erwähnt Dieter Johannsen. Das müsse sich beim nächsten Mal ändern.

Die Seniorenratswahl liegt in der Verantwortung der Kommune. Johannsen hofft, dass sie beim nächsten Mal dafür Sorge tragen wird, dass die wahlberechtigten Seniorinnen und Senioren wieder in viel höherer Zahl stimmen werden. Ob das dann per Kreuz auf einem Bogen passiert oder erneut elektronisch, weil die Wählerinnen und Wähler in vier Jahren womöglich besser mit digitalen Abläufen vertraut sind, gelte es zu erörtern, so der Seniorenratsvorsitzende.

Der Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses, Michael Christensen (SF), hat sich ebenfalls über die Wahlbeteiligung gewundert. „Ich hätte mir eine wesentliche höhere Beteiligung gewünscht“, so Christensen.

Dass die niedrige Quote ausschließlich auf die elektronische Stimmabgabe zurückzuführen ist, weil ältere Bürgerinnen und Bürger damit nicht zurechtkommen, glaubt er nicht. „Ich schätze, dass 90 Prozent keine Schwierigkeiten mit dem elektronischen Abstimmungsverfahren haben und nur zehn Prozent Hilfe benötigen“, so Christensen. 

Auch für Michael Christensen (SF), Vorsitzender des Sozial- und Gesundheitsausschusses der Kommune Apenrde, war die Wahlbeteiligung bei der Seniorenratswahl 2025 zu niedrig.

Nichtsdestotrotz müsse über Initiativen nachgedacht werden, wie man zurück zu einer angemessenen Wahlbeteiligung zurückfindet. An Hinweisen auf die Wahl habe es nicht gemangelt. 

„Alle Bürgerinnen und Bürger ab 60 Jahren haben über den digitalen Postkasten eine Mitteilung zur Seniorenratswahl bekommen. Darüber hinaus ist auf Internetseiten, in Tageszeitungen, in Wochenblättern und auch im Seniorenheft ‚Ruden‘ auf die Wahl aufmerksam gemacht worden“, sagt der Ausschussvorsitzende. 

Die Bereitschaft muss vorhanden sein

Vor der nächsten Wahl in vier Jahren werde man das Thema im Ausschuss sicherlich noch einmal aufgreifen und erörtern, wie man zur Stimmabgabe animieren kann. Voraussetzung sei aber, dass die Menschen auch den Willen haben, abzustimmen.

„Vielleicht ist das Problem das nächste Mal auch gar nicht mehr so groß, weil die Bürgerinnen und Bürger noch mehr mit digitalen Abläufen vertraut sind“, so Michael Christensen.

Laut „JydskeVestkysten“ soll es technische Probleme bei der Stimmabgabe gegeben haben.