Bildung

Die dänische Schule in Rapstedt drückt der deutschen die Daumen

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Kinder der deutschen und der dänischen Schule in Rapstedt beim gemeinsamen Laternenprojekt (Archivfoto)

Bedauerlich wäre es, wenn es zu der ins Spiel gebrachten Schließung des deutschen Kindergartens und der deutschen Schule in Rapstedt kommt. Das sagen Vertreter der dänischen Schule. Sie sehen sich nicht nur als Konkurrenten.

Als noch zu Zeiten der Kommune Tingleff (Tinglev) die Schließung der dänischen Schule Rapstedt im Raum stand, gab es moralische Unterstützung von den deutschen Einrichtungen und der deutschen Gemeinschaft im Ort. 

Jetzt, wo der Deutsche Schul- und Sprachverein empfohlen hat, den deutschen Kindergarten und die deutsche Schule aus wirtschaftlichen Gründen und mangels Perspektiven zu schließen, gibt es einen Rollentausch: Dieses Mal drücken Vertreterinnen und Vertreter des dänischen Pendants „Ravsted Børneunivers“ den deutschen Einrichtungen die Daumen.

„Natürlich sind wir in gewisser Hinsicht Konkurrenten, und auch wir haben mit niedrigen Kinderzahlen zu kämpfen. Wir haben aber einen freundschaftlichen Kontakt zur deutschen Schule und machen ab und zu etwas zusammen. Wir würden es bedauern, wenn die Schule und der Kindergarten schließen müssten. Der deutschen Gemeinschaft und dem gesamten Ort würde etwas fehlen“, sagt „Børneunvers“-Vorsitzender Christian Carstensen.

Die Konkurrenzsituation sei ohnehin überschaubar. „Die deutsche Schule ist wesentlich kleiner, und ein Großteil der Kinder kommt aus einem großen Einzugsgebiet. Sollte die Einrichtung schließen, würden nur ganz wenige Kinder, wenn überhaupt, an unsere Schule kommen“, so Carstensen. In der dänischen Einrichtung drücken aktuell 72 Kinder die Schulbank. In der deutschen Schule sind es 27.

Zuzüglerfamilien würden eine Alternative verlieren

Kennzeichnend für Rapstedt sei das freundschaftliche Miteinander von Mehrheit und Minderheit. Eine Schließung der deutschen Institutionen würde diesen Esprit nehmen, so die Einschätzung des Vorsitzenden. Mit einem Aus würde zudem eine Alternative für Zuzüglerfamilien aus Deutschland wegfallen.

Auch Michael Holm, Leiter des „Ravsted Børneunivers“, hofft auf ein Fortbestehen der deutschen Schule. Für ihn wäre eine Schließung ebenfalls ein Verlust für den gesamten Ort. 

„Rapstedt zeichnet sich dadurch aus, dass hier Platz für alle ist. Die deutsche Gemeinschaft und deren Einrichtungen sind fester Bestandteil des Ortes. Der Schulträger wird seine Gründe haben, eine Schließung der deutschen Einrichtungen in Erwägung zu ziehen. Die wirtschaftliche Situation ist nun einmal ein wichtiger Faktor“, so der Schulleiter, der tagtäglich selbst einen Finanzhaushalt zu führen hat.

Nichtsdestotrotz wäre ein Aus von deutscher Schule und Kindergarten ärgerlich. „Wir machen hin und wieder Projekte zusammen, etwa beim Laternelaufen, zu Ostern und beim Lauftag.“ Der Austausch erweitere den Horizont der Kinder, und es würde generell den Zusammenhalt im Ort stärken. 

Michael Holm, Leiter der dänischen Einrichtungen in Rapstedt, würde das Fortbestehen der deutschen Schule und des deutschen Kindergartens begrüßen (Archivfoto).

„Wir erleben vielerorts eine Landflucht. Eine Schließung von Kindergarten und Schule – ob dänisch oder deutsch – verstärkt diese Tendenz. Es kann eine Negativspirale bis hin zur Schließung des örtlichen Kaufmanns in Gang setzen. Es ist daher zu hoffen, dass die deutschen Einrichtungen erhalten und wichtiger Bestandteil der Ortsgemeinschaft bleiben“, so der Schulleiter von „Ravsted Børneunivers“.

Für die deutsche Schule klärt sich die Schicksalsfrage unter Umständen bereits in den kommenden Tagen. Am Montagabend (24. November) werden Schule und Kindergarten dem Deutschen Schul- und Sprachverein und dem BDN-Hauptvorstand (Bund Deutscher Nordschleswiger) noch einmal das Konzept vorstellen, das sie für den Erhalt ausgearbeitet und eingereicht haben. Am Dienstag darauf kommt es dann zu einem Gespräch mit Verantwortlichen des DSSV.