Jubiläum

Sankt Petri: Eine junge Gemeinde feiert den 450. Geburtstag

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Hauptpastorin Rajah Schepers begrüßt die Gäste beim Empfang im Christian V.-Saal. Der Gemeinderatsvorsitzende Stefan Reinel (sitzend) studiert das Programm.

Die deutsche Petri-Kirche ist die älteste Kirche in der Kopenhagener Innenstadt. Die Mitglieder der Gemeinde sind jedoch mit durchschnittlich 34 Jahren ausgesprochen jung. Das ist ein Punkt, den Hauptpastorin Rajah Scheepers besonders liebt.

Man sah Hauptpastorin Rajah Scheepers die Freude an, als sie die Gratulantinnen und Gratulanten am Freitagnachmittag empfangen durfte. Schließlich ist es nicht alle Tage, dass man einen 450. Geburtstag feiern kann – auch wenn es logischerweise nicht ihr eigener ist, sondern der der Sankt Petri-Kirche im Herzen von Kopenhagen.

„Die Sankt Petri-Gemeinde ist die tollste Kirchengemeinde, die ich kenne“, sagt Scheepers, die jetzt seit fünfeinhalb Jahren hier Pastorin ist.

Älteste Kirche Kopenhagens

Der eigentliche Geburtstag ist zwar erst am 20. Februar, aber ein solch stolzes Alter soll dann doch ausführlich gefeiert werden. Den Anfang der Feierlichkeiten zum Jubiläumsjahr machte ein Empfang, zu dem die Kirche gemeinsam mit der Petri-Schule und der deutschen Botschaft in den Nebensaal der Kirche eingeladen hatte. Passend zum zweisprachigen Alltag in der Gemeinde leitete der Sankt-Petri-Kinderchor die Veranstaltung mit dem dänischen Neujahrslied „Vær velkommen Herrens år“ ein.

Die Petri-Gemeinde ist die einzige deutsche Gemeinde der dänischen Volkskirche. Außerdem zeichnet die Kirche aus, dass sie die älteste in der Kopenhagener Innenstadt – und damit dem damaligen Kopenhagen – ist.

„Toll an der Gemeinde ist, dass sie einerseits sehr modern ist und andererseits altehrwürdig“, begründet Scheepers ihre Begeisterung.

Junge Gemeinde

Das Moderne an der Gemeinde dürfte nicht ganz wenig mit dem Alter der Gemeindemitglieder zu tun haben, das im Durchschnitt 34 Jahre beträgt. Dies ist auch Morten Hennebichler aufgefallen, als er vergangenen Sommer als Vikar (Jungpastor) an die Kirche kam.

„In meiner Gemeinde in Deutschland hatte ich Wochen, in denen es drei bis vier Beerdigungen gab. Seitdem ich hier bin, gab es, glaube ich, drei bis vier insgesamt und dafür umso mehr Taufen. Es ist so richtig lebendig, und das finde ich fantastisch“, sagt er.

„Es ist eine der jüngsten Kirchengemeinden, die ich überhaupt kenne, mit 25 Konfirmandinnen und Konfirmanden pro Jahr“, ergänzt Scheepers.

Hennebichler war zuvor in einer Gemeinde in Braunschweig, wo das Durchschnittsalter der Gemeinde deutlich höher war. In der Petri-Gemeinde lernt er neue Aspekte der Kirchenarbeit kennen.

Morten Hennebichler und Rajah Scheepers mit einem Selfie vor ihrer jungen Gemeinde

„Zum Beispiel haben wir Eltern-Kind-Gruppen, und das empfinde ich als große Bereicherung.“

Enge Verbindung zwischen Kirche und Schule

Die Hauptpastorin sieht zwei Gründe für das junge Durchschnittsalter der Gemeinde. Der eine ist, dass viele Menschen aus Deutschland nach Dänemark ziehen – und nicht ganz wenige von ihnen nach Kopenhagen. Im Hauptstadtraum leben über 12.000 Menschen mit einem deutschen Pass; in Nordschleswig sind es knapp 9.000.

Der andere Grund hat mit der 450-jährigen Geschichte von Sankt Petri zu tun. Denn nur sechs Wochen nach der Gemeinde ist auch die Petri-Schule gegründet worden. Bis heute besteht eine enge Verbindung zwischen Schule und Gemeinde.

„Das ist für beide Seiten, wie ich denke, eine ungemeine Bereicherung“, meint Scheepers.

„Wie Geschwister“

Der Kirchhof dient den Kindern gleichzeitig als Schulhof: „Egal, ob sie evangelisch, katholisch, muslimisch oder atheistisch sind, wachsen sie ganz selbstverständlich in diesem Sankt-Petri-Ensemble auf.“

Daher würden viele Kinder an den Kinder- und Familiengottesdiensten teilnehmen, in den Konfirmationsunterricht gehen und als Erwachsene dann auch in der Kirche heiraten.

In den Pausen benutzen die Kinder den Kirchhof als Spielplatz.

„Die Kirchengemeinde und die Schule sind wie leibliche Geschwister, die einen sehr, sehr langen Weg miteinander gegangen sind.“ Es habe durchaus auch Auseinandersetzungen gegeben, aber „anders als manch leibliche Geschwister sind wir tatsächlich diesen Weg Hand in Hand bis heute gegangen“, sagt Scheepers.

Egal, was sie glauben oder nicht glauben, ist es doch ein Heimatgefühl, unter diesem Kirchturm aufzuwachsen.

Rajah Scheepers

Und auch für jene Kinder, die sich nicht der Gemeinde anschließen, sei dies wertvoll, so zumindest die Einschätzung der Hauptpastorin.

„Egal, was sie glauben oder nicht glauben, ist es doch ein Heimatgefühl, unter diesem Kirchturm aufzuwachsen“, meint sie.

Sankt Petri

Die Sankt-Petri-Gemeinde besteht seit 1575. Sie ist eine königliche Stiftung und bis heute über einen königlichen Patron mit dem Königshaus verbunden.

Vor der Reformation war die Sankt Petri-Kirche eine der vier städtischen Pfarrkirchen Kopenhagens. Durch die Reformation kam sie in die Verfügungsgewalt des Königs. König Frederik II. stellte sie 1585 der deutschen Gemeinde zur Verfügung.

Die Petri-Gemeinde ist die einzige deutschsprachige Gemeinde der dänischen Volkskirche (Folkekirken).