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Dänischer Stararchitekt Bjarke Ingels soll Hamburgs neue Staatsoper bauen

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Bjarke Ingels Group
Der Siegerentwurf der Bjarke Ingels Group für die Staatsoper in der HafenCity. Das Gebäude wird in einen Park eingebettet, der sich bis an die Wasserkante erstreckt.

Das geplante Opernhaus an der Elbe hat ab sofort ein Gesicht. Den Entwurf liefert das dänische Architekturbüro Bjarke Ingels aus Kopenhagen, das auch für „CopenHill“ verantwortlich ist. Spender Klaus-Michael Kühne hatte bei der Auswahl ein Wörtchen mitzureden.

Es sieht ein bisschen aus wie ein großer Strandpavillon am Elbufer – das geplante Gebäude der neuen Staatsoper in Hamburg: mit großzügigen Glasfronten, ausschweifenden Rundungen und viel Grün auf unterschiedlichen Ebenen. Die dänischen Architekten der Bjarke Ingels Group (BIG) aus Kopenhagen haben den Wettbewerb für den Bau der sogenannten „Kühne-Oper“ für sich entschieden. 

Das Architekturbüro hat weltweit Projekte umgesetzt, aber auch in Dänemark – etwa mit dem „Copenhill“ in Kopenhagen, dem Lego-Brand-House in Billund, dem Fluchtmuseum in Oksbøl oder dem Marsk-Tower in Scherrebek (Skærbæk). 

Der Entwurf sehe „eine Spirale aus Dachgärten vor, die mit einheimischen Bäumen, Büschen und Gräsern bepflanzt wird“, teilte die Wettbewerbsjury am Donnerstag mit. 

Opernhaus Hamburg
Die Halbinsel soll auch für Bürgerinnen und Bürger zum Verweilen einladen.

Im Ergebnis entsteht ein dreidimensionaler öffentlicher Park, der von allen Seiten offen und zugänglich ist und einen weiten Blick in alle Richtungen bietet – auf die Altstadt und die Neustadt, auf den Lohsepark und den Industriehafen.

Die Dänen setzten sich gegen vier hochkarätige internationale Konkurrenten durch, das Votum war einstimmig.

Das Opern- und Balletthaus ist ein Geschenk von Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne (88) an seine Geburtsstadt. Standort ist das Baakenhöft, die letzte unbebaute Landzunge der HafenCity. 

Der Bau wird in eine öffentlich zugängliche Parklandschaft eingebettet sein, die teils in die Dachbegrünung übergeht. „Insbesondere bei Nacht“, so die Juroren, werde die Oper „zur Ikone, wenn die ausufernden ,Blätter’ von unten beleuchtet einer aufsteigenden Blüte ähneln“.

Mäzen Kühne und seine Ehefrau Christine – beide große Opernfans – hatten sich am Mittwoch per Videoübertragung zur entscheidenden Jurysitzung hinzugeschaltet und dem Entwurf ihren Segen gegeben. Zur Präsentation reiste das Paar nicht an. 

Staatsoper Hamburg
So soll die Oper bei Nacht aussehen.

Der Unternehmer ließ aus seiner Wahlheimat Schweiz schriftlich mitteilen: „Gemeinsam mit der Stadt Hamburg und der hiesigen Staatsoper wollen wir einen einmaligen Ort für alle opernbegeisterten Hamburgerinnen und Hamburger schaffen.“

Bei der Vorstellung der Pläne überboten sich die Akteure mit vielversprechenden, bisweilen schwelgerischen Ankündigungen. Architekt Bjarke Ingels versprach: „Die Oper wird wie eine Landschaft aus konzentrischen Terrassen erscheinen – sie strahlt wie Schallwellen aus einem zentralen, pulsierenden Herz der Musik und breitet sich wie Wellen auf der Meeresoberfläche nach außen in den Hafen aus.“

Staatsoper Hamburg
Das Foyer der neuen Staatsoper.

Für den Innenbereich sehen die Pläne unter anderem einen holzgetäfelten Aufführungssaal mit exakt 1.501 Plätzen vor, etwas weniger als bisher (1.700). Die Hälfte der Sitze befindet sich im Parkett, die andere auf umlaufenden Balkonen. Dadurch gebe es keine nackten Wände, erklärte Architekt Bjarke Ingels, was sich „wie eine Umarmung“ anfühlen werde.

Staatsoper Hamburg
Holzvertäfelungen im Innenraum sollen die neue Oper auszeichnen.

Bürgermeister Peter Tschentscher versicherte, das neue Gebäude solle „beste Bedingungen für Kunst und Kultur bieten und eine Oper von Weltrang werden“. Und Kultursenator Carsten Brosda (SPD) erkannte in den Visualisierungen ein echtes Hoffnungszeichen: „Für die Musikstadt Hamburg ist das ein Moment, der richtig Lust auf Zukunft macht – was wir gerade jetzt gut gebrauchen können.“

Grundsanierung der bisherigen Oper zu teuer

Der Bau des Kulturtempels ist aus Sicht der Stadt notwendig, weil die erforderliche Grundsanierung der bisherigen Staatsoper (Baujahr: 1955) am Dammtor unter dem Strich teurer würde. Kühne hat sich für sein Geschenk eine Obergrenze von 340 Millionen Euro gesetzt. Allerdings: Erweist sich bei den weiteren Planungen, dass diese Summe nicht ausreicht, könnte der Unternehmer noch vor Baubeginn aus dem Vertrag aussteigen.

Fertigstellung Mitte der 2030er-Jahre

Der Zeitplan sieht vor, die Entwürfe in den kommenden beiden Jahren zu konkretisieren und an die Erfordernisse anzupassen. Architektur, Funktionalität und Wirtschaftlichkeit müssten so in Einklang gebracht werden, „dass wir Ende 2027 eine positive Durchführungsentscheidung treffen können“, sagte Jörg Dräger, Geschäftsführer der Kühne-Stiftung. Sprich: Bis zu diesem Zeitpunkt könnte der schwerreiche Firmenpatriarch sich noch aus dem Projekt zurückziehen. Gibt er aber grünes Licht, dann folgt die Ertüchtigung des Baakenhöfts durch die Stadt und dann der eigentliche Bau. Mit der Fertigstellung der Staatsoper rechnet Dräger für Mitte der 2030er Jahre.   

Hamburg zahlt 250 Millionen Euro für Kühnes Geschenk

Zwar will Kühne seiner Herzensstadt das Operngebäude schenken, trotzdem muss auch Hamburg viel Geld für die Realisierung in die Hand nehmen. Laut früheren Angaben von Finanzsenator Andreas Dressel (SPD) steuert die Stadt rund 250 Millionen Euro bei, um das Grundstück sturmflutsicher zu machen, die Kaimauern zu erneuern, die Parklandschaft anzulegen und die Verkehrsanbindung herzustellen.