Leitartikel

Abitur mit oder ohne Bonus

Gwyn Nissen
Gwyn Nissen Chefredakteur
Apenrade/Aabenraa
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Abiturienten des DGN aus dem vergangenen Jahr. Foto: DN-Archiv

Das Gymnasium ist nicht wie in den Anfängen die „Schule der Elite“, sondern ist praktisch eine Verlängerung der Grundschulausbildung geworden – meint Gwyn Nissen. Ihm zufolge sind überall die weißen Mützen mit verschieden-farbigen Bändern unterwegs. Doch was soll nach dem Abitur geschehen?

Das Gymnasium ist nicht wie in den Anfängen die „Schule der Elite“, sondern ist praktisch eine Verlängerung der Grundschulausbildung geworden – meint Gwyn Nissen. Ihm zufolge sind überall die weißen Mützen mit verschieden-farbigen Bändern unterwegs. Doch was soll nach dem Abitur geschehen?

Erstmals werden in diesem Sommer über 50.000 Abiturienten die traditionelle dänische Studentenmütze anziehen können. Das sind fast 50 Prozent mehr als vor sieben Jahren – und es könnten, falls die Maximalzahl von 55.000 Abiturienten erreicht wird, sogar zehn Prozent mehr sein als im Vorjahr.
Die gymnasialen Ausbildungen haben sich laut Forscher zu einer „natürlichen Fortsetzung der schulischen Grundausbildung entwickelt“: Erstmal Gymnasium, dann sehen was man eigentlich will, scheint die Devise der jungen Menschen zu sein. Das Gymnasium ist nicht wie in den Anfängen die „Schule der Elite“, sondern ist praktisch eine Verlängerung der Grundschulausbildung geworden.

Wer in diesen Tagen in Straßen oder sozialen Netzwerken unterwegs ist, kann sich selbst von den Abiturientenscharen überzeugen: Überall sind die weißen Mützen mit verschieden-farbigen Bändern unterwegs und in den Familien werden die Abiturienten gefeiert.
Aber nach der letzten Dose Bier kommen auch schon die ersten Fragen auf: Wie geht es jetzt weiter – und wo(mit)? Die Frage kann man in Dänemark fast schon pauschal beantworten: Erst einmal eine große Pause einlegen, und zwar nicht die zwischen der dritten und vierten Stunde, sondern zwischen Abi und Uni. Drei von vier Abiturienten in Dänemark machen ein sogenanntes Sabbatjahr. Das hört sich nach einer monatelangen Erholung auf dem Sofa an, doch in Wirklichkeit ist es ein Findungs- oder Orientierungsjahr, in dem die Jugendlichen reisen und arbeiten.

Politiker wollen (zumindest offiziell), dass die Abiturienten schneller ihren Weg ins Ausbildungssystem finden und belohnen daher diese Schüler mit einem Bonus: Sie können ihren Notendurchschnitt mit 1,08 multiplizieren und damit verbessern. Das kann für einige Jugendliche der entscheidende Sprung in die Wunschausbildung sein, aber den besten Bonus geben sich die Schüler, wenn sie in ihrem Findungsjahr die große Welt erforschen, denn hier lernen sie für das Leben.

Als Arbeitgeber zähle ich lieber Stationen die Lebenserfahrung geben können und Neugierde beweisen als Einsen im Zeugnis.
Gute Reise, liebe Abiturienten. Lasst euch nicht aufhalten.

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