Analyse

Mit Parteibuch in den Aufsichtsrat: So läuft's in Hadersleben

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Bent Kloster ist ab Januar 2026 neuer Vorsitzender bei Provas und löst seine Parteikollegin Inga Lykke in diesem Amt ab (Archivbild).

Gut verhandelt, gut bezahlt: In Hadersleben bringen Aufsichtsratsmandate in kommunal kontrollierten Gesellschaften jedes Jahr gutes Geld. Eine druckfrische Analyse des wirtschaftsliberalen Thinktanks CEPOS zeigt, wie hoch die Summen sind – und stellt die Frage, ob dabei Parteibuch oder Kompetenz entscheidet.

In der Kommune Hadersleben gab es im Vorjahr zehn Aufsichtsratsmandate in kommunalen Gesellschaften. Nach jeder Kommunalwahl vergibt die politische Mehrheit diese Ämter. Die dafür gezahlte Vergütung: insgesamt 414.582 Kronen. Das zeigt eine neue Untersuchung des wirtschaftsliberalen Thinktanks CEPOS.

Zwei Namen aus Nordschleswig auf Top-Ten-Liste

Im Durchschnitt bringt jedes Mandat rund 41.500 Kronen – ein Betrag, der zum normalen Ratsgehalt hinzukommt. Im nationalen Vergleich liegt die Domstadtkommune damit im soliden Mittelfeld. Und: Kein Mitglied aus der Kommune taucht in den Ranglisten der zehn bestvergüteten Kommunalpolitikerinnen und -politiker auf. 

Auf der Liste der landesweit bestvergüteten Kommunalpolitikerinnen und -politiker ohne Bürgermeisteramt erscheinen aus Nordschleswig nur zwei Namen: Ellen Trane Nørby (Venstre) aus Sonderburg (Sønderborg) für drei Gremiensitze (342.049 Kronen) und Erwin Andresen (Schleswigsche Partei) aus Apenrade (Aabenraa) für seinen Sitz im Hafenausschuss (254.868 Kronen).

Es geht in der Analyse nicht um politische Ausschüsse, sondern um Mandate in kommunal kontrollierten Unternehmen – etwa Versorgungsbetriebe, Wohnungsbaugesellschaften, Hafenverwaltungen oder Entwicklungsgesellschaften. Diese Posten sind mit Honoraren verbunden – im Durchschnitt rund 43.000 Kronen jährlich pro Amt.

Parteibuch siegt über Kompetenz

Josephine Alstrup Kofod von der Dänischen Volkspartei ist neu im Haderslebener Kommunalparlament und im Unterschied zu ihrem Ehemann, Peter Kofod, eine politische Newcomerin. Sie hat ab Januar einen Sitz in der Gesellschafterversammlung des nordschleswigschen Verkehrsunternehmens „Sydtrafik“ (Archivbild).

In Dänemark entstehen diese Mandate durch politische Vereinbarungen nach der Wahl. Wer das richtige Parteibuch hat oder für eine Mehrheit gebraucht wird, landet oft im Aufsichtsrat. Auch in Hadersleben läuft es so – wie die jüngste Konstituierung zeigt.

CEPOS fordert: Schluss mit Extra-Geld für Aufsichtsratsposten. Diese Aufgaben gehören aus Sicht der Analysten zum normalen Ratsmandat. Künftig sollten Fachkenntnisse über die Besetzung entscheiden – nicht Parteibuch oder Koalitionslogik. Und: Politik und Betrieb müssten sauber getrennt werden. Nur so lasse sich dieser Bereich professionalisieren.

Und der Rest von Nordschleswig?

Im regionalen Vergleich zeigt sich: Apenrade (Aabenraa) vergibt elf Mandate – dafür fließen dort aber über 844.000 Kronen, also mehr als doppelt so viel wie in Hadersleben. Auch Sonderburg liegt mit 16 Posten und 807.000 Kronen weit darüber. 

Die Kommune Tondern (Tønder) wiederum liegt fast auf Haderslebener Niveau: elf Mandate für rund 446.000 Kronen.

Wer in Hadersleben was kontrolliert

Laut Konstituierung sitzen ab Januar 2026 folgende Ratsmitglieder in Aufsichtsräten kommunaler Unternehmen – also auf Posten, die in der CEPOS-Analyse über das Ratsmandat hinaus vergütet werden:
Provas Holding A/S: Bent Kloster (Venstre), Thies Mathiasen (Dänische Volkspartei), Inga Lykke (Venstre), Cecilie Haaland (Sozialdemokratie)
Deponi Syd I/S: Thies Mathiasen (DF) 
Fælleskøkkenet Elbo I/S: Signe Knappe (Venstre), Tina Rosenkilde (Konservative Volkspartei)
Sydtrafik (Repräsentantschaft): Josephine Alstrup Kofod (DF) 
CEPOS zählt zehn Mandate – zwei davon sind in der öffentlichen Konstituierung nicht dokumentiert.