SCHLESWIGSCHE PARTEI

Junge Spitzen: Kulturpolitik und Vielfalt als Zukunftsvision

Drei junge Erwachsene sprechen gemeinsam an einem Rednerpult vor einer Leinwand.
Dorthe Andresen, Leif Curdes und Victor Puck Terp bei der Aussprache, die sich an die Beiträge der drei Jungen Spitzen anschloss.

Engagement: Kulturpolitik fördert Gemeinschaft und Wirtschaft, betonte etwa Victor Puck Terp bei der Hauptversammlung der Schleswigschen Partei und verwies auf die Bedeutung kultureller Investitionen. Zugleich ging es darum, wie Vielfalt als Chance genutzt werden kann und warum Zugezogene der Minderheitenpartei bislang kaum Stimmen geben.

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Zusammenfassung

  • Drei Junge Spitzen der Schleswigschen Partei ziehen bei der Hauptversammlung Wahlkampf-Bilanz und blicken auf zukünftige Schwerpunkte.
  • Victor Puck Terp fordert mehr Gewicht für Kulturpolitik als Motor für Lebensqualität, Wirtschaft und Zusammenhalt.
  • Dorthe Andresen wirbt trotz Anfeindungen für Vielfalt, während Leif Curdes Gründe für ausbleibende Stimmen Zugezogener sucht und die Grundwerte der Minderheitenpartei betont.

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Drei Junge Spitzen, dreimal geht der Blick aus dem Wahlkampf in die Zukunft, dreimal gibt es einen anderen Schwerpunkt: Auf der Hauptversammlung der Schleswigschen Partei in Tingleff (Tinglev) am Mittwochabend berichteten Victor Puck Terp, Dorthe Andresen und Leif Curdes über ihre Erfahrungen aus den Kommunalwahlen im November. Anna Lea Leth Schmidt stand ebenfalls mit auf der Tagesordnung, musste aber krankheitsbedingt absagen. 

Versammlungsleiter Carsten Leth Schmidt fand eine passende Überleitung von der Abschiedsrede des Vorsitzenden Rainer Naujeck zu den Jungen Spitzen, die „Brücken schaffen für die Zukunft“. Die Jugend stehe im Programm nun weit vorne. 

Drei junge Personen stehen am Podium vor einer Leinwand mit Textprojektion.
Dorthe Andresen, Leif Curdes und Victor Puck Terp lauschen in der Aussprache konzentriert den Ausführungen eines SP-Mitglieds.

Unter dem Titel „Was eine starke Kulturpolitik kann“ berichtete Victor Puck Terp, der bei der Kommunalwahl in den Stadtrat von Tondern (Tønder) gewählt wurde, über seine ersten vier Sitzungen im Kultur- und Freizeitausschuss. Er sei noch kein Experte, habe aber in der ersten Sitzung seine Kolleginnen und Kollegen gefragt, was ihnen Kultur bedeutet. Es sei einer der Bereiche in der Politik, wo man mit wenig Geld viele Menschen erreiche, der sich ständig entwickle und anpasse. Dennoch sei die Kultur zweitrangig und ein „nettes Nebenbei“. 

Kultur ist kein isolierter Bereich. Er verbindet alles und gibt mehr zurück, als er kostet.

Victor Puck Terp

Plädoyer für mehr Einsatz für die Kultur

Für Victor Puck Terp ist es jedoch kein Nebenbei. „Es ist Lebensqualität. Kultur bedeutet Vielfalt.“ Ein Leben ohne Kultur sei erstens langweilig, und zweitens stecke sie überall drin – in der Wirtschaft, der Bildung, der Gesundheit und der Gemeinschaft. „Kultur ist kein isolierter Bereich. Er verbindet alles und gibt mehr zurück, als er kostet“, so Terp, denn von Kulturveranstaltungen profitierten etwa auch Hotels oder Handwerk. „Kultur schafft Sichtbarkeit und Attraktivität. Jede Investition bringt etwas zurück, in die lokale Wirtschaft oder den Tourismus.“ 

Der Kulturbereich habe trotz geringster finanzieller Mittel die größte Berührungsfläche. „Kultur bringt Menschen über Grenzen hinweg zusammen, stützt ein harmonisches Zusammenleben und ist Inspiration für andere“, sagt Puck und hebt etwa die Europeada hervor oder auch die anstehende Faustball-EM in Tondern, zu der Menschen anreisen, die sonst vermutlich nie nach Nordschleswig kommen würden. „Es ist unsere Chance, den Menschen unsere Heimat und Kultur zu zeigen.“ Er wolle durch das starke Ergebnis der SP in Tondern die Chance nutzen, Entscheidungen zu treffen, die diese Gemeinschaft stärken.

Vielfalt schützen und unterstützen

Dorthe Andresen sprach einen anderen Punkt an, doch auch bei ihr ging es um die Stärkung der Gemeinschaft. „Vielfalt als Chance“ lautete der Titel ihres Berichts. Sie begann mit einem Zitat des Apenrader Dichters und Schriftstellers Carl Scharnberg. „Ingen kan alt. Alle kan noget. Sammen kan vi det hele.“ Niemand kann alles, alle können etwas, und gemeinsam können wir alles. 

Gegen laute und negative Gegenstimmen müssen wir Vielfalt schützen und unterstützen.

Dorthe Andresen

Im Wahlkampf hätten alle angepackt. Gemeinsam könne man viel erreichen, nicht nur in Nordschleswig, so Andresen, der im Wahlkampf auch viel Hass in den sozialen Medien entgegenschlug, weil sie sich für eine vielfältige Kommune mit Platz für alle eingesetzt hatte. „Die Beleidigungen haben in mir den Kampfgeist geweckt, den Menschen Vielfalt näherzubringen.“ Dies sei mit Blick auf die Folketingswahlen wichtig, denn die Entwicklung mache nachdenklich. „Der Ton wird härter, und oftmals sind die Positionen nur noch schwarz oder weiß. Dabei sind wir so viel mehr“, sagt die 21-Jährige und hebt Mehrsprachigkeit und Identität, die hier im Grenzland Seite an Seite stehen, hervor. Da stecke viel Stärke drin. 

„Gegen laute und negative Gegenstimmen müssen wir Vielfalt schützen und unterstützen“, so die frischgewählte stellvertretende SP-Vorsitzende. Es gehe darum, einander zuzuhören, auch wenn man nicht immer einer Meinung sei. Schon Angela Merkel (CDU, Bundeskanzlerin a. D., Anm. d. Red.) habe gesagt, dass Vielfalt keine Belastung, sondern ein Mehrwert ist. „Vielfalt ist kein Problem, das wir lösen müssen, sondern ein Werkzeug, das wir nutzen müssen“, so Dorthe Andresen abschließend. Dies könne einen echten Unterschied machen.

Wie erreicht man die Zugezogenen?

Leif Curdes, der als Kandidat in Sonderburg (Sønderborg) denkbar knapp am Mandat in der Kommune scheiterte, analysierte die „scheinbar vergebliche Jagd auf die Zugezogenen-Stimmen“. Dabei resümierte er, dass die SP in Sonderburg die Zugezogenen wohl nicht erreichen konnte. Das Problem sei größer. Der Rückgang auf 1.566 Stimmen sei zwar erwartbar gewesen, aber durch die Zuzugswelle habe er mit einem Anstieg gerechnet. Dies sei nicht so gekommen. 

Leif Curdes stellt sich viele Fragen: Wo waren die 4.500 Zugezogenen? Wo sind die Stimmen? Eine Möglichkeit: „Die Politikmüdigkeit nimmt zu, weshalb Deutsche mitunter nach Dänemark auswandern. Gehen Deutsche überhaupt zur Wahl?“ Auch welche Rolle die Minderheit spielt, versuchte Leif Curdes zu analysieren. Wählen Minderheitenangehörige automatisch die Schleswigsche Partei? Welche Angebote gibt es für die Zielgruppe? 

Gerade Zugezogene seien mit Info-Kampagnen über sämtliche Medienformen bespielt worden, so Curdes. Zugezogene hätten auch auf den Stimmzetteln als Kandidatinnen und Kandidaten gestanden und im Wahlkampf alles gegeben. Am Angebot habe es nicht gemangelt, ist Curdes überzeugt. Dennoch seien die Möglichkeiten erschöpft, sie zu erreichen. „Es geht um Angebot und Nachfrage: Suchen uns Zugezogene auf dem Stimmzettel?“ 

Eine Politik der Weltoffenheit, Toleranz und Inklusion. Das sind die Eckpfeiler unserer politischen Arbeit.

Leif Curdes

Curdes' Vermutung ist, dass der Kurs der Schleswigschen Partei zu vage ist. „Viele suchen nach gezielten Angeboten, die wertepolitisch außerhalb liegen. Einige davon haben radikal verschiedene Weltansichten. Wir können Repräsentation nicht allen bieten.“ Dennoch sei es wichtig, sich klar als Minderheitenpartei zu vermarkten. „Das hat tief verankerte Gründe: eine Politik der Weltoffenheit, Toleranz und Inklusion. Das sind Eckpfeiler unserer politischen Arbeit“, so Curdes. Intoleranz könne eine SP nicht repräsentieren.

Die SP vertritt die Minderheit seit 1920 „in hellen und dunklen Zeiten“, sei politisches Sprachrohr und ein „Segen für das Fortbestehen der Minderheit in derzeitiger Form“. Als Mitglied der Minderheit müsse es eine Selbstverständlichkeit sein, für die SP zu stimmen. Das sei aber nicht so. „Diese Selbstverständlichkeit ist noch nicht draußen angekommen, bei den Zugezogenen jedenfalls nicht.“ Hier sei weitere Aufklärung wichtig, so Curdes abschließend. Dies sei wichtig für das Fortbestehen. 

Der Beitrag von Anna Lea Leth Schmidt, „Zwischen Mediensturm und eigenem Kurs“, fiel krankheitsbedingt aus.

Aussprache legt Fokus auf Rückkehr nach Nordschleswig

In der anschließenden Aussprache betonte Victor Terp, Kultur und Freizeit seien eine Chance, junge Menschen in Nordschleswig zu halten. Leif Curdes ergänzte, dass der Fokus aufs Wiederkommen gelegt werden müsse. Dies habe auch einen ökonomischen Wert.

Die Kandidatin auf den Hauptvorsitz des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Claudia Knauer, wünschte sich, dass die Jungen Spitzen „noch frecher und schräger“ werden. Jugendorganisationen dürften querschießen. In der Kulturpolitik sei sie einig mit Victor, so die Büchereidirektorin.