Wirtschaft

Einer von elf staatlichen Mega-Industrieparks kommt nach Nordschleswig

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In Kassö (Kassø) steht Europas größte Power-to-X-Anlage. Auf zusätzlichen 696 Hektar Land soll hier ein neuer Industriepark entstehen.

Die Kommune Apenrade ist einer der auserkorenen Standorte – fast 1.000 Fußballfelder groß soll der neue Industriepark werden. Auch Tondern hatte sich beworben – ohne Erfolg.

Nordschleswig bekommt einen staatlich ausgewiesenen Industriepark – und zwar in Kassö in der Kommune Apenrade. Elf Standorte wurden landesweit auserkoren – die Kommune Tondern ist nicht dabei. Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen (SP) hatte für eine Ansiedlung in der Westküstenkommune geworben, jedoch ohne Erfolg. 

Die neuen Industrieparks sollen es weniger umständlich machen, neue Produktionsbetriebe in Dänemark zu errichten. Das geht aus einer Pressemitteilung des Wirtschaftsministeriums vom Dienstag hervor. Die Parks sollen demnach Investorinnen und Investoren anziehen und Arbeitsplätze und Wachstum im ganzen Land schaffen, so die Vorstellung der Parteien hinter der Absprache. 

Die Ernennung sei eine Bestätigung der Bemühungen, so Apenrades Bürgermeister Jan Riber Jakobsen laut einer Pressemitteilung. „Wir legen großen Wert darauf, das volle Potenzial der grünen Umstellung auszuschöpfen, ebenso wie wir uns ständig darum bemühen, mehr grüne Arbeitsplätze zu schaffen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass diese Ernennung ganz Nordschleswig zugutekommt.“

Elf statt fünf Industrieparks

In dem im Oktober 2024 vorgestellten Regierungsentwurf war zunächst vorgesehen, fünf neue Industrieparks zu schaffen, aber nun wurde die Zahl nach oben korrigiert.

Regierung, Dänische Volkspartei, Konservative, Radikale, Dänemarkdemokraten und Sozialistische Volkspartei haben folgende Kommunen als Standorte ausgelotet: 

  • Kerteminde (Munkebo)
  • Skive (Kåstrup)
  • Lolland (noch keine endgültige Entscheidung)
  • Apenrade (Kassö)
  • Ikast-Brande (Pårup)
  • Horsens
  • Viborg (Foulum)
  • Næstved (Tappernøje, Bårse)
  • Esbjerg
  • Aalborg
  • Kalundborg

Fast 1.000 Fußballfelder bei Kassö 

Freuen kann sich hingegen die Kommune Apenrade, wo in Kassö (Kassø) einer der elf Standorte liegen soll. Hier entsteht seit geraumer Zeit das Zentrum für grüne Umstellung in der Kommune. Hier hat die weltgrößte Power-to-X-Anlage in diesem Jahr mit der Produktion begonnen, und hier steht mit 340 Hektar auch Nordeuropas größte Solaranlage, die das Dorf Jolderup (Hjolderup) fast vollständig umschließt. Kassö selbst besteht aus wenigen Bauernhöfen und Häusern.

696 Hektar stehen für den Industriepark in Kassö zur Verfügung – das entspricht rund 975 Fußballfeldern. Die Kommune habe jetzt gesicherte Rahmenbedingungen, um mit der Planung fortzufahren.

Tondern geht leer aus

29 Kommunen hatten sich beworben, Standort eines staatlichen Industrieparks zu werden. Darunter auch die Kommune Tondern, die 190 baureif gemachte Hektar in Bredebro zur Verfügung gestellt hätte. „Wir glauben, gute Voraussetzungen mitzubringen, was grüne Energie und Wachstum betrifft. Die Kommune könnte so ein Motor für Arbeitsplätze, Investitionen und neue Dynamik werden, zum Nutzen der gesamten Region und Dänemarks“, gab sich Bürgermeister Jørgen Popp Petersen im Mai sicher. Doch nun geht die Kommune leer aus. 

„Das ist sehr enttäuschend und auch ein bisschen unverständlich, wenn man die Standorte sieht“, sagt Popp Petersen nun. „Es wurde als eine wichtige Maßnahme zur Entwicklung des ländlichen Raums vorgestellt. Unter dem Tenor ‚Dänemark in Balance‘ geht es auch um ein Nordschleswig in Balance. Bei elf Industrieparks hätten gut zwei in Nordschleswig angesiedelt werden können.“

Offen, welche Produktion sich ansiedelt

„Die Produktion in Dänemark ist das Rückgrat unserer lokalen Gemeinschaften und der dänischen Wirtschaft und schafft Tausende Arbeitsplätze. Aber Ärger und Bürokratie sind ein Klotz am Bein unserer Produktionsunternehmen“, sagt Wirtschaftsminister Morten Bødskov (Soz.) zu den Plänen. Eine aktive Industriepolitik sei der Weg in die Zukunft. Das große Interesse der Kommunen zeige, dass sie mitziehen.

Die neuen Industrieparks richten sich an verschiedene Arten von Unternehmen und konzentrieren sich auf dänische und regionale Stärken, unter anderem in den Bereichen grüne Transformation – etwa in Apenrade –, Biowissenschaften und Lebensmittel.

Laut der Wirtschaftsbehörde (Erhvervsstyrelsen) benötigen Produktionsunternehmen attraktive Flächen mit guter Anbindung an die Infrastruktur. Dazu gehören unter anderem Strom, Wasser, Transport und Abwasserentsorgung.

Auswirkungen auf die Kommunalwahl?

Morten Høyer, politischer Direktor bei Branchenverband Dansk Industri, begrüßt die Lage der künftigen Industrieparks und freut sich auf ihre rasche Realisierung. „Jetzt steht uns in den einzelnen Kommunen eine Menge Arbeit bevor, die in Zusammenarbeit mit den staatlichen Behörden und der lokalen Wirtschaft umgesetzt werden muss.“

„Wir hoffen natürlich, dass die neuen Kommunalräte dies nach den Kommunalwahlen als hohe Priorität behandeln werden“, sagt Morten Høyer.

Die Ernennung dürfte auch den Kommunalwahlkampf in Apenrade anheizen. Inger Støjbergs Dänemarkdemokraten haben in Nordschleswig großen Zulauf. Sie stellen sich als Verteidiger des ländlichen Raums und der Randregionen dar. Während sie ebenfalls hinter der Absprache stehen, kritisieren sie jedoch gleichzeitig den Ausbau von Solaranlagen auf Ackerflächen, im Jargon der Partei „Eisenfelder“ (jernmarker) genannt.