Kommunalpolitik

Geplante Deponie in Bodum sorgt für Grundwasser- und Naturschutz-Debatte

Veröffentlicht Geändert
Bei der Wahlveranstaltung im Apenrader Folkehjem standen Umweltthemen im Mittelpunkt.

Ein geplantes „Nyttiggørelsesanlæg“ für leicht verunreinigte Erde in Bodum sorgt für heftige Diskussionen. Während das Unternehmen Meldgaard die Anlage als zukünftiges Naherholungsgebiet plant, warnen Anwohnende, lokale Wasserwerke und Umweltschützende vor Risiken für Grundwasser und Natur. Welche Lösungen könnten den Konflikt entschärfen und die Sicherheit von Mensch und Umwelt gewährleisten?

Das lokale Unternehmen Meldgaard plant in Bodum eine Deponie für leicht verunreinigte Erde. Das Gelände soll etwa 20 Jahre genutzt werden, bevor es zu einem Naherholungsgebiet umgewandelt wird. Während Meldgaard die Nutzung als sinnvolle Möglichkeit der Bodenkreislaufwirtschaft darstellt, äußern Anwohnende, Umweltverbände und Wasserwerke erhebliche Sicherheits- und Umweltbedenken.

Neben den Einwänden, dass der Lastverkehr den kleinen Ort mit Lärm und Abgasen überziehe, werde die Sicherheit für die Verkehrsteilnehmenden verschlechtert, sagte unter anderem ein Ortsbewohner gegenüber „Jydskevestkysten“. Doch das sind nicht die einzigen Einwände gegen das Projekt.

Risiken für Trinkwasser und Grundwasser

Das Wasserwerk für Loit (Løjt Kirkeby) und Gjenner (Genner) warnt, dass das geplante Deponiegebiet in der „Kernströmung“ des Grundwassers liegt, das ihre Anlagen speist. Schon kleine Undichtigkeiten in der Schutzschicht oder unzureichende Überwachung könnten dazu führen, dass Schadstoffe wie PFAS oder Schwermetalle ins Trinkwasser gelangen. Besonders die sauren Moorböden erhöhen die Mobilität von Schwermetallen und könnten die Schadstoffausbreitung beschleunigen.

Die Wasserwerke fordern eine Reihe von Maßnahmen, darunter:

  • Vollständige Grundwasserkartierung des Gebiets
  • Anpassung der Bodenanalysen an die Trinkwasserüberwachung
  • Mehrschichtige Abdichtung mit Membran und Perkolat-Sammelsystemen
  • Robust ausgestaltetes Überwachungsprogramm
  • Ausreichende finanzielle Garantien für mögliche Schäden

Nach Berechnungen sollen rund 1,1 Millionen Kubikmeter Erde eingelagert werden – das entspricht etwa 72.000 LKW-Ladungen über zwei Jahrzehnte.

Konflikt mit Natur- und Landschaftsschutz

Die Naturschutzorganisation DN Aabenraa weist darauf hin, dass das Areal wertvolle Hochmoore, Feucht- und Grünlandflächen sowie ökologische Korridore umfasst. Die Aufschüttungen von bis zu 25 Metern würden die Landschaft dauerhaft verändern und seltene Tierarten wie Lurche, Fledermäuse und Amphibien gefährden. Auch die hohe LKW-Frequenz während der Betriebsphase würde den empfindlichen Naturraum erheblich stören.

Kommune prüft auf neue Eingaben 

Der rot umrandete Bereich zeigt den Bereich, der zum Naherholungsgebiet werden soll (Illustration).

Die Kommune ist dabei, die neuen Eingaben der Bürgerinnen und Bürger zu sammeln und dann von einem unabhängigen Institut überprüfen zu lassen.

Auch Meldgaard wartet ab, ob es neue Einwände gibt, die bei einer ersten Hörungsphase noch nicht vorlagen. „Das müssen wir dann sehen und dann Sweco übergeben, die für uns die Untersuchungen machen. Wir können uns derzeit nicht anders dazu verhalten“, sagte Finanzdirektor Johann Nielsen. Sweco ist ein Unternehmen, das sich auf die Entwicklung von nachhaltigen Projekten spezialisiert hat und Büros in ganz Europa hat. „Wir nehmen die Bedenken und Einwände der Menschen sehr ernst“, fügt er hinzu. Man wolle nichts überstürzen, so der Meldgaard-Direktor auf Anfrage. 

Politische Diskussion und Bürgermeinung

Bei einem Wahltreffen im Folketing, das kürzlich stattfand und zu dem der dänische Naturschutzverband eingeladen hatte, war auch die Deponie in Bodum Thema – obwohl nicht auf der Tagesordnung. Mehrere Parteien, darunter Moderaterne, SF, Radikale Venstre, Danmarks Demokraterne, Enhedslisten und Ny Borglige, lehnten die Deponie ab. Andere Parteien forderten weitere Untersuchungen.

Bürgerinnen wie die Bodumerin Birgitta Hansen kritisierten, dass Sicherheit und Naturschutz bisher nicht Priorität hätten. Sie forderten eine stärkere Bürgerbeteiligung und transparente Entscheidungsprozesse.

Lösungsansätze und Perspektiven

Verschiedene Vorschläge zeigen Wege auf, wie ökologische, soziale und wirtschaftliche Interessen in Einklang gebracht werden könnten:

  • Die dänische Umweltbehörde schlägt vor, alternative Standorte zu prüfen, um so die sensiblen Grundwassermagazine durch Standortwechsel zu schützen.
  • Die Kommune Hillerød lässt vor Ort wiederverwerten. Das Bodenmaterial von Bauprojekten kann lokal aufbereitet werden, um Transporte und Umweltbelastung zu reduzieren.
  • In Schweden und Norwegen gibt es strenge Kontrollen, die in Echtzeit öffentlich wiedergegeben werden. Unabhängige Laboranalysen, kontinuierliche Überwachung und öffentliche Daten schaffen so Vertrauen.
  • Moderne Technologien können vor dem Durchsickern von flüssigen Schadstoffen schützen.