Nordschleswig

E-Busse von Yutong können aus China gesteuert werden – das sagt „Sydtrafik“

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Elektrobusse
Ein Bus von Yutong steht am Busbahnhof in Tondern.

Die Elektrobusse der chinesischen Marke Yutong sind beliebt, da sie günstig und schnell verfügbar sind. Doch mit ihnen kommt ein Sicherheitsrisiko, wie jetzt in Norwegen herausgefunden wurde. Auch auf Nordschleswigs Straßen rollen die Busse, die theoretisch aus der Ferne abgeschaltet werden könnten. „Sydtrafik“ sieht kein erhöhtes Risiko.

Man stelle sich vor, man fährt mit dem Elektrobus auf einer Route durch Nordschleswig und plötzlich schaltet sich der Motor ab und die Türen verschließen sich. Der Busfahrer kann nichts tun. Sie wurden aus China abgeschaltet. 

Wie die norwegische Zeitung „Aftonbladet“ berichtet, hatte die Busgesellschaft „Ruter“ im Sommer zwei elektrisch angetriebene Busse heimlich nach Drammen gebracht, um sie genauer zu untersuchen. Der eine stammt von der niederländischen Firma VDL, der andere vom chinesischen Hersteller Yutong. 

Die Prüferinnen und Prüfer von „Ruter“ fanden heraus, dass die Yutong-Busse aus China, anders als die von VDL, in der Theorie aus der Ferne gestoppt und abgeschaltet werden können. Ein sogenanntes OTA-Modul (Over-the-Air-Modul) liefert Yutong über eine rumänische SIM-Karte jederzeit Zugriff auf den Bus. Laut „Ruter“ kann damit auf Batterie- und Stromversorgungssysteme zugegriffen werden. Die Kamerasysteme an Bord seien jedoch nicht betroffen. 

Chinesische Elektrobusse in Nordschleswig 

Es sind dieselben Busse, die auch in Nordschleswig fahren. Auf Nachfrage wurde dem „Nordschleswiger“ mitgeteilt, dass im Bereich von „Sydtrafik“ 68 Yutong-Busse unterwegs sind. Sie werden in Hadersleben (Haderslev), Apenrade, Tondern (Tønder) und Fredericia eingesetzt.

„Die Busse der Marke Yutong sind eine beliebte Wahl bei den privaten Busunternehmen, weil sie einen geringeren Preis haben und auch wegen der Unterhaltung und Liefersicherheit“, sagt „Sydtrafik“-Pressesprecherin Louise Christine Rasmussen. 

Yutong entstand aus einem staatlichen Betrieb, wird aber seit mehreren Jahren als Unternehmen an der chinesischen Börse geführt. Ein Unternehmen sollte dennoch nicht die Möglichkeit haben, Busse des öffentlichen Nahverkehrs stillzulegen. Gegenüber „DR“ sagte Thomas Rohden, zweiter Vorsitzender von Radikale Venstre in der Hauptstadtregion und Stifter des Vereins „Dansk Kina-Kritisk Selskab“, dass es eine Herausforderung für die nationale Sicherheit und die Unabhängigkeit sei.  

Ein Elektrobus von Sydtrafik steht am Busbahnhof in Tondern.
Ein Elektrobus von Sydtrafik steht am Busbahnhof in Tondern.

Keine volle Kontrolle

„In Dänemark neigen wir dazu, in Bezug auf China viel zu naiv zu sein. Wir glauben nicht, dass sie uns etwas Böses wollen. Aber sie verkaufen uns Systeme, die ihnen eine gewisse Macht über uns verschaffen“, so Rohden. 

Zwar muss man nicht dem Unternehmen selbst oder dem Staat dahinter böse Absichten unterstellen. Aber auch Cyberkriminellekönnten sich durch Sicherheitslücken Zugriff auf das System verschaffen und die Busse lahmlegen. So fand die norwegische Busgesellschaft „Ruter“ bei der Überprüfung auch gleich eine entsprechende Sicherheitslücke auf der Plattform, über die die Busse geupdatet werden – diese wurde aber mittlerweile geschlossen.

„Sydtrafik“: Keine konkrete Bedrohung

Bei „Sydtrafik“ gibt man sich indes relativ gelassen. „Das Sicherheitsrisiko beim Kauf und Einsatz von in China hergestellten Elektrobussen stand im Fokus der dänischen Verkehrsunternehmen, und im August wurde eine Bewertung bei der Behörde für öffentliche Sicherheit (Styrelsen for Samfundssikkerhed, Anm. d. Red.) eingeholt, die vorläufig feststellt, dass ihr keine konkreten Bedrohungen im Zusammenhang mit dem Einsatz chinesischer Elektrobusse bekannt sind“, sagt Rasmussen. 

Darüber hinaus biete „Sydtrafik“ Busdienste für private Betreiber in Übereinstimmung mit den geltenden dänischen und EU-Vorschriften an. Letztere enthalten Regularien, die Anforderungen an die Cybersicherheit und Online-Aktualisierung von Fahrzeugen stellen. 

„Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass digitale Schwachstellen auftreten können, die eine gesonderte Risikobewertung durch Verkehrsunternehmen und Busbetreiber erforderlich machen. Dies wurde beim Verkehrsunternehmen „Movia“ in die Wege geleitet“, so Rasmussen. 

Hohe Kosten und Zweifel an Verfügbarkeit

E-Busse der Firma Yutong
E-Busse der Firma Yutong sind beliebt.

Thomas Rohden ist der Meinung, es sollte komplett Schluss sein mit chinesischen Produkten im öffentlichen Personennahverkehr. Laut „Sydtrafik“ ist das aber nicht so einfach, die chinesischen Busse einfach durch europäische zu ersetzen. „Der Austausch der Elektrobusse in den laufenden Verträgen würde zu einer erheblichen Kostensteigerung führen. Dies kann nur durch eine politische Entscheidung in den betroffenen Kommunen erfolgen“, so Rasmussen. Zudem bestünden auch Zweifel daran, ob der europäische Markt für Elektrobusse über die Kapazitäten verfügt, um die Nachfrage ohne lange Lieferzeiten und Verzögerungen zu decken.

Hinzu kommt, dass „Sydtrafik“ nicht darüber entscheidet, welche Busse angeschafft werden. Es sind die Busunternehmen, die festlegen, welche Busse Teil ihres Vertragsangebots sind, so die Pressesprecherin. Anschließend werde der Vertrag nach einer Reihe von Vergabekriterien an einen Betreibenden vergeben. „Derzeit sind keine Anforderungen an die Herkunft der Busse enthalten.“ 

Ob weitere Busse der Marke Yutong angeschafft werden, ist noch unklar. „Wir haben die kommenden Ausschreibungen noch nicht entschieden und können daher keine Angaben zum Bustyp machen“, so Rasmussen abschließend. 

Norwegen und Schweden reagieren

In Schweden wurden verschärfte Beschaffungsvorschriften beschlossen, sodass künftig keine Elektrobusse aus China mehr angeschafft werden können. Neben den genannten Sicherheitsrisiken waren auch Informationen zu Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit der Bus- und Batterieherstellung ausschlaggebend. Alle Yutong-Busse wurden in Stockholm im vergangenen Jahr aus dem Verkehr gezogen. 

In Norwegen wurden die Busse vom Internet getrennt, indem die SIM-Karten aus den Bussen entfernt wurden. Auch hier sollen strengere Sicherheitsanforderungen für zukünftige Anschaffungen getroffen werden. Dabei geht es auch darum, entsprechende Sicherheitssysteme zum Schutz zu entwickeln.