Leserinnenbeitrag

„Wie ein kleiner Scherz unsere Schule viral machte“

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Iben L. Petersen (l.) und Isabella Bundgaard M. Lorenzen

Der weltweite Spleen mit den Ziffern 6/7, der sich vor allem auf Tiktok verbreitete, erreichte auch die Deutsche Schule Tingleff. Tauchen die Ziffern auf, wird explizit darauf reagiert und eine Handbewegung gemacht. Der Insider-Gag war anfangs noch ganz lustig, fing aber an zu nerven. Die achte Klasse und Englischlehrerin Sonja Jensen haben die Unart symbolisch begraben. Die Aktion sorgte landesweit für Furore und wurde von Fernsehsendern und großen Zeitungen aufgegriffen. Über die ungewöhnliche Mission und den ausgelösten Wirbel berichten die Schülerinnen Iben Louise Petersen und Isabella Bundgaard Møller Lorenzen. Der Bericht entstand im Rahmen der Projektwoche zum Thema Journalismus und Medien.

Was eigentlich nur ein kleiner Spaß im Englischunterricht war, wurde plötzlich zum viralen Hit: Wir – zwei Schülerinnen der 8. Klasse an der Deutschen Schule Tingleff – erzählen, wie aus einer spontanen Unterrichtsaktion eine Geschichte wurde, die sogar ins Fernsehen und in die sozialen Medien kam.

Es begann im Englischunterricht
Es war Donnerstag, die siebte und letzte Stunde. Wir hatten Englisch mit unserer Klassenlehrerin Sonja. Sie kam lachend zur Tür herein und sagte, dass wir heute etwas Lustiges machen würden. Wir waren gespannt – aber auch ein bisschen skeptisch, denn es hatte ja trotzdem etwas mit Schule zu tun!

„Anyways“ – Sonja versuchte, uns zu erklären, dass wir den 6-7-Trend „begraben“ sollten! Und dass jeder von uns einen Abschiedsbrief an den Trend schreiben sollte. Wir schauten uns verwirrt an, lachten und dachten: „Was passiert hier gerade?“

Wir glaubten zuerst, sie meinte es als Scherz, aber Sonja war – mit einem Lächeln im Gesicht – völlig ernst. Sie fuhr fort: „You can write a letter to 6-7, must be at least 6-7 sentences“, und dann spielte sie traurige Musik im Hintergrund ab, damit wir in die richtige Stimmung kamen: Rest in Peace, 6-7!


Zwischen Lachen und melancholischer Hintergrundmusik schrieben wir also unsere Abschiedsbriefe und fanden es „lowkey“ (echt) witzig. Am Ende las Sonja alle Briefe vor, und es gab sowohl liebevolle, lustige als auch nachdenkliche Worte für „6-7“.

Englisch-Aufgabe zur Verbannung der Tiktok-Eigenart „6/7“

Einige waren ein bisschen traurig, dass wir „es nicht mehr sagen durften“, andere erleichtert, weil sie den Trend ohnehin nervig fanden, da er ständig den Unterricht störte.

Und dann kam der Grabstein …
Als wir am nächsten Morgen zur Schule kamen, trafen wir Sonja auf dem Flur. Sie hielt einen laminierten, ausgedruckten Grabstein in der Hand, und wir dachten: „What the sigma?!“ (Was geht hier ab?). Sie erklärte, dass er an die Wand gehängt werden sollte als offizieller Abschied vom Trend. Also halfen wir ihr, den perfekten Platz zu finden. Wir hängten ihn auf, legten ein paar weiße Rosen davor und traten einen Schritt zurück, um das Ergebnis zu betrachten. Kurz darauf blieben die jüngeren Schüler auf dem Flur stehen, zeigten darauf, lachten und fragten, was passiert sei.

Plötzliche TV-Stars
Dann passierte etwas, das uns alle überraschte: Mitten in unserer Projektwoche rief TV SYD in der Schule an und fragte, ob sie vorbeikommen und uns ein paar Fragen stellen dürften.

Sonja rannte hektisch durch die Schule, um 6-7 Schüler zu finden, die beim Interview mitmachen sollten – jetzt musste es schnell gehen. Niemand hatte erwartet, dass jemand von den Nachrichten kommen würde, um über etwas zu berichten, das eigentlich nur als kleiner Scherz in der dunklen Novemberzeit gedacht war.

Wir warteten gespannt 30 Minuten, bis die Medien kamen und anfingen, Clips zu drehen. Es war anfangs etwas seltsam, aber auch ziemlich lustig, gemeinsam etwas zu erleben, das in unserer eigenen Klasse begonnen hatte.

Die Ruhestätte für die 6/7-Marotte an der Deutschen Schule Tingleff.

Zuerst wurde der Beitrag am Abend im Fernsehen ausgestrahlt, aber am nächsten Morgen erfuhren wir, dass die Geschichte auch auf verschiedenen anderen Nachrichtenseiten und sogar auf Instagram und TikTok eteilt worden war.

Vom kleinen Witz zur landesweiten Geschichte
Was als kleiner Scherz gedacht war, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir den Ausdruck vielleicht 6–7 Mal zu oft gesagt hatten, wurde plötzlich von den Medien viel ernster genommen, als wir alle erwartet hatten. Mehrere Kommentare im Netz diskutierten sogar, ob man „so etwas verbieten kann“, obwohl es ja gar nicht als offizielles Verbot gedacht war.

Es war einfach eine humorvolle und kreative Art, zu zeigen, dass der Trend im Unterricht ein bisschen überhandgenommen hatte. Trotzdem wuchs die Geschichte schnell, und ehe wir uns versahen, hatte sie sich zu etwas viel Größerem entwickelt, als wir je gedacht hätten, und jetzt kann ganz Dänemark zusehen.

Ruhe in Frieden, „6-7“, und danke für die Zeit.

Faktabox:

  • Basketballer Maverick Trevillian hat den Trend gestartet – wird nun auch „6-7 Kid“ genannt.
  • Jugendliche benutzen „67 / six seven“ als modernen Slang.
  • Es stammt auch aus einem Song und wurde über die sozialen Medien populär.
  • Wird in kurzen Videos verwendet, besonders im Zusammenhang mit Basketball.
  • Es hat keine konkrete Bedeutung.
  • Es wird als Ausdruck für etwas „sehr Gutes“ oder „Beeindruckendes“ benutzt.

Iben Louise Petersen und Isabella Bundgaard Møller Lorenzen,
8. Klasse, Deutsche Schule Tingleff