Familiennachricht

Von Skagen nach Tondern – eine Lebensreise mit Bleisatz und Glauben

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Jørn Vestergaard schiebt nichts auf die lange Bank. Er erledigt alles – gleich und gewissenhaft.

Mit 16 kam Jørn Vestergaard aus dem hohen Norden nach Tondern, um Typograf zu werden. 64 Jahre später ist der Jubilar tief verwurzelt in der deutschen Minderheit und der Kirchengemeinde. Der bald 80-Jährige hält Geist und Körper weiterhin in Schwung.

„Das ist ein ganz schöner Meilenstein, und es fällt mir eigentlich etwas schwer, das zu begreifen“, sagt Jørn Vestergaard aus Tondern. Das, was er kaum nachvollziehen kann, ist, dass er am Freitag, 31. Oktober, seinen achten runden Geburtstag feiert. 

Dass er den größten Teil seines Lebens in Tondern verbringen sollte, lag nicht auf der Hand, als der kleine Jørn in Skagen, der nördlichsten Stadt in Dänemark, heranwuchs. 

Sein Sprung von Vendsyssel nach Nordschleswig liegt mittlerweile 64 Jahre zurück. „Ich kam an meinem 16. Geburtstag 1961 nach Tondern, um beim Buchdrucker Peter Andresen – Reklametrykkeriet – in der Skibbrogade eine Lehre als Typograf anzufangen“, erinnert er sich. Damals sah die Stadtmitte Tonderns, wo seine Lehrstelle angesiedelt war, ganz anders aus als heute. 

Den obligatorischen 16 Monate langen militärischen Wehrdienst leistete er in Fredericia ab. 

Tondern als Lebensmittelpunkt

1966 lockte ihn eine Stelle bei der Buchdruckerei Laursen in der Jernbanegade zurück nach Tondern. „Die Druckerei war eine der landesweit feinsten, die für große Kopenhagener Verlage druckte“, erzählt Jørn Vestergaard. 

Bevor die Druckerei in den 1970er-Jahren an den Nørremarksvej verlagert wurde, gab es ein einschneidendes Ereignis im Leben von Jørn Vestergaard. Er lernte die Lehrerstochter Helga Christiansen kennen und mit ihr auch die deutsche Minderheit.

„Das war ein kultureller Umsturz in meinem Leben. Es war eine fantastische Bereicherung, und ich habe eine zusätzliche Perspektive im Bereich Literatur, Film und Gesang gewonnen“, sagt der 79-Jährige.

Gemeinsam gesungen haben die Vestergaards, die 1968 heirateten, vier Jahrzehnte im Chor der Musikvereinigung Nordschleswig. Vor einigen Monaten verabschiedeten sie sich „altersbedingt“ von der Chorarbeit.

Kirchliches Engagement durch viele Jahre

Beruflich ging Vestergaard nach 42 Jahren bei Laursen in Rente. Er hatte im Laufe der Jahre verschiedene Funktionen und wirkte unter anderem als Setzer – und später als „Faktor“. „Das ist ein Arbeitsleiter in den Abteilungen der Druckerei“, erläutert er den Fachbegriff.

Mit seiner Pensionierung 2008 gab es Zeit für die Kirchenarbeit und er kandidierte mit Erfolg auf der deutschen Liste. Somit gab es auch weiterhin ein Kirchengemeinderatsmitglied im Hause Vestergaard an der Nygade, nachdem Helga in den drei vorausgegangenen Perioden das Amt bekleidet hatte. 

Auch nachdem er 2017 aus dem Gremium ausgeschieden war, war er als „Kirkeværge“ weiterhin für die kirchlichen Bauten zuständig. 2020 zog er wieder in den Gemeinderat ein – als Vertreter des deutschen Gemeindeteils. Die Freude an der Kirchenarbeit war zurückgekehrt. 

Das Geburtstagskind hält sich auf Trab

„Das Kirchliche nimmt in meinem Alltag viel Raum ein, und es gibt bei den großen Gebäuden laufend irgendetwas, zu dem Stellung bezogen werden soll. Ich fühle mich aber wohl damit, und es gefällt mir. Das trägt auch dazu bei, die grauen Hirnzellen auf Trab zu halten“, erklärt er lächelnd. 

Körperlich hält er sich mit mehreren wöchentlichen Trainingseinheiten im Fitnesscenter auf Zack. 

Im Haus an der Nygade, wo die Kinder Tanja (Odense) und Torsten (Tondern) aufgewachsen sind, freut man sich auch jederzeit über den Besuch von den vier Enkelkindern.