Deutsche Minderheit

Kurskorrektur im Kindergarten Tingleff: „Nicht über dem Berg, aber auf gutem Weg“

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Stig Kindberg und Kira Hansen Heesch von der Elternvertretung des Tingleffer Kindergartens sehen gute Ansätze, um aus der Krise zu kommen.

Elternvertreterinnen und -vertreter des Deutschen Kindergartens Tingleff zeigen sich optimistisch, dass die Einrichtung zur alten Stärke zurückfindet. Wie Elternbeiratsvorsitzender Stig Kindberg und Kollegin Kira Hansen die momentane Lage einschätzen.

„Eltern geben dem Kindergarten noch einen Vertrauensvorschuss.“ So lautete im Februar die Überschrift in einem „Nordschleswiger“-Beitrag zur Krise im Deutschen Kindergarten Tingleff. Ungeordneter Alltag, fehlende Struktur, wechselndes Personal und mangelnde Kommunikation wurden zuvor als Gründe für Unzufriedenheit genannt, die in Abmeldungen gipfelte. 

Die Leitung des Zusammenschlusses DKA (Deutsche Kindergärten Apenrade) und der Kindergartensektor des Deutschen Schul- und Sprachvereins für Nordschleswig (DSSV) kündigten Schritte an, den Tingleffer Kindergarten und andere krisengeschüttelte DKA-Kindergärten wieder in die Spur zu bringen und eben jenes Vertrauen gänzlich zurückzugewinnen.

Zu den Eltern, die die Probleme offen ansprachen, gehörten Stig und Anna Kindberg. Stig Kindberg übernahm Verantwortung und bekleidet mittlerweile den Vorsitz im Tingleffer Elternbeirat. Wie schätzt er die Lage aktuell ein? War der Vertrauensvorschuss berechtigt?

Wichtige Ansätze

„Ich denke schon. Es ist einiges passiert. Gerade, was das Personal angeht, ist Ruhe eingekehrt. Es gibt einen festen Personalstamm mit Mette Muurholm als neue Leiterin. Es gibt zudem feste Vertretungskräfte, wenn Mitarbeitende mal ausfallen“, so Stig Kindberg bei einem Gespräch im ersten Stock des Kindergartens am Grønnevej. Mit dabei auch Kira Hansen Heesch, die dem Elternvorstand in Tingleff ebenfalls angehört und zudem Vorsitzende des DKA-Gesamtvorstandes ist.

Unter der Leitung von Mette Muurholm seien viele gute und wichtige Akzente gesetzt worden. „Über den Berg sind wir noch nicht, aber auf einem guten Weg. Es gibt immer noch Eltern, die skeptisch sind. Es braucht Zeit, das Vertrauen zurückzugewinnen und wieder einen guten Ruf zu erlangen“, so Stig Kindberg.

In einem Gebäude vereint

Laut ihm und Kira Hansen Heesch besuchen zurzeit 14 Kindergartenkinder, darunter 5 kommende Vorschülerinnen und Vorschüler, sowie 10 Krippenkinder die Einrichtung. 

Aus praktischen Gründen und wegen der verhältnismäßig niedrigen Kinderzahl findet der Alltag im alten Kindergartengebäude statt. Das angrenzende, ehemalige Freizeitklubgebäude, das Standort der Krippenkinder war, nutzen die kommenden Vorklässlerinnen und Vorklässler. 

„Hier haben die Großen Zeit für sich und werden auf die Schule vorbereitet. Der Spielplatz wird von allen Kindern genutzt“, erläutert Kira Hansen Heesch.

Der Austausch der Elternvertretung mit Mette Muurholm und auch mit dem Deutschen-Schul- und Sprachverein funktioniere aus seiner Sicht gut, sagt Stig Kindberg. An Unterstützung seitens des DSSV, etwa bei Exkursionen und Ausflügen, mangele es nicht.

Engagieren sich für den Tingleffer Kindergarten: Stig Kindberg und Kira Hansen Heesch.

„Die Kommunikation ist insgesamt besser geworden. Sowohl intern als auch zur DKA-Leitung und dem DSSV“, betont Kindberg.

Kira Hansen Heesch pflichtet ihm bei: „Wir sind alle sehr um Transparenz bemüht und darum, dass Probleme früh und direkt angesprochen werden, damit sie rechtzeitig gelöst werden, anstatt dass hintenrum darüber gesprochen wird.“

Informationsfluss und persönlicher Austausch

Monats- und Wochenpläne, Aushänge sowie aktuelle Mitteilungen über die interne digitale Plattform sorgen dafür, dass Eltern und Kinder gut informiert sind. „Über den Zugang können Eltern zudem nachhaken und nachfragen“, ergänzt Kira Hansen Heesch. 

„Wer etwas auf dem Herzen hat, kann uns Elternvertreter zudem jederzeit ansprechen, ob telefonisch, per Mail oder gern auch einfach im Kindergarten oder auf dem Parkplatz, wenn wir unsere Kinder holen“, unterstreicht Stig Kindberg.

Auch wenn der Weg aus der Krise noch nicht zu Ende ist, habe er ein gutes Gefühl. „Wir merken die Veränderungen an unserer Tochter. Sie spricht viel mehr über das, was sie im Kindergarten gemacht und erlebt hat und nennt dabei die Namen der Erzieherinnen und Erzieher, zu denen sie spürbar eine engere Bindung hat. Das war vor einiger Zeit noch ganz anders“, sagt Kindberg.

Es ist einiges passiert. Gerade, was das Personal angeht, ist Ruhe eingekehrt.

Stig Kindberg

Auch die Situation der Mitarbeitenden habe sich verbessert. Das trage zu einem guten Klima bei.

Gutes Arbeitsklima schaffen

„Der Personalschlüssel ist optimal angepasst. Dadurch, dass alle in einem Gebäude untergebracht sind, gibt es auch mal Freiräume fürs Durchpusten. Es ist ein Personalraum eingerichtet, in dem die Mitarbeiter sich mal eine kurze Pause gönnen können, ohne die Aufsichtspflicht zu verletzen“, erwähnt Kindberg. 

„Der Personalraum dient auch dazu, dass die Mitarbeiter den pädagogischen Alltag in Ruhe gestalten können. Das Wohl der Mitarbeitenden ist uns sehr wichtig. Wir wollen sie möglichst lange halten und damit Kontinuität sicherstellen“, betont Kira Hansen Heesch. Auch daran hatte es in jüngster Vergangenheit gehapert.