Natur & Umwelt

Abriss, Altlast, Alarmrufe: Skrydstrup bleibt ein Pulverfass

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Carsten Leth Schmidt (SP) und Svend Brandt (Einheitsliste) sind sich im Hinblick auf das Treibstoffwerk des ukrainischen Rüstungskonzerns in Skrydstrup nicht in allen Fragen einig (Archivfoto).

Gift im Boden, kein Plan – und trotzdem eine neue Fabrik: Während das Verteidigungsministerium beim PFAS-Skandal auf dem Militärflughafen Skrydstrup bummelt, wächst nebenan ein neues Hochsicherheitsprojekt. Lokalpolitiker fordern Transparenz und staatliches Verantwortungsbewusstsein.

Lokalpolitiker Svend Brandt von der Haderslebener Einheitsliste findet deutliche Worte: „Das Verteidigungsministerium ignoriert die Umweltgefahr – und das seit Jahren.“ 

Der Spitzenkandidat zur Kommunalwahl wirft dem dänischen Staat vor, sich vor seiner Verantwortung zu drücken. Hintergrund ist die massive PFAS-Belastung auf dem Gelände des Militärflughafens Skrydstrup sowie bei der Bereitschaftsbehörde „Beredskabsstyrelsen“ in der Südstadt von Hadersleben.

Verantwortung vertagt

Bereits zu seiner Zeit im Kommunalrat vor vier Jahren forderte Brandt ein behördliches Aufräumen. Die Kommunalverwaltung hatte dem Verteidigungsministerium damals per Verwaltungsakt auferlegt, einen Plan zur Beseitigung der Altlasten vorzulegen. Das Ministerium reagierte – nicht mit Aufräumen, sondern mit einer Beschwerde: „Am letzten Tag der Frist, offenbar, um Zeit zu schinden. Über ein Jahr hat das Verfahren damals gedauert. Am Ende bekam die Kommune zwar Recht, aber passiert ist seitdem nichts“, kritisiert Brandt.

Altlast bedroht Trinkwasserreserven

Zwischen Woyens und Skrydstrup entsteht die Niederlassung des Rüstungskonzerns – nur wenige Kilometer entfernt vom Luftwaffenstützpunkt.

Besonders alarmierend: Eine der betroffenen Altlasten liegt im Einzugsgebiet des Wasserwerks Eskærhøj. Sollte sich die Verunreinigung ausbreiten, müsse die Kommune die Trinkwasserbohrung dort in 20 bis 25 Jahren möglicherweise aufgeben, warnt Brandt. Erste Brunnen auf dem Militärgelände in Skrydstrup seien bereits geschlossen worden.

Laut Brandt versucht das Ministerium seit Jahren, sich der öffentlichen Kontrolle zu entziehen. „Es tut so, als hätte es alles im Griff. In Wahrheit gibt es nicht einmal einen Plan!“

Immerhin: In der jüngsten Sitzung des kommunalen Technik- und Klimaausschusses hat das Verteidigungsministerium eine Fristverlängerung erhalten. Bis zum 1. Juni 2026 muss es einen konkreten Sanierungsplan vorlegen.

Raketentreibstoff mit Beigeschmack

Wiederholt kamen Wirtschaftsminister Morten Bødskov (Mitte) und Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) nach Woyens, um der besorgten Bevölkerung Rede und Antwort zu stehen. Hier sind beide Minister neben Haderslebens Venstre-Bürgermeister Mads Skau zu sehen (Archivbild).

Die staatliche Umweltpolitik ist auch im Kontext der umstrittenen Pläne für eine ukrainische Raketenbrennstofffabrik in Skrydstrup im politischen Fadenkreuz der Einheitsliste. Bei einer zweiten Bürgeranhörung in Woyens hatte Dänemarks Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen (Venstre) bekannt gegeben, dass der ukrainische Rüstungskonzern das Gebäude am Tingvejen wegen technischer Mängel abreißt und neu baut.

Brandt findet deutliche Worte: „Die Fabrik gehört zum einen nicht hierher, zum anderen muss sie dieselben Umweltauflagen erfüllen wie alle anderen auch.“ 

Positive Signale, doch kein Freifahrtschein

Carsten Leth Schmidt, Vorsitzender des Ausschusses für Technik und Klima und Spitzenkandidat der Schleswigschen Partei, sieht das anders – zumindest in Teilen. Aus seiner Sicht liegt die Standortwahl sicherheitspolitisch nahe: Die Nähe zum Militärflugplatz schaffe Synergien bei Überwachung und Schutz. Leth Schmidt betont aber, dass alle Umwelt- und Sicherheitsauflagen kompromisslos gelten müssen – ungeachtet des staatlich beschlossenen Freifahrtscheins in Form einer Gesetzesnovelle.

„Das Verteidigungsministerium geht diesmal deutlich transparenter und professioneller vor als bei der PFAS-Problematik. Dass die Gebäude abgerissen und neu gebaut werden, um die Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, ist ein wichtiges Signal.“

Vertrauen sei wichtig, doch die Kommune und die SP bleiben wachsam, auch mit Blick auf eine spätere Stilllegung der Anlage, mögliche Altlasten und die Frage, wer am Ende die Verantwortung trägt. „Ein zweites PFAS-Debakel können wir uns nicht leisten.“

PFAS – die Gefahr für Umwelt und Gesundheit

PFAS (per- und polyfluorierte Alkylverbindungen) sind eine Klasse von synthetischen Chemikalien, die weitverbreitet in einer Vielzahl von Anwendungen eingesetzt werden, darunter Textilien, Leder, Papier, Elektronik, Feuerlöscher und Nahrungsmittelverpackungen. Diese Chemikalien haben lange Halbwertszeiten und sind daher schwer abbaubar, was zu einer weitreichenden Kontamination der Umwelt führt.
PFAS können negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben, vor allem auf das menschliche Immun- und Hormonsystem sowie auf die Reproduktion. Überdies ist nachgewiesen worden, dass diese Stoffe krebserregend sein können. Die dänische Regierung hatte die Verwendung von PFAS-haltigen Feuerlöschschäumen ab Sommer 2024 verboten.
 

Das Wasserwerk Eskærhøj: Es liegt im Einzugsgebiet der PFAS-Verunreinigung – noch sind die Trinkwasserproben dort unauffällig.