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Rosenquarz mit Botschaft: Vier Tonnen für den Frieden

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Peter Voss-Knude und Marie Dufresne am Gammelting. Dort weiht die Kommune Hadersleben das Kunstwerk Friedenskristalle ein – und zwar in den Abendstunden ab 19 Uhr, sodass auch die dazugehörige Lichtanlage voll zur Geltung kommt.

Was wie ein übergroßer, ungeschliffener Edelstein anmutet, ist ein Monument mit Botschaft. Der Kopenhagener Künstler Peter Voss-Knude hat für Hadersleben 80 Jahre nach Kriegsende ein Denkmal geschaffen – vier Tonnen Rosenquarz für Frieden, Versöhnung – oder einfach nur zum Anfassen.

Am 30. Oktober wird es enthüllt: das neue Kunstwerk „Fredskrystallerne“ (Friedenskristalle) am Gammelting, mitten in Hadersleben. Es ist ein Denkmal, das an die Befreiung Dänemarks vor 80 Jahren erinnert.

„Das ist kein Stein für die Geschichtsbücher, sondern einer für unsere Gegenwart und für alles, was noch kommt“, sagt Marie Dufresne, Leiterin der Kunsthalle „Kunsthal 6100“, beim Gang übers Gammelting, einen Platz mitten in Hadersleben.

QR-Code als Schlüssel zur Gedankenwelt

Der Künstler und die Kunsthallenleiterin am Graben. Es ist ein weiterer zentraler Platz der Domstadt. Dort hat der Kopenhagener viele Gespräche mit Passantinnen geführt. Er genießt seinen Aufenthalt in der Provinz in vollen Zügen – und viel Café Latte.

Die steinerne Installation aus brasilianischem Rosenquarz bringt etwa vier Tonnen auf die Waage. Sie lädt zum Sitzen, Reden und sogar zum Denken ein. Per QR-Code können Parkgäste in die Gedankenwelt ihres Schöpfers eintauchen. „Es ist kein Mahnmal, sondern ein Raum der Möglichkeiten“, sagt Peter Voss-Knude. 

In der Steinheilkunde gilt der Rosenquarz als Stein der Liebe: Er soll Herzen öffnen, Versöhnung fördern und emotionale Wunden heilen. Die Installation steht unweit vom Gedenkstein, der an die Volksabstimmung von 1920 erinnert. 
„Es ist somit der perfekte Ort für die Friedenskristalle“, ergänzt Marie Dufresne.

Von der Terrorbarrikade zum Friedensstein

Peter Voss-Knude hat neben der dreiteiligen Hauptinstallation einige Überraschungen auf den Pfaden eingebaut, die das Kunstwerk umgeben.

Seine „Terrorbarrikade“ hat Voss-Knude bekannt gemacht: Es ist ein Rosenquarz von gut einer Tonne, mit dem er um die Welt gereist ist, um an die Angstkultur unserer Zeit zu erinnern. Berlin, Kopenhagen, Ground Zero: „Es war das erste Kunstwerk weltweit, das eine echte Polizeisperre ersetzen durfte“, erzählt Peter Voss-Knude an diesem Donnerstag im Park.

Auch das Haderslebener Kunstwerk ist sperrig: drei roh behauene Steine, kein Figurenschmuck, keine Tafel mit Erklärtext. „Dafür kann man sich daran schneiden“, sagt der 37-Jährige und lacht: „Wie an der Liebe.“

Kaffee, Kran und Bewegung

Kunsthallenleiterin Marie Dufresne kannte das Werk des Künstlers aus Kopenhagen. Für sie sei Peter Voss-Knude genau der Richtige für das Kunstwerk am Gammelting, sagt sie.

Der Weg der „Friedenskristalle“ in die Domstadt war steinig.

Den Stein ließ der Kopenhagener Künstler aus Brasilien anliefern. 4,1 Tonnen Rosenquarz! Eine logistische Herausforderung mit Kran – und auch in der Bearbeitung kein Leichtgewicht. „Mein Job ist es offenbar, mir das Leben schwer zu machen“, bemerkt der Künstler lakonisch. 

Mittlerweile ist er seit einem Monat in Hadersleben – und genießt es. Workshops mit jungen Leuten in der Kunsthalle, viele Gespräche bei Café Latte mit Passantinnen, die ihm neben neuen Eindrücken einen ganzen Beutel mit selbst gestrickten Pullovern eingebracht haben. Für Marie Dufresne ist es das, was das Projekt auch ausmacht: „Peter hat nicht nur einen Stein nach Hadersleben, sondern etwas in Bewegung gebracht.“

Ein Ort nicht nur für Jahrestage

Peter Voss-Knude am Gammelting. Am 30. Oktober um 19 Uhr enthüllt die Kommune Hadersleben am Gammelting das neue Denkmal „Fredskrystallerne“. Die Schloss- und Kulturbehörde fördert das Kunstwerk am Gammelting finanziell.

Dass das Werk zum 80. Jahrestag der Befreiung entsteht, ist kein Zufall. „Ich glaube nicht daran, dass wir aus unserer Geschichte wirklich lernen“, sagt Peter Voss-Knude. „Aber ich glaube daran, dass sich Konflikte ständig neu zeigen – und wir Werkzeuge brauchen, um ihnen zu begegnen.“

Wie haben die vier Tonnen Friedenskristalle ihren Weg nach Hadersleben gefunden? 

Marie Dufresne war zum 80. Jahrestag des Kriegsendes auf der Suche nach einem Kunstschaffenden, der nicht nur ein Denkmal schaffen kann, sondern zugleich neue Denkräume öffnet. Da, sagt sie, „poppt Peter in meinem Kopf auf“. Sie hatte seine rosa Terrorbarrikade bewundert und den Künstler vorgeschlagen.

Peter Voss-Knude kann sich an diesen Anruf gut erinnern: „Dass jemand die Tiefe meiner künstlerischen Arbeit wirklich versteht, ist ein Privileg, das mir nicht immer vergönnt ist.“ 

Marie Dufresne und Peter Voss-Knude am Gedenkstein, der an die Volksabstimmung von 1920 erinnert.

Vom Prüfungsstress bis zum Liebeskummer: Wer sich einlässt, findet in den Friedenskristallen genau das, was er gerade braucht: die Botschaft von Frieden, Freiheit und Versöhnung. Am Gammelting offenbart sich Weltgeschichte – und für alles dazwischen.

Offiziell bleibt das Kunstwerk bis zum 30. Oktober unter Planen verborgen. Für die Presse hat Peter Voss-Knude aber schon mal einen Blick freigegeben.