Klöppelfestival

Tondern: Spitzenmäßiges auf dem Präsentierteller

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Die klöppelnden Nachwuchskräfte waren 2019 ein Hit (Archivfoto).

Die Wiedaustadt verwandelt sich drei Tage lang in ein Mekka für Fans der geklöppelten Spitzen. Corona hinterlässt bei dem Interesse aus dem Ausland seine Spuren.

In Tondern stehen geklöppelte Spitzen drei Tage lang im Fokus, wenn von Freitag, 3., bis Sonntag, 5. Juni, das Klöppelfestival ausgerichtet wird. Es ist die zwölfte Ausgabe des Events, das jedes dritte Jahr stattfindet.

Derzeit stecken die Vorsitzende Lene Holm Hansen und ihr Team voll in den letzten Vorbereitungen.

„Ich bin immer wieder darüber überrascht, wie viel Papierarbeit anfällt“, sagt die Vorsitzende dem „Nordschleswiger“.

Interesse aus dem In- und Ausland

Die Veranstaltung der Gegenwart lockt in der Regel Gäste aus dem In- und Ausland an. In längst verflossenen Zeiten galt Tondern über mehrere Jahrhunderte als Hochburg für die Klöppelindustrie, die auch in Lügumkloster (Løgumkloster) ein Standbein hatte.

Verkaufsausstellung und Vorträge

Die Verkaufsausstellung in den Tondernhallen 2 und 3 öffnet am Freitag um 10 Uhr ihre Türen. Eine weitere Anlaufstelle ist Dröhses Haus in der Storegade in Tondern, wo es eine Ausstellung mit geklöppelten Spitzen gibt.

Im kulturgeschichtlichen Museum am Wegner Platz finden im Laufe der drei Tage verschiedene Vorträge entweder auf Englisch oder Dänisch oder in beiden Sprachen statt. Zum Programm gehören auch Workshops.

„Wir hoffen auf 2.500 Gäste“

„Wir hoffen auf 2.500 Gäste. Ob wir diese Zahl erreichen, weiß ich nicht. Corona ist immer noch spürbar“, erläutert die Vorsitzende.

Obgleich der Verein mit seinem Ausrichtungs-Turnus wegen der Pandemie kein Festival absagen musste, gibt es Nachwirkungen.

„Das Buchen der Karten erfolgt in der Regel vor Weihnachten. Da war die Situation noch durch große Unsicherheit geprägt.“

Osteuropäische Teilnehmende fehlen

Die Vorsitzendes des Klöppelfestivals, Lene Holm Hansen (l.), zeichnete 2019 Susanne Trend für ihr Engagement aus (Archivfoto).

„Uns fehlen Teilnehmende aus den osteuropäischen Ländern und auch aus Australien und Neuseeland fällt die Teilnahme geringer aus“, berichtet Lene Holm Hansen.

In der Regel reisen viele Gäste aus Schweden und auch einige aus Norwegen an. „Wir haben einige aus Belgien, aus den Niederlanden kommen aber weniger als sonst“, so Lene Holm Hansen.

Geänderte Mehrwertsteuer-Regeln für die ausländischen Händlerinnen und Händler führen auch zu geringerem Interesse an den Verkaufsständen.

Einen Höhepunkt erleben wir zurzeit nicht, während das Stricken, Häkeln und Sticken aufgeblüht sind. Wir können hoffen, dass das auch auf das Klöppeln abfärbt.

Lene Holm Hansen, Vorsitzende

Klöppeln nicht in der Blütezeit

Und wie schaut es generell mit dem Interesse für das Klöppeln aus?

„Einen Höhepunkt erleben wir zurzeit nicht, während das Stricken, Häkeln und Sticken aufgeblüht sind. Wir können hoffen, dass das auch auf das Klöppeln abfärbt“, so die Vorsitzende.

Obgleich Nachwuchskräfte am Klöppelkissen zeitweise Mangelware waren, gebe es jetzt junge Menschen, die sich dafür interessieren.

„Wir werden auch wieder im Sommer Klöppeln anbieten“, berichtet Lene Holm Hansen.

Handarbeit in Kinderhöhe

Eine Anlaufstelle für Klöppelfans ist Dröhses Haus.

Klöppeln in Kinderhöhe steht zum Beispiel am Freitag, 3. Juni, im Museum auf dem Programm, wenn eine Schulklasse von Marieskolen ans Klöppeln herangeführt wird.

Die Kinder können in die Rolle als Klöppelhändler und als Klöpplerin schlüpfen. Nachmittags gibt es auch ein Angebot für Familien.

Glaskugel aus dem Jahr 1880

Das Klöppelfestival spielt auch im Glaskunstgeschäft von Dirk Andresen eine Rolle.

Zu den Geschäften, in denen das Klöppelfestival eine Rolle spielt, gehört der Glaskunstladen von Dirk Andresen in der Fußgängerzone.

Eine besondere Geschichte ist mit einer betagten Glaskugel verknüpft, die neben dem Klöppelkissen die Blicke auf sich zieht und seinerzeit bei Handarbeiten und in der Schusterwerkstatt an kurzen und dunklen Wintertagen als Art Vergrößerungsglas wirkte.

Lupe für Handarbeiten

„Es handelt sich um eine von Mund geblasene Glaskugel, in die Wasser gefüllt wurde. Sie wurde aufgehängt, und unter ihr wurde dann eine Kerze platziert", erläutert der Geschäftsmann.

Durch die genaue Platzierung reflektierte das Licht, und die Arbeitenden konnten besser den betreffenden Bereich auf ihrer Handarbeit sehen.

Interessierte können am Sonnabend auch einer Klöpplerin bei der Arbeit über die Schultern schauen, wenn Lilli Thomsen mit ihrem Klöppelkissen kommt.

Ursprung im 16. Jahrhundert

Die Schusterkugel aus dem 19. Jahrhundert

Die Geschichte der Tonderner Spitzen, die am Klöppelbrett entstanden sind, geht weit zurück. „Es wird von einer Pastorenfrau erzählt, die im 16. Jahrhundert ihre Tochter bat, ihr Spitzen zu kaufen“, berichtet Lene Holm Hansen.

Ein großer Fan von Spitzen war König Christian IV. Er schrieb 1619 in seinem Tagebuch davon, dass er geklöppelte Spitzen aus Tondern gekauft hatte.

„Auf nahezu allen Gemälden sieht man ihn mit Spitzen. Er trug sie nicht nur am Kragen und an den Manschetten, sondern auch auf dem Schaft seiner Stiefel“, berichtet die Vorsitzende des Klöppelfestivals.

König verbot den Import

Auch im Secondhandladen in der Osterstaße ist das Klöppelfestival präsent.

Dabei spiegele sich auch die Entwicklung der geklöppelten Spitzen, angefangen von ganz zierlichen Modellen bis hin zu gröberen Exemplaren wider. Anfangs seien die Spitzen den Königlichen und dem Adel vorbehalten gewesen.

„Als ihr Interesse nachließ, wurden sie auch für Bürgerliche erschwinglich“, so Lene Holm Hansen.

Mit Rücksicht auf die staatlichen Finanzen habe der König seinerzeit, als die Spitzen große Mode waren, seinen Untertanen untersagt, sie im Ausland zu kaufen, wie sie berichtet.

Solche Restriktionen für das Kunsthandwerk sind anno 2022 hinfällig, und es wird auf grenzenloses Interesse gehofft.