Medizin

Apenrader Krankenhaus forscht mit EU-Hilfe: Wie können 200.000 Todesfälle vermieden werden?

Chefarzt FAM (Fælles Akut Modtagelse) (links), Professor Christian Backer Mogensen, Chefkonsulent für klinische Forschung Trine Ungermann Fredskild und der ärztliche Direktor Peter Sørensen sind stolz auf den EU-Auftrag.

Ein neues EU-Forschungsprojekt zielt darauf ab, die Anzahl vermeidbarer Todesfälle zu senken. Eine KI-Assistenz soll Ärztinnen und Ärzte bei der richtigen Medikation unterstützen.

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Zusammenfassung

  • Ein EU-Projekt unter Leitung des Krankenhauses Apenrade entwickelt eine KI-Assistenz, um Medikationsfehler in Europa deutlich zu verringern.
  • Die KI soll Ärztinnen und Ärzte bei komplexen Medikamentenentscheidungen unterstützen, insbesondere bei älteren Menschen und Krebspatienten.
  • Das System wird in sechs europäischen Kliniken mit zehntausenden Patientendaten getestet und soll langfristig tausende Leben pro Jahr retten.

Diese Infobox wurde mithilfe von KI generiert und von der Redaktion geprüft.

Jedes Jahr sterben in Europa rund 200.000 Menschen an Nebenwirkungen oder Fehlern bei der Medikamentengabe. Ein neues EU-Forschungsprojekt unter der Leitung des Apenrader Krankenhauses (Sygehus Sønderjylland) will genau hier ansetzen – und die Zahl vermeidbarer Todesfälle deutlich senken. Das geht aus einer Mitteilung der Klinik hervor.

Das Krankenhaus übernimmt eine zentrale Rolle im internationalen Projekt „AIM-SAFE“. Ziel ist es, in den kommenden vier Jahren eine sichere KI-Assistenz zu entwickeln, die Ärztinnen und Ärzte bei der Wahl der richtigen Medikation unterstützt. Besonders profitieren sollen ältere Menschen sowie Krebspatientinnen und -patienten, die häufig mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen.

Ein großes Risiko im Klinikalltag

Hinter dem Projekt steht ein weit verbreitetes Problem: Mehr als zehn Prozent aller Krankenhauspatientinnen und -patienten in Europa sind jährlich von Medikationsfehlern betroffen. Gerade bei älteren Menschen mit mehreren Erkrankungen steigt das Risiko gefährlicher Wechselwirkungen oder falscher Dosierungen.

Christian Backer Mogensen, Professor und Chefarzt der allgemeinen Notaufnahme (Fælles Akut Mødtagelse – FAM), weist auf den konkreten Bedarf im Alltag hin: „Als Arzt in der Notaufnahme fehlt mir oft ein schneller, umfassender Überblick über die Erkrankungen, Medikamente und Laborwerte älterer, schwerkranker Patienten. Das ist entscheidend für die Wahl der richtigen Behandlung, aber die neuesten Erkenntnisse sind nicht immer leicht zugänglich, und in stressigen Situationen kann etwas übersehen werden. Deshalb brauchen wir schnelle, qualifizierte Entscheidungshilfen, die auf aktuellen Erkenntnissen basieren. Genau das soll das Projekt entwickeln.“

Der geplante digitale Assistent wertet große Mengen medizinischer Daten und aktueller Forschung aus und warnt, wenn eine Behandlung Risiken birgt – etwa durch problematische Medikamentenkombinationen.

KI als Unterstützung, nicht als Ersatz

Die künstliche Intelligenz soll Ärztinnen und Ärzte nicht ersetzen, sondern als zusätzliche Sicherheitsstufe dienen. Das System wird später direkt in den Krankenhäusern installiert. Patientendaten bleiben vor Ort und werden nicht in externe Cloud-Systeme übertragen – ein wichtiger Punkt für Datenschutz und Vertrauen.

Getestet wird die Technologie an sechs europäischen Krankenhäusern mit Daten von rund 40.000 bis 50.000 älteren und an Krebs erkrankten Patientinnen und Patienten.

Große Anerkennung für die Region

Dass ein regionales Krankenhaus ein EU-Projekt dieser Größenordnung leitet, ist ungewöhnlich. Die Bewerbung erhielt die Höchstwertung von 15 Punkten – bei einer Förderquote von nur 3,8 Prozent.

Finanziert wird das Vorhaben über das europäische Forschungsprogramm  „Horizon Europe“. Insgesamt arbeiten 18 Forschungseinrichtungen und fünf Universitätskliniken aus mehreren Ländern zusammen.

Bedeutung für Patientinnen und Patienten

Gelingt das Projekt, könnten Medikationsfehler künftig deutlich seltener auftreten. Weniger Nebenwirkungen bedeuten nicht nur mehr Sicherheit für Patientinnen und Patienten, sondern auch weniger Komplikationen, kürzere Krankenhausaufenthalte und eine Entlastung des Gesundheitssystems.

Das langfristige Ziel ist ambitioniert: Medikamente sollen überall in Europa sicherer eingesetzt und tausende Menschenleben jährlich gerettet werden, die heute noch durch vermeidbare Fehler verloren gehen.