Deutsch-Dänisch

Handelskammerchef: Deutschland kann Dänemarks größter Wirtschaftspartner werden

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Andreas Wenzel in seinem Büro im Zentrum von Kopenhagen (Archivfoto)

Grenzüberschreitende Partnerschaften: Es kann mehr Schwung in den Handel zwischen den Nachbarländern kommen. Andreas Wenzel sagt: „Zukunftsthemen angehen“. Das Grenzland und die Arbeitnehmenden hier könnten besonders profitieren, meint er.

Die USA waren 2024 weiterhin Dänemarks größtes Exportland. Seit Donald Trump Präsident geworden ist, wird der Handel mit den Vereinigten Staaten zunehmend unsicherer. Daher liegt auch bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit der Fokus zunehmend auf Europa.

„Da kommt natürlich auch neue Musik in die deutsch-dänischen Wirtschaftspartnerschaften“, sagt Andreas Wenzel, Geschäftsführer der Deutsch-Dänischen Handelskammer mit Sitz in Kopenhagen.

Energie und Künstliche Intelligenz als Zukunftsthemen

Deutschland war 2024 Dänemarks zweitgrößter Exportmarkt. Doch damit ist das Potenzial laut Wenzel bei Weitem noch nicht ausgeschöpft: „Da geht noch mehr.“ Eine Voraussetzung sei jedoch, dass man sich nicht hinstellt und sagt: „Es läuft ja ohnehin alles gut.“

„Ich glaube, wir können eine neue Dynamik entwickeln, indem wir ganz gezielt Zukunftsthemen aufgreifen und gemeinsam gestalten.“

Mit Zukunftsthemen meint der Handelskammer-Chef die klimafreundliche, jedoch gleichzeitig wettbewerbsfähige Energieversorgung. Er denkt an Automatisierung und Künstliche Intelligenz sowie an nachhaltiges Bauen. 

Große deutsche Unternehmen suchen Pioniergeist in Dänemark

Und gerade in diesen Bereichen gäbe es in Dänemark etliche kleine und mittelständische Unternehmen, die zukunftsträchtige Technologien und Lösungen entwickelt haben. 

„Wir sehen deutlich, dass große deutsche Unternehmen Interesse an der Zusammenarbeit mit dänischen Partnern haben, die eine gewisse Flexibilität, Dynamik und Pioniergeist mit an den Tisch bringen.“

Für die dänischen Unternehmen sei wiederum spannend, dass die Partner möglich machen, in hohem Umfang zu produzieren. Der deutsche Markt, der an sich schon groß ist, ist außerdem ein Sprungbrett zur Erschließung Europas.

Wenn wir gemeinsam wachsen sollen, müssen wir das Grenzland stärker als integrierten Wirtschaftsraum verstehen.

„Es ist notwendig, dass es eine starke Aufmerksamkeit in beiden Wirtschaften gibt. Die Unternehmen müssen sich darauf konzentrieren, dass Dänemark beziehungsweise Deutschland spannende Partner bietet.“

Grenzland als gemeinsamer Wirtschaftsraum

Und nirgendwo ist das naheliegender als im Grenzland. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Süddänemark und Norddeutschland ist bereits gut ausgebaut. Etliche Unternehmen agieren grenzüberschreitend. Doch auch hier meint Wenzel, dass man den nächsten Schritt gehen sollte.

„Wenn wir gemeinsam wachsen sollen, müssen wir das Grenzland stärker als integrierten Wirtschaftsraum verstehen.“

Doch die Gesetze, Bestimmungen und der Arbeitsmarkt sind diesseits und jenseits der Grenze unterschiedlich. Und das hemmt die Entwicklung des gemeinsamen Wirtschaftsraums. 

„Mit Ausnahme weniger Unternehmen wie Danfoss ist die Region sehr klein- und mittelständisch geprägt. Für diese Unternehmen sind bürokratische Hürden noch mal schwerer zu handhaben als für große.“

Wenzel sieht Kopenhagen und Berlin in der Pflicht

Hier ist nach Ansicht des Handelskammer-Chefs die Politik gefragt. Das Land Schleswig-Holstein und die Region Süddänemark haben nur begrenzte Möglichkeiten zu handeln. Ein großer Teil der Hürden muss auf staatlicher Ebene entfernt werden. Die regionalen Politikerinnen und Politiker könnten jedoch auf die Probleme aufmerksam machen.

„Es ist im Interesse der Region und des Landes, Lobbyarbeit in Kopenhagen und Berlin zu machen. Wenn wir das Potenzial der Grenzregion weiter fördern wollen, müssen die Verantwortlichen in den Hauptstädten verstehen, dass sie sich bewegen müssen“, sagt Andreas Wenzel.