Deutsche Minderheit

Jahrgangstreffen der Nachschule stehen bei Urgestein Fidde Hartung vorne an

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War jahrzehntelang Lehrkraft an der deutschen Nachschule Tingleff und vollendete kürzlich sein 80. Lebensjahr: Friedrich Hartung.

In der Deutschen Nachschule Tingleff findet in einigen Monaten ein etwas abgeändertes Ehemaligentreffen statt. Der Tingleffer Friedrich „Fidde“ Hartung lässt solche Wiedersehen ungern ausfallen, waren die damaligen Schuljahre doch nicht nur für ihn als Lehrer, sondern auch für die Schülerinnen und Schüler prägend.

Am 25. April kommenden Jahres wird es in der Deutschen Nachschule Tingleff den ganzen Tag ein großes Kommen und Gehen geben. Die Einrichtung lädt in zwei Etappen zu einem Ehemaligentreffen ein. 

Am Nachmittag ab 12 Uhr sind alle Jahrgänge von 2016/17 bis 2024/25 willkommen. Ab 17 Uhr finden die obligatorischen Treffen der Abschlussjahrgänge von vor 40 Jahren, 25 Jahren, 15 Jahren und 10 Jahren statt (siehe Faktenbox unten). 

„Es ist für uns organisatorisch von Vorteil, die Ehemaligentreffen auf einen Tag zu legen. Recht neu ist dabei, dass alle Schülerinnen und Schüler der vergangenen neun Lehrgänge sich wiedersehen können“, erwähnt Karin Warm, Abteilungsleiterin und Koordinatorin an der Nachschule.

Die Ehemaligen werden nicht mehr mithilfe einer Datenbank direkt eingeladen, sondern über soziale Plattformen und über andere Wege auf das Treffen aufmerksam gemacht. „Wir hoffen daher, dass sich möglichst viele ehemalige Schüler gegenseitig Bescheid geben“, so die Aufforderung von Karin Warm.

Für Hartung gern gesehene Termine

Einen festen Platz im Kalender haben Ehemaligentreffen bei Friedrich Hartung. Über 40 Jahre war er bis zu seinem Ausscheiden im Jahr 2009 Lehrer an der Einrichtung. „In so einer langen Zeit hat man ja viel mit jungen Menschen zu tun gehabt und viel erlebt“, sagt Hartung, der kürzlich sein 80. Lebensjahr vollendete.

Die Ehemaligentreffen seien stets eine schöne Zeitreise in die damalige Nachschulzeit, mit der er viele schöne Momente und Begegnungen verbinde, betont Hartung.

Es freue ihn jedes Mal, wenn ehemalige Schülerinnen und Schüler gern an die Nachschulzeit zurückdenken und sich positiv über die Art und Weise äußern, wie er ihnen damals begegnete.

Friedrich Hartung am PC mit einem der vielen Fotos von privaten Ehemaligentreffen, zu denen er eingeladen wurde und immer noch wird.

„Vor Jahren bin ich in einem Restaurant in Apenrade zufällig einem ehemaligen Schüler begegnet, der dort kellnerte. Als er mich sah, ließ er alles stehen und liegen, kam auf mich zu und umarmte mich. Er sagte mir, dass die Zeit an der Nachschule mit mir und den anderen Lehrkräften zu den schönsten Phasen seines Lebens gehörte. Das sind Gänsehautmomente, die einem immer wieder das Gefühl geben, dass man vieles richtig gemacht hat und offensichtlich einen prägenden Einfluss auf die Jugendlichen hatte“, schwärmt Hartung nicht nur von dieser positiven Rückmeldung, sondern auch von den vielen anderen, die er im Laufe der Zeit – insbesondere auch bei den Ehemaligentreffen – bekommen hat und noch immer bekommt.

Prägenden Einfluss

„Eine Schülerin hat mir vor einiger Zeit zum Geburtstag gratuliert und schrieb, dass sie mich gehasst hat, weil ich sie über den Sportplatz gejagt hatte. Sie fügte hinzu: Danke, dass du es damals getan hast. Es hat mich letztlich weitergebracht“, erzählt Hartung als ehemaliger Sportlehrer mit einem Schmunzeln.

Die Nachschulzeit habe auch ihn geprägt, ergänzt der 80-Jährige. Es sei eine glückliche Fügung gewesen, dass der damalige Nachschulleiter Paul Koopmann ihn als Quereinsteiger an die Schule holte. Erst stundenweise für den Sportunterricht und später als volle Lehrkraft. 

Erst kürzlich nahm Friedrich Hartung (kniend links) an einem privaten Ehemaligentreffen eines Jahrgangs von Ende 1970 im nordfriesischen Klanxbüll teil. Mit dabei unter anderem auch sein früherer Kollege Kurt Seifert (sitzend, 2. v. r.) und Kollegin Inken Carstensen (stehend, rechts).

Gelernt hatte Hartung eigentlich Maschinenschlosser. „Er hat wohl Fähigkeiten und Tugenden in mir gesehen, die für den Nachschulbetrieb und den Umgang mit der Schülerschaft wertvoll sind. Ich habe ihm viel zu verdanken, denn einen anderen Beruf könnte ich mir nicht mehr vorstellen“, sagt Hartung, der neben Sport und Metallwerken als versierter Fotograf auch Fotolehre unterrichtete. Nebenberuflich fotografierte er für den „Nordschleswiger“. 

Koopmann kannte Hartung auch als engagierte Kraft im SV Tingleff, wo er nicht nur auf dem Spielfeld aktiv war, sondern auch als Vorsitzender wichtige Impulse setzte.

Gute Jahre mit Horst Jacobsen

Die gute Zeit an der Nachschule sollte sich in den 1970er- und 1980er-Jahren unter Horst Jacobsen fortsetzen. „Es war wohl meine beste Zeit an der Nachschule. Vieles passte einfach gut zusammen. Das habe ich Horst gegenüber an meinem Geburtstag noch einmal betont“, so Hartung, der den ehemaligen Leiter sowie dessen Ehefrau Ingrid selbstverständlich zum 80. Geburtstag eingeladen hatte. 

Die Kombination aus Fachlehrer, Pädagoge und ein Stück weit Sozialarbeiter habe er in seiner Nachschulzeit stets geschätzt. Es sei dabei nicht alles eitel Sonnenschein gewesen. 

Konfrontationen mit Schülerinnen und Schülern, Konflikte und schwierige Momente blieben nicht aus. „Ich habe aber immer versucht, die richtige Lösung zu finden und Probleme im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern auszuräumen. Ich glaube, das ist mir ganz gut gelungen, wenn ich den Rückmeldungen ehemaliger Schüler glauben darf“, sagt Fidde Hartung.

Der Internatsbetrieb einer Nachschule bringt die Lehrkräfte eng an die Schülerschaft heran. Man werde schnell mit den Sorgen und Nöten vertraut, so Hartung. Auch mit schwierigen bis hin zu dramatischen Lebensumständen galt es umzugehen.

Die große Leidenschaft von Friedrich Hartung ist das Fotografieren, das er in seiner beruflichen Tätigkeit an der Nachschule und auch nebenberuflich einfließen ließ.

„Ich erinnere mich noch an ein Mädchen aus zerrütteten Verhältnissen. Sie trank und drohte, auf einen ganz schiefen Weg zu geraten. Ich nahm mich ihrer damals an. Viele Jahre später lud sie mich zu ihrem 60. Geburtstag ein und sagte in einer Rede: ‘Du hast mich gerettet’“, erzählt Hartung sichtlich berührt.

Kleine Dinge mit großer Wirkung

In Erinnerung sind ihm auch viele kleine Momente des Nachschulalltags geblieben. Dazu gehören auch Schabernack und die Streiche der Jugendlichen, Fehltritte und Fehlverhalten, denen er mal mit Zurechtweisung und mal mit Gewährenlassen begegnete. All das machte das Wirken als Lehrer vielseitig und interessant gleichermaßen, so Hartung, der mit Anekdoten aus seiner Nachschulzeit ein ganzes Buch füllen könnte.

Wenn Schülerinnen und Schüler Anekdoten ergänzen, wie etwa bei den offiziellen Ehemaligentreffen oder in privater Runde, „dann ist es doch wunderbar“, sagt Hartung mit Vorfreude auf das Wiedersehen im April.

Beginn um 12 Uhr mit einem kleinen Snack
Aktivitäten: Gemeinsamer Rundgang durch die Schule, Fotografieren der Jahrgänge.
Abschluss: 16 Uhr.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Ehemaligen werden gebeten, Mitschülerinnen und Mitschüler von einst auf das Treffen aufmerksam zu machen, so die Bitte der Nachschule. 

Beginn 17 Uhr
Programm: Begrüßung und gemeinsamer Rundgang durch die Schule
18 Uhr: festliches Abendessen in der Aula
Im Anschluss gemütliches Beisammensein
Abschluss: 22 Uhr
Unkostenbeitrag: 200 Kronen oder 27 EUR (am Abend möglichst passend bereit haben)
Aus organisatorischen Gründen wird bis zum 10. April 2026 um Anmeldung gebeten – schriftlich oder telefonisch bei der Nachschule mit Angabe der Personenzahl und eventueller Lebensmittelunverträglichkeit.
Die Kontaktdaten der Nachschule:
Telefon: 0045/74644820
E-Mail: nachschule-kontor@tingeff.dk