Deutsche Schule Rapstedt

Drohende Schließung: Sorgenfalten bei den treibenden Kräften des Pfingstturniers

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Heidi Jessen (l.) und Kerstin Hinrichsen auf dem Sportplatz mit Beachhandballfeld an der Deutschen Schule Rapstedt. Als langjährige Mitglieder des Organisationsteams rund um das Handball-Pfingstturnier befürchten sie, dass eine Schließung der Schule das Aus des Turniers bedeuten könnte.

Sie bilden seit Jahrzehnten eine Einheit und sind wichtige Eckpfeiler der deutschen Gemeinschaft in Rapstedt: die deutsche Schule und das Handball-Pfingstturnier. Was wird aber aus dem Turnier, wenn die ins Spiel gebrachte Schulschließung beschlossen wird? Die Turnier-Urgesteine Heidi Jessen und Kerstin Hinrichsen befürchten das Schlimmste.

Trübe ist es beim Zusammentreffen auf dem Sportplatz der Deutschen Schule Rapstedt. Der Himmel ist wolkenverhangen, Nebelschwaden kündigen sich an. 

Die triste Stimmung spiegelt den Gemütszustand von Heidi Jessen und Kerstin Hinrichsen wider. Sie sind seit Jahrzehnten treibende Kräfte des Handball-Pfingstturniers, dessen Austragungsort und Heimat der Sportplatz der deutschen Schule ist. 

Dass die Schließung der Schule und auch des Kindergartens vom Deutschen Schul- und Sprachverein für Nordschleswig (DSSV) empfohlen wurde, habe auch sie geschockt, so die beiden Deutsch-Nordschleswigerinnen. 

Die Lokalmatadorinnen blicken besorgt in die Zukunft, denn ein Pfingstturnier auszutragen, ohne auf den Sportplatz und auf die Schultrakte zurückgreifen zu können, sei kaum denkbar.

Nicht nur praktisch ein wichtiger Faktor

„Der Sportplatz und die Nutzung der Schule sind für das Turnier lebenswichtig. Nicht nur praktisch. Die Verbundenheit zur Schule und der deutschen Minderheit drohen wegzubrechen“, sagt Kerstin Hinrichsen, die mit Heidi Jessen viele Jahre im ehemaligen Sportverein Jugendbund Rapstedt Osterhoist (JRO) aktiv war. 

Das Pfingstturnier wurde einst von dem inzwischen verstorbenen damaligen Schulleiter Lutz Scheller in Regie des JRO ins Leben gerufen. Mittlerweile trägt ein Förderverein das Feldhandball-Turnier am Pfingstwochenende aus. Heidi Jessen ist Vorsitzende des Fördervereins.

Auch Jessen hat große Befürchtungen, dass die Schließung der Schule das Aus des Pfingstturniers mit über 50-jähriger Geschichte bedeutet. Ein Ortswechsel würde keinen Sinn ergeben. Die DNA des Turniers mit Teilnehmenden aus Dänemark und Deutschland würde verloren gehen. „Es steht und fällt mit der Schule Rapstedt und dem Sportplatz“, so Jessen.

Kerstin Hinrichsen pflichtet ihr bei: „Eine Schließung der Schule trifft den Nerv des Turniers.“

Sind nicht nur als Organisatorinnen des Pfingstturniers um die Zukunft der Schule besorgt, sondern auch als Lokalmatadorinnen und Angehörige der deutschen Minderheit: Heidi Jessen (l.) und Kerstin Hinrichsen.

Der Sportplatz und das vom Förderverein selbst geschaffene und in Schuss gehaltene Beachhandballfeld, kombiniert mit der Nutzung der Schultrakte, seien das Lebenselixier.

Keine Alternative denkbar

„Wir haben auf die Umkleideräume und Duschen der Turnhalle zurückgreifen und die Küche nutzen können. Besteck, Teller und anderes Equipment haben wir in unmittelbarer Nähe. Ohne diese praktischen Dinge wäre die Ausrichtung in Rapstedt kaum möglich. Das Ausweichen auf andere Flächen wäre komplizierter und würde dem Turnier das besondere Flair nehmen“, sagt Kerstin Hinrichsen. 

Sie und Mitstreiterin Heidi Jessen hoffen, dass die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger von DSSV und Bund Deutscher Nordschleswiger (BDN) von einer Schließung absehen werden.

Mit aktuell 27 Kindern und einem überschaubaren Sanierungsstau scheine die Situation nicht so brenzlig zu sein, dass eine Schulschließung in Betracht gezogen werden muss, so die Einschätzung der beiden Frauen. 

Eine Schließung der Schule trifft den Nerv des Turniers.

Kerstin Hinrichsen

Sie ärgern sich, dass die Krise im Kindergartenverbund DKA (Deutsche Kindergärten Apenrade) mit einhergehenden finanziellen Problemen offenkundig die Überlegungen für eine Schließung der deutschen Einrichtungen in Rapstedt wie auch in Lunden befeuert hat.

„Es wirkt auf uns so, als wenn die Kindergärten und Schulen in Rapstedt und Lunden dafür herhalten müssen“, sagt Heidi Jessen.

Jessen und Hinrichsen wünschen sich, dass die empfohlene Schließung der Deutschen Schule Rapstedt zurückgenommen wird, wodurch auch das Pfingstturnier fortbestehen könnte. Im Namen des Fördervereins haben sie das in einem Solidaritätsschreiben zum Ausdruck gebracht (siehe Textbox unten). 

Heidi Jessen und Kerstin Hinrichsen vor dem Schulschild an der Straße. Sie hoffen, dass das Schild auch künftig auf eine Schule in Betrieb hinweist.

„Wir werden das Schreiben an die Schule weiterleiten. Sie kann es dann ihrem Konzept mit Argumenten für das Fortbestehen beifügen“, so Kerstin Hinrichsen.

Lieber Vorstand, liebe Mitarbeiter und Familien im Deutschen Kindergarten Rapstedt und an der Deutschen Schule Rapstedt, hiermit übersendet der Vorstand des Fördervereins des Pfingstturnieres ein solidarisches und unterstützendes Schreiben an Euch, um unsere Unterstützung gegen eine Schließung des Kindergartens und der Schule zu zeigen. Dieses Schreiben darf sehr gerne im Kampf gegen die angedachte Schließung vor Ort verwendet werden. Unser gesammelter Vorstand steht hinter Euch.

Hiermit möchte sich der Vorstand des Fördervereins des Pfingstturniers zu der angedachten Schließung des Kindergartens und der Schule Rapstedt äußern. Wir haben unerwartet und mit großer Besorgnis davon erfahren, dass angedacht wird, den Kindergarten und die Schule am Minderheitenstandort Rapstedt zu schließen. Für das Pfingstturnier ist der Standort in Rapstedt einer der wichtigen Lebensnerven. 
Unser Pfingstturnier in Rapstedt ist über 55 Jahre abgehalten worden. Das gesamte Pfingstwochenende ist ein wichtiger Sammelpunkt für Leute aus der Minderheit. Sowohl die ältere als auch die junge Generation der Minderheit trifft sich dort zum einzigartigen sportlichen Event, das die Minderheit in dieser Form noch kennt. 

Unsere langjährigen Sport- und Handballfreunde aus Brügge Bordesholm reisen mit über 400 Kindern, Jugendlichen und Betreuern an, um 4 Tage bei uns auf dem Sportplatz an der Schule zu übernachten und Handball zu spielen. Aus eigenen Minderheitenreihen entstehen viele verschiedene Mannschaften, bestehend aus Kindern und jungen Menschen – viele davon direkt aus der Rapstedter Schule und Umgebung. Die Schüler und Familien der Schule und des Kindergartens unterstützen unser Pfingstturnier und helfen uns mit vielen wichtigen Aufgaben. 

Weiter entscheidend ist, dass das Pfingstturnier sowohl den Sportplatz als auch die Turnhalle, den Vorraum, die Schulküche und besonders die Umkleide- und Duschräume/Toiletten nutzt. Wir stellen unsere Prämien unter und nutzen die Garage als Unterstellplatz für die größeren Utensilien. Die Kinder und Jugendlichen nutzen den Spielplatz und auch die Parkplätze sind wichtig für uns.
Wie erwähnt sind sowohl die Gebäude als auch der Sportplatz die Grundlage für unser Turnier – man könnte fast sagen: keine Schule/Kindergarten – kein Pfingstturnier.
Wir geben ganz klar zu erkennen, dass wir seitens des Pfingstturnier-Vorstandes den Fortbestand der Schule und des Kindergartens Rapstedt unterstützen. Wir haben über Jahrzehnte hier zusammengearbeitet, und der Standort Rapstedt ist mit dem Pfingstturnier eng verbunden und nicht wegzudenken. Wir hoffen darauf, dass die gesammelten Kräfte vor Ort erreichen, den Fortbestand des Kindergartens und der Schule Rapstedt zu sichern. 
Mit solidarischen und freundlichen Grüßen
Vorstand des Fördervereins Pfingstturnier
Vorsitzende: Heidi Jessen, Vorstandsmitglieder: Kerstin Jessen Hinrichsen, Torsten Rasmussen, Søren Dethlefsen und Nicolai J. Thaisen