Deutsche Minderheit

Demenz: Wie ein Weg, der in einem schwarzen Loch endet

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Für einige Kinder der Deutschen Schule Pattburg ist es ein Zeichen von Demenz, wenn man sich selbst nicht mehr im Spiegel erkennt.

Was passiert, wenn Erinnerungen verblassen? Können sich Kinder vorstellen, wie es ist, dement zu sein? Kann daraus Kunst entstehen? Schülerinnen und Schüler der Deutschen Schule Pattburg haben sich diese Fragen gestellt.

„Ich hätte niemals eine Krankheit in Form von Kunst dargestellt“, erzählt Kunstlehrerin Wiebke Haunstrup Thomsen. Doch ein Projekt der Kommune Apenrade hat sie überzeugt. Wie stellen sich Kinder Demenz vor, und können sie ihre Gedanken auch in Form eines Gemäldes auf Papier bringen?

Gemeinsam mit ihrer Kunst-AG und in Zusammenarbeit mit Pia Christensen und Anne Kjærsig von der Kommune entstand die Idee eines besonderen Kunstprojekts.

Wie Kinder das Vergessen verstehen

Während der Entstehung der Bilder sollten die Kinder ganz ohne Anweisungen oder Ratschläge der Erwachsenen kreativ werden.

Vor etwa drei Wochen besuchten Pia Christensen und Anne Kjærsig von „Aktivitet og Forebyggelse“ die Kinder der Kunst-AG der Deutschen Schule Pattburg, mit Holzleinwänden, Farbe und jeder Menge Informationen zum Thema Demenz im Gepäck. Christensen arbeitet viel mit Demenzerkrankten zusammen, Kjærsig ist Aktivitätskoordinatorin und plant unter anderem Projekte wie dieses.

Zunächst erklärten sie den Kindern, was es mit der Krankheit auf sich hat, wie sie entsteht, was passiert und auch, wie man ihr vorbeugen kann.

Die Schülerinnen und Schüler durften dann weitere Fragen stellen und ihre Gedanken und Gefühle untereinander austauschen. Es bildeten sich kleine Gruppen, die zusammen an einem Bild arbeiteten.

Die beiden Sechstklässlerinnen Evelyn und Emma zum Beispiel mischten ihre individuellen Ideen in ein gemeinsames Bild. In ihrer Vorstellung ist Demenz wie ein Weg, der plötzlich endet, und Erinnerungen, die einmal klar und deutlich waren, verschwinden in einem schwarzen Loch.

Sehen, stehen bleiben, sprechen

Während der Vernissage stellten die Kinder ihre Bilder vor, wie Evelyn und Emma.

„Mit einem Projekt wie diesem kommt man doch ganz anders ins Gespräch“, sagt Lehrerin Haunstrup Thomsen. Auch für ihre Arbeit mit der Kunst-AG hat das Projekt neue kreative Impulse in ihr ausgelöst. „Ich kann mir vorstellen, auch andere Krankheiten auf diese Art und Weise zu betrachten.“ Auch eine erneute Zusammenarbeit mit der Kommune schließt sie nicht aus.

Die Kommune Apenrade hatte weitaus mehr Schulen angefragt als nur die Schule in Pattburg, aber sie waren die Einzigen, die zugesagt hatten. Völlig unverständlich, findet die Kunstlehrerin.

Am Mittwoch, 8. Oktober, war der Tag gekommen, an dem die entstandenen Bilder ausgestellt wurden. Sie hängen nun an einem Bauzaun vor dem Torvecenter in Pattburg. „Jeder kann vorbeikommen und sich die Bilder anschauen“, so Haunstrup Thomsen. Bis voraussichtlich Ende Oktober bleiben die Bilder an diesem Ort, danach sollen sie in die Schule umziehen.

„Aktivitet og Forebyggelse” fordert auf: „Bleibt stehen. Schaut hin. Sprecht miteinander. Was seht ihr und was denkt ihr?“