Dänemark

Norddeutschland überholt Süden: Dänemarks Exportblick verschiebt sich

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Holger Sandte ist Chefanalyst von „Danmarks Eksport- og Investeringsfond“ (EIFO) in Kopenhagen.

Der dänische Export nach Deutschland stagniert, aber es gibt eine überraschende Entwicklung genau vor Nordschleswigs Haustür, beobachtet Chefanalytiker Holger Sandte.

Deutschland ist hinter den USA weiterhin Dänemarks zweitwichtigster Außenhandelspartner, aber der Export in die Bundesrepublik stagniert. Während früher der wirtschaftsstarke süddeutsche Raum als rot-weiße Hoffnung galt, hat sich das Bild nun überraschend geändert: Deutsches Wachstum findet sich Ende 2025 nicht mehr in Süddeutschland, sondern in Norddeutschland.

In der Sendung „Dansk-tysk med Matlok“ auf DK4 hat der Chefanalyst von „Danmarks Eksport- og Investeringsfond“ (EIFO) in Kopenhagen, Holger Sandte, auf diese historische Wende hingewiesen. Der in Deutschland gebürtige Ökonom, der seit 2013 mit seiner Familie in Dänemark lebt, macht dafür zwei Faktoren verantwortlich: 

Unterschiede zwischen Süd- und Norddeutschland

Erstens: In Süddeutschland geraten die industriellen Schwergewichte unter Druck: Abseits des Münchner Technologieraums kämpfen Konzerne wie Mercedes und Bosch mit Strukturproblemen, im Stuttgarter Raum spricht manches bereits für eine beginnende Deindustrialisierung – mit Parallelen zur Entwicklung im Saarland.

Zweitens: Norddeutschland hat weniger Industrie als Süddeutschland und verzeichnet nun Wachstum trotz der gesamtdeutschen Rezession, weil der Raum vor allem durch die vorhandenen und günstigen Energiekapazitäten profitiert.

Holger Sandte: „Die Zeiten haben sich geändert. Zu behaupten, dass in Deutschland gar nichts läuft, ist falsch. Es passiert durchaus einiges – unter der Null-Oberfläche.“ 

Der dänische Export nach Deutschland (grüne Linie) stagniert.

Pipelines und Kirchen

Früher habe man sich auf Süddeutschland konzentriert, aber nun ist nach Sandtes Angaben Norddeutschland überraschend interessant geworden. 

Darauf hingewiesen, dass Dänemark ja auf ein großes, grünes Energiegeschäft in Deutschland setzt und deshalb ja auch Power-to-X-(Ptx)-Pipelines über die deutsch-dänische Grenze hinweg plant, verwies Sandte aber auf mögliche Flaschenhals-Gefahren bei den Stromleitungen auch Richtung Süddeutschland. 

Es gebe leider immer wieder Probleme mit den Genehmigungen durch die Behörden in den 16 Bundesländern und Kommunen, die – er nennt das Beispiel Fehmarn-Verbindung – auch immer wieder bei Projekten zu Verspätungen führen – „aber die Leitungen werden kommen und dann werden Dänemark und Norddeutschland noch enger zusammenrücken.“

Zumal es hier nicht die sprachlichen und kulturellen Unterschiede wie in Süddeutschland gibt, die es für dänische Firmen zu beachten gilt.  

Deutschland-Experte Sandte auf DK4: „Eine Kirche in Bayern sieht nun mal ganz anders aus als in Schleswig.“ 

Das gesamte DK4-Interview gibt es hier.