Deutsch-Dänisch

Kulturschock mit Smørrebrød: Elf Bayerinnen in Hadersleben

Veröffentlicht Geändert
Julia und Miriam freuen sich über das gelungene Smørrebrød, das sie selbst in der Küche ihrer Herberge kreiert haben.

Singen am Morgen, raus bei jedem Wetter, Aha-Momente und kleine Kulturschocks: Elf Schülerinnen aus Niederbayern stecken mitten in ihrem Praktikum in den deutschen Einrichtungen in Hadersleben – und entdecken dabei, wie anders Schule und Kindergarten ticken können.

Seit einer Woche läuft das Abenteuer Hadersleben: Elf Schülerinnen der Berufsfachschule „Berufliches Schulzentrum Pfarrkirchen“ für Kinderpflege absolvieren ein Erasmus+-Praktikum bei der deutschen Minderheit in Hadersleben. Untergebracht im Danhostel, arbeiten sie täglich in Schule oder Kindergarten – mitten im Alltag. 

„Wir sind schon zum dritten Mal hier, weil es einfach passt“, sagt Lehrerin Helene Hanseder-Urbanek. Mit ihrer Kollegin Birgit Bachl kennt sie die Stadt und die beiden deutschen Einrichtungen, die Deutsche Schule Hadersleben und den benachbarten Kindergarten, inzwischen schon ganz gut.

Singen statt Stillarbeit

Lehrerin Helene Hanseder-Urbanek hält den kulinarischen Workshop mit dem Smartphone fest.

Der Alltag hat die jungen Frauen überrascht: „Hier wird jeden Morgen gesungen – das gibt’s bei uns fast nie“, erzählt Julia (18). Auch der Projekttag zum Thema Erntedank war alles andere als Frontalunterricht. Die Gäste gestalten den Alltag in Schule und Kindergarten mit – mit eigenen Ideen im Gepäck. Sie erzählten Geschichten mit kleinen Gegenständen zum Mitmachen – und sind somit mittendrin statt nur dabei.

Erst essen, dann raus – bei Wind und Wetter

Geschäftiges Treiben in der Küche. Gastgeber Flemming Sørensen und Henrik Schiøttz beobachten das Ganze im Hintergrund.

Was den Gästen aus Niederbayern aufgefallen ist: Die deutsche Schule in Dänemark tickt anders. Hier zählt Frischluft mehr als Frontalunterricht: „Nach dem Essen und in den Pausen geht’s raus – bei jedem Wetter“, sagt Birgit Bachl. „Das steigert die Konzentration, man merkt es sofort.“ Es sei ein Kulturschock, aber ein positiver.

Zwischen Dänisch und Deutsch

Flemming Sørensen beaufsichtigt das Treiben in seiner Küche.

Im Klassenzimmer oder auf dem Spielplatz begegnet den Praktikantinnen ein Mix aus Deutsch und Dänisch. „Ich dachte erst, ich müsste ständig Englisch reden, aber die Kinder sprechen total gut Deutsch“, erzählt Miriam (19). Die junge Österreicherin fühlt sich wohl im Praktikum. Für die Gruppe ist die Arbeit in einem zweisprachigen Alltag eine wertvolle Erfahrung: „Man merkt, wie es sich anfühlt, wenn man selbst nicht alles versteht. Das hilft im Umgang mit mehrsprachigen Kindern.“

Zwei Wochen, die bleiben

Die elf Schülerinnen haben sich in Gruppen aufgeteilt: Jede Gruppe hat eine Delikatesse hergestellt.

Noch bis Freitag läuft das Praktikum. Auf dem Speiseplan am Montagabend im Danhostel stand ein Smørrebrød-Workshop. Die jungen Frauen sind, sekundiert von ihren Hostel-Gastgebern Flemming Sørensen und Henrik Schiøttz, in der Küche mit Eifer bei der Sache. „Dann lernen wir auch gleich, was man hierzulande so isst.“ 

Julia und Miram sind mit dem Ergebnis ihrer Anstrengungen zufrieden – ihre Lehrerin Birgit Bachl ebenso.