Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Deutsch-dänische Wirtschaft: Wie Unsicherheit Innovation befeuert

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Auf dem Podium sind (v.i.): Michael Chino Hjorth (CCO, NKT), Ditte Brasso Sørensen (Vizedirektorin, Think Tank Europe), Knud Erik Andersen (CEO, European Energy), Pernille Haaning (CEO, RWE) und Andre Rogaczewski (CEO, Netcompany).

Die Möglichkeiten für eine noch engere Kooperation zwischen Dänemark und Deutschland sind groß. Doch war die Notwendigkeit auch selten größer als jetzt. Das war der Tenor bei einer gemeinsamen Wirtschaftskonferenz in Kopenhagen.

„Mein nächstes E-Auto wird ein deutsches werden“, sagt der Vorstandsvorsitzende des dänischen Energieunternehmens „European Energy“, Knud Erik Andersen.

Mit den Worten möchte er Optimismus für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Dänemark und Deutschland schaffen. Wir werden darauf zurückkommen, was er damit meint.

Die Worte fallen bei einer Konferenz am Mittwoch, die die Deutsch-Dänische Handelskammer in Zusammenarbeit mit der Handelskammer Hamburg und dem Wirtschaftsverband Dansk Industri veranstaltet. Das Forum findet jedes zweite Jahr im Wechsel zwischen Kopenhagen und Hamburg statt.

Botschafterin sieht Chancen für Veränderung

Die ernste internationale Lage prägt auch die Stimmung im Saal im „Industriens Hus“. Doch darin lägen nicht nur Gefahren, sondern auch Chancen, so der Tenor bei den Referierenden.

„Die Zeiten sind sicherlich herausfordernd. Herausforderungen sind jedoch immer auch ein Motor für Veränderung und Innovation. Lasst uns diese Möglichkeiten ergreifen“, sagt die deutsche Botschafterin in Dänemark, Anke Meyer.

Die Umstellung auf eine nachhaltige Energieversorgung sei eine dieser Chancen. Sie sei nicht nur aus Klimagründen notwendig, sondern auch, um sich von anderen Staaten unabhängig zu machen. Letztlich sei dies auch eine sicherheitspolitische Frage.

„Wir müssen eine nachhaltige und gleichzeitig sichere Infrastruktur schaffen“, betont auch der Direktor der Deutsch-Dänischen Handelskammer, Andreas Wenzel.

Botschafterin Anke Meyer hatte soeben Zeit bei der Konferenz zu sprechen, bevor sie Bundeskanzler Friedrich Merz am Flughafen abholen musste.

Vorzeigebeispiel Energie-Insel

Die kommende Energie-Insel vor Bornholm nennt Michael Chino Hjorth ein Vorzeigebeispiel für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Er ist Vorstandsvorsitzender von NKT und seine Firma soll die Seekabel von der Energie-Insel nach Seeland und nach Deutschland verlegen.

„Indem Deutschland und Dänemark so die Infrastruktur schaffen, ermöglichen sie, dass sich der Offshore-Windpark rechnet“, so Hjorth.

Bundesregierung möchte Digitalisierung vorantreiben

Zeitgleich mit der Konferenz in Kopenhagen ist das deutsche Kabinett in einer Klausur. Dabei geht es um ein Programm zur Modernisierung des Landes. Handelskammerchef Wenzel sieht das als „extrem wichtig“.

Deutschland habe über die Jahre an Wettbewerbsfähigkeit verloren. Im Gegensatz zu Dänemark hat Deutschland seit 2019 kein Wirtschaftswachstum erlebt. Jetzt habe sich bei der Bundesregierung ein „Bewusstsein der Dringlichkeit“ eingestellt.

„Die Bundesregierung hat sich auch von Dänemark inspirieren lassen und ein Ministerium für Digitales und Staatsmodernisierung geschaffen“, so Wenzel.

Wirtschaftschef vermisst eigene KI in Europa

Und gerade im Bereich Digitalisierung müsse Deutschland, aber auch Europa aufholen, sagt Andre Rogaczewski, Vorstandsvorsitzender der IT-Firma Netcompany mit Hauptsitz in Kopenhagen. Diese gelte vor allem im Bereich Künstliche Intelligenz (KI), wo die USA führend sind.

„Sie wird alles ändern. Wir brauchen in Europa unsere eigenen KI-Fabriken. Diese Investitionen müssen innerhalb der kommenden 12 Monate getätigt werden“, betont er.

Deutschland holt auf

Und damit wären wir wieder beim E-Auto von „European Energy“-Chef Andersen angekommen. Er benutzte das Beispiel, um zu zeigen, dass die deutsche Industrie in puncto Digitalisierung aufgeholt habe. Vor zehn Jahren habe er sich ein amerikanisches und ein deutsches E-Auto gekauft.

„Das deutsche war von fantastischer Bauqualität, das amerikanische von fantastischer IT-Qualität“, sagt er.

Mittlerweile sei die IT in den deutschen Autos gleichwertig, und daher seien sie insgesamt den US-Autos überlegen. Das Beispiel zeige, dass Deutschland das Potenzial habe, aufzuholen. Eine verstärkte deutsch-dänische Zusammenarbeit könne dies fördern.

„Deutschland ist Europas primärer Motor. Hier müssen wir als europäische Länder Deutschland helfen, erneut stark zu werden“, betont Knud Erik Andersen.

Gemeinsam müssten die europäischen Staaten die weltweit effizienteste Energie-Infrastruktur schaffen. Dann könne Europa mit Deutschland als Lokomotive erneut wettbewerbsfähig werden.