Deutsche Minderheit

Ein Jahr in den Sporthallen Nordschleswigs: Freiwilligendienst am Tischtennistisch

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Melina Krenz arbeitet ein Jahr lang freiwillig als Tischtennistrainerin.

Melina Krenz ist seit Kurzem in den Sporthallen Nordschleswigs zu Hause. Die ehrenamtliche Tischtennistrainerin absolviert hier ein freiwilliges soziales Jahr. Jeden Tag fährt sie mit dem Auto durch die Region, um verschiedenen Altersgruppen Trainingseinheiten zu geben und den Sport in Nordschleswig noch weiter voranzutreiben.

Es regnet in Strömen und Melina Krenz ist mal wieder mit dem Auto unterwegs. Das Navi leitet ihr den Weg zur Sporthalle in Tingleff (Tinglev). Ab 15 Uhr werden wieder einige Kinder auf sie warten, um Tischtennis zu spielen. Krenz ist seit kurzer Zeit ihre Trainerin.

Melina Krenz ist 19 Jahre alt und kommt aus Langwedel in Schleswig-Holstein. Zum Tischtennis kam sie vor ziemlich genau zehn Jahren durch eine Freundin. „Es war am Anfang nicht meine große Leidenschaft, das hat sich erst über die Jahre entwickelt.“ Mittlerweile ist sie seit ungefähr drei Jahren ehrenamtliche Trainerin in ihrem Heimatverein. Erst vor zwei Wochen hat sie ihr freiwilliges soziales Jahr (FSJ) in Nordschleswig begonnen – mit dem Abitur noch ganz frisch in der Tasche.

Melina Krenz: Ich wollte Veränderung

Nach ihrem FSJ möchte Krenz Medizin studieren und – wenn es die Zeit zulässt – auch weiter als Trainerin arbeiten.

Nach der Schule hatte sich die Abiturientin vorgenommen, nicht direkt zu studieren und erst einmal neue Eindrücke zu sammeln. Neue Menschen kennenlernen, neue Orte entdecken und auch viel über sich selbst lernen, all das erhofft sich Melina Krenz in ihrem Jahr weg von zu Hause. „Ich wollte eine Veränderung, um zu sehen, wie ich außerhalb von zu Hause bin.“ Sie stellt aber auch fest, dass es zum Glück nicht allzu weit weg von Freunden und Familie ist. Weg sein, aber nicht zu weit – da war Nordschleswig die perfekte Lösung.

Der Alltag zwischen Planung und Praxis

An der Sporthalle angekommen warten schon ein paar Kinder, teilweise mit ihren Eltern, auf ihre Trainerin. Heute sind es sieben Kinder, die am Training teilnehmen. „Wir steigern uns, letzte Woche waren es nur vier“, erzählt Krenz mit einem Schmunzeln. Alle Kinder werden zunächst mit einem High-Five begrüßt und schon geht es gemeinsam in die Halle. Nach ein paar letzten Absprachen mit den Eltern, wann sie denn ihr Kind wieder abholen können, zieht sich die junge Trainerin noch schnell ihre durchgeregnete Jacke aus und startet auch direkt mit dem Aufwärmen.

Wer jetzt erwartet, dass zur Erwärmung Runden durch die Halle gelaufen werden, kann bei Melina Krenz entspannt durchatmen. Auch bereits beim kleinen Aufwärmspiel wird schon mit Tischtennisbällen gearbeitet. Das Team, das die wenigsten Bälle in seiner Spielfeldhälfte hat, gewinnt.

Ihre Trainingseinheiten werden meist im Vorhinein durchgeplant. Dafür hat sie ein Büro im Haus Nordschleswig. In jenem besagten Büro ist sie aber gar nicht so oft, erzählt sie, und einen normalen Arbeitstag gebe es auch nicht. Meistens ist sie von mittags bis teilweise spät abends in den Sporthallen der Region unterwegs und bringt vorwiegend Kindern das Tischtennisspielen bei. In sechs Vereinen gibt sie über die Woche verteilt, bei verschiedenen Altersgruppen und Spielniveaus, immer 90-minütige Trainingseinheiten.

Eine weitere Umstellung wird für Melina Krenz der Wechsel aus der Schule hinein in einen Vollzeitjob.

Die 19-Jährige wendet in ihren Trainings Übungen an, die sie entweder selbst aus ihrer Zeit in den Jugendmannschaften kennt oder aus Internet und Lektüre entnommen hat. Bei bereits erfahreneren Spielerinnen und Spielern entscheidet sie auch manchmal spontan während des Trainings, worauf sie als Nächstes den Fokus legen muss. „Meistens schaffe ich nicht alles, was ich schaffen will, aber die Kinder müssen erst die Grundlagen sicher beherrschen, bevor wir mehr an der Technik arbeiten“, stellt sie fest.

Von der Tischtennis-Ergebnisseite zum Freiwilligendienst

Ein Jahr lang trainierte die junge Frau in der Heimat ihre eigene Gruppe, die nun in der kommenden Saison auf sie verzichten muss.

Eine Reihe an Zufällen hat die 19-Jährige letztendlich hierhergebracht. Durch eine Werbung auf der Ergebnisseite ihrer Tischtennisspiele ist sie auf die Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste aufmerksam geworden. Die Organisation vermittelt Freiwilligendienste sowohl im Inland als auch im Ausland. Dort ist sie auf eine Stellenanzeige des Deutschen Jugendverbands für Nordschleswig (DJN) aufmerksam geworden.

Der DJN hat für dieses Jahr erstmals eine Stelle für Freiwilligenarbeit im Sportbereich ausgeschrieben. Sie habe sich auf gut Glück einfach mal beworben, meint Krenz. Eigentlich wäre auf dem Knivsberg, wo regelmäßig bis zu vier Leute freiwillig arbeiten, gar kein Platz mehr frei gewesen, aber da sie gesondert von der Arbeit auf dem Knivsberg tätig ist, wurde ein Platz für sie geschaffen.

Mit Geduld zum Gruppengefühl

Die Kinder sind immer noch mit dem ersten Aufwärmspiel beschäftigt und Melina Krenz kann ihre zweite Aufwärmübung aufbauen. Der Hindernisparcours. Hier wird vor allem Geschicklichkeit geübt.

Auf den Parcours freut sich einer von allen am meisten. Theo ist 9 Jahre alt und gehört schon zu den erfahreneren Kindern. Bevor er kürzlich mit seiner Familie nach Tingleff gezogen ist, hat er bereits ein Jahr in seinem alten Heimatort Tischtennis gespielt. „Mir gefällt es, dass wir hier nicht so viele Kinder sind. Das macht dann gleich viel mehr Spaß!“ Das stellt auch seine Trainerin fest. Es sei wesentlich einfacher und entspannter eine kleine Gruppe zu trainieren und unter Kontrolle zu haben.

Als Trainerin möchte Krenz gerne mit den Kindern auf Augenhöhe kommunizieren, sie sollen aber trotzdem immer wissen, dass vor ihnen eine Respektsperson steht. Diesen Spagat konnte sie bereits in der Vergangenheit üben. Zu Beginn ihres Trainerdaseins trainierte sie die Minis, die jüngste Jugendmannschaft in ihrem Heimatverein.

Melina schafft Möglichkeit

Am Hindernisparcours werden hauptsächlich Geschicklichkeit und Ballgefühl gefestigt.

Zusammen mit Melina Krenz’ kleinem Neuanfang in Nordschleswig entstand auch die Möglichkeit, mehr Kinder für Tischtennis zu begeistern. Die heutige Gruppe in Tingleff (Tinglev) ist dafür ein Paradebeispiel. Noch vor drei Wochen existierte sie gar nicht und jetzt durch die personelle Möglichkeit, Melina als Trainerin in den Vereinen einzusetzen, konnte ein Ort für Kinder geschaffen werden, um in die Welt des Tischtennis einzutauchen.

Der 8-jährige Niclas ist schon seit drei Jahren begeisterter Tischtennisfan und heute das zweite Mal am Tischtennisschläger. Für ihn steht heute eine Premiere an: Er darf heute das erste Mal so richtig spielen. Sein Übungsmatch geht mit 9:11 Punkten zwar gegen ihn aus, aber den Spaß am Spiel lässt er sich trotzdem nicht nehmen.

Während Niclas sein erstes Spiel bestreitet, kümmert sich seine Trainerin individuell um die anderen Kinder. Die beiden Jüngsten, beide 5 Jahre alt, werden spielerisch mit dem Einsammeln der Bälle beschäftigt. Es sei in dem Alter noch zu kompliziert, sie an die Technik heranzuführen, meint die junge Trainerin. Bei den anderen drei Kindern nimmt sich Melina Krenz die Zeit, weiter Vorhand- und Rückhand-Schläge zu üben.

„Sie müssen zuerst den sicheren Konter beherrschen, damit wir dann darauf aufbauen können.“ Der Konter beschreibt die Grundform des Tischtennis, den Ball locker im Spiel zu halten und ihn dann kontrolliert auf die gegnerische Seite zu spielen.

Es ist deutlich zu erkennen, wie sich die Technik in den vergangenen fast 90 Minuten verbessert hat. Mit Ruhe und ständigen Wiederholungen gelingt auch dem letzten Kind zum Ende der Einheit ein sicherer Schlag auf die gegenüberliegende Seite des Tisches.

Nach dem Training ist vor dem Training

Mit ihrem Schritt, nach Nordschleswig zu gehen, entschloss sich Melina Krenz auch, nach Harrislee in die Damenmannschaft zu wechseln, um gleichzeitig auch weiter Spielpraxis zu sammeln.

Die Uhr zeigt 16:30 Uhr, die Stunde wäre eigentlich vorbei, und Melina Krenz fängt an, sich von den Kindern zu verabschieden. Der Tag in Tingleff (Tinglev) ist aber noch nicht vorbei. „Ich schaffe es nie pünktlich aus der Halle.“ Es müssen noch Schläger eingesammelt, Tische abgebaut und vergessene Trinkflaschen schnell zu den Kindern gebracht werden. Erst gegen 17 Uhr sitzt Melina wieder im Auto. Nicht nur die Technik der Kinder beim Tischtennisspielen hat sich verbessert, sondern auch das Wetter. Es regnet nicht mehr.

Heute war die Einheit in Tingleff ausnahmsweise die einzige des Tages. Morgen geht es für zwei Trainingseinheiten nach Tondern.