Ukraine-Krieg

Carlsberg verlässt Russland – jetzt zeigt alles auf Ecco

Carlsberg verlässt Russland – jetzt zeigt alles auf Ecco

Carlsberg verlässt Russland – jetzt zeigt alles auf Ecco

Ritzau/nb
Apenrade/Kopenhagen
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Die Firmenzentrale von Ecco befindet sich in Bredebro (Bredebro) (Archivfoto). Foto: Jens Kalaene/Ritzau Scanpix

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Nach der Bekanntgabe von Carlsberg, sich nun doch aus dem Russland-Geschäft zurückziehen zu wollen, gerät der nordschleswigsche Schuhfabrikant Ecco weiter unter Druck.

Sowohl dänische als auch internationale Firmen haben sich infolge des Ukraine-Krieges in großem Stil aus ihren Geschäften in Russland zurückgezogen. Zuletzt hatte Carlsberg nach anfänglichem Zögern am Montag bekannt gegeben, sämtliche Aktivitäten in Russland einzustellen und seine Produktionsstätten zu verkaufen.

Zunächst hatte das Unternehmen noch verlauten lassen, seine Brauereien in Russland, die unter anderem unter der Marke Baltika fungieren, aufrechterhalten zu wollen, während Firmen wie Lego, H&M und Jysk bereits die vorübergehende Einstellung sämtlicher Aktivitäten beschlossen hatten.

„Flirt mit russischen Machthabern“

Dies hatte erhebliche Kritik mit sich geführt. Unter anderem bezeichnete der ukrainische Botschafter in Dänemark, Mykhailo Vydoinyk, das russische Engagement Carlsbergs als einen „Flirt mit den russischen Machthabern“.

Nach Ansicht von Branding-Experte Frederik Preisler kann Carlsberg mit seinem jetzigen Beschluss vermutlich noch seinen Ruf retten.

Ecco in der Kritik

Doch nun zeigt der Pfeil auf Ecco. Das nordschleswigsche Schuhunternehmen war bereits dafür kritisiert worden, sein Engagement in Russland aufrechtzuerhalten, indem es seine 250 Schuhgeschäfte im Land weiter geöffnet hält.

„Ein zentraler Punkt unserer Wertvorstellungen ist, dass wir uns gut um unsere Angestellten kümmern. Das ist zentral für uns, und das ist der wesentliche Grund dafür, dass wir in Russland bleiben“, hatte Eccos Direktor, Panos Mytaros, in der vergangenen Woche „Berlingske“ gegenüber gesagt.

Unsere Firma bedeutet verschwindend wenig für die russische Wirtschaft, und wir sind uns im Klaren darüber, dass uns das hier finanziell etwas kosten kann, da wir nicht wissen, wie sich der Verkauf in Russland entwickeln wird.

Panos Mytaros, Direktor von Ecco

Carlsbergs Entschluss erhöht den Druck auf Ecco

Mit dieser Begründung wird das Unternehmen nach Einschätzung von Frederik Preisler jetzt weiter unter Druck geraten.

„Noch mehr Menschen werden Ecco jetzt die Frage stellen, ob Carlsbergs Entschluss Anlass zu einer Neubewertung der Situation gibt“, so Preisler.

Anfang März hatte Ecco mitgeteilt, dass das Unternehmen tief betroffen war von der „Situation“ in der Ukraine, jedoch seine Ecco-Geschäfte mit Rücksicht auf die 1.800 russischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und deren Familien weiterhin geöffnet lassen werde. Ecco wolle sie nicht „im Stich“ lassen, hieß es in „Jyllands-Posten“.

Begründung mit „verschwindender“ Bedeutung

Auf die Frage beider Zeitungen, ob Ecco indirekt den Krieg Russlands gegen die Ukraine finanziert oder unterstützt, indem das Unternehmen weiterhin in Russland aktiv ist, verwies Panos Mytaros auf die Größe seines Unternehmens in Russland.

„Unsere Firma bedeutet verschwindend wenig für die russische Wirtschaft, und wir sind uns im Klaren darüber, dass uns das hier finanziell etwas kosten kann, da wir nicht wissen, wie sich der Verkauf in Russland entwickeln wird. Aber wir halten an unseren internen Wertevorstellungen fest, nämlich dass wir nicht unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Russland im Stich lassen, genauso wie wir es auch nicht in der Ukraine tun“, so Panos Mytaros gegenüber „Jyllands-Posten“.

Ecco verkauft seine Schuhe in 101 Ländern und hat weltweit etwa 21.000 Angestellte in über 2.250 Geschäften.

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