EUROPEADA

Auch die Slowenen in Kärnten kämpfen um die Minderheiten-EM

Cornelius von Tiedemann
Cornelius von Tiedemann Stellv. Chefredakteur
Cluj/Klausenburg
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Unebene Landschaft: Mit solchen Bergen kann das Grenzland nicht aufwarten. Wasser gibt es hingegend ausreichend. Foto: Bewerbungspräsentation Koroska Kärnten

Kärntens Slowenen sind der Konkurrent des Grenzlandes bei der heutigen Entscheidung für 2020. Welche Argumente haben sie im Wettstreit um das Fußball- und Kulturereignis – und warum glauben sie, die Nase vorn haben zu können? Fortunat Olip vom Rat der Kärntner Slowenen gibt Antworten.

Am Sonnabend wird entschieden, wer die Fußball-Europameisterschaft der Minderheiten, die Europeada, im Jahre 2020 austragen darf. Zur Wahl stehen das deutsch-dänische Grenzland mit seinen vier Minderheiten (Friesen, Sinti und Roma, Dänen und Deutsche) und Kärnten mit der slowenischen Volksgruppe.

Wie berichtet, hofft das Grenzland darauf, dass die Zusammenarbeit der vier Minderheiten als positives Signal die Delegierten auf dem Kongress der Föderativen Union Europäischer Volksgruppen überzeugen kann. Zudem gilt das 100-Jahr-Gedenken an die Geburtsstunde zwei der vier Minderheiten, die Grenzfestlegung 1920, als Argument – mit dem die Kärntner allerdings auch punkten können. Denn 1920 wurde auch dort abgestimmt – die Wahl stand zwischen Deutschösterreich und Jugoslawien. Kärnten blieb österreichisch, weil ein sehr großer Teil, vielerorts die Mehrheit, der Slowenen für Österreich votierte. Die Kärntner Landesversammlung hatte schließlich kurz vor der Abstimmung versprochen, dass sie die „sprachliche und ihre nationale Eigenart (der Slowenen, Red.) jetzt und alle Zeit wahren will“.

Kärnten bekommt eine neue Landesverfassung – mit oder ohne Slowenisch

Und genau da sei ein weiterer Knackpunkt der Kärntner Bewerbung, sagt Fortunat Olip, der geschäftsführender Obmannstellvertreter beim Rat der Kärntner Slowenen ist: „Wir haben uns für diese Europeada ganz bewusst auch im Zusammenhang mit dem derzeit aktuellsten Thema in Kärnten beworben, nämlich, dass das Land Kärnten in den nächsten Monaten eine neue Landesverfassung beschließt. Und darin wird Deutsch als Landessprache eingeführt, das Slowenische als zweite Sprache des Landes, die ja mit den Gesetzen eigentlich geregelt ist, kommt in dieser Verfassung nicht vor. Und ich glaube, dass das im Jahre 2017 ein ganz gewaltiges Manko ist, das man unbedingt beheben muss.“


„Die Europeada wäre eine Chance für Kärnten“

Wie berichtet, hat der Streit um die Verfassung Wellen durch ganz Europa geschlagen, Renate Schnack, Minderheitenbeauftragte der Landesregierung Schleswig-Holsteins, hatte einen offenen Brief im Sinne der Slowenen an die Kärntner Politiker geschrieben. „Mit der Bewerbung für die Europeada wollen wir dem Land Kärnten ein deutliches Signal geben. Das Land Kärnten muss sich in dieser Frage bewegen“, sagt Olip. Die Verankerung der slowenischen Sprache ist keine rein symbolische Geste – für die Kärntner Slowenen geht es von der Kinderbetreuung über den Behördengang bis zur Altenpflege um fundamentale Lebensbereiche, die durch die Landesverfassung und die darin festgeschriebenen Sprachen betroffen sind.

„Die Europeada wäre eine Chance für Kärnten, wo Volksgruppen aus ganz Europa die sprachliche, kulturelle Vielfalt in ein Land bringen, wo sie ohnehin schon vorhanden ist, gelebt wird, gehört und gesprochen wird. Und die sprachliche Buntheit, Vielfalt Europas hätte in Kärnten einen Platz, wo auch jene, die sich zur slowenischen Sprache in der Landesverfassung noch nicht bekennen können, ihre Sicht der Dinge ändern würden“, sagt Olip.

„Eine Vision für Europa im Allgemeinen“

Doch Kärnten habe auch andere Argumente als nur politische im Wettbewerb mit dem Grenzland, berichtet er: „In erster Linie geht’s darum, dass wir in einem geographisch zentralen Punkt Europas liegen, wo zwei Sprachgruppen, die Kärntner Slowenen und die deutschsprachigen Kärntner, ihren Lebensort haben. Die Buntheit, die Schönheit des Landes den Volksgruppen in ganz Europa zeigen können, die sprachliche, kulturelle, von der Schönheit der Landschaft begleitete Buntheit Europas, das macht’s aus. Und das ist ja auch eine Vision für Europa im Allgemeinen. Das wäre eine Botschaft zum Osten hin, in den Süden, in den Westen, in den Norden Europas. Kärnten hat ein Signal gesetzt, lädt die Volksgruppen Europas ein, um selber besser zu werden.“

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