JEV-Bustour „Crossing Rivers“

„Die Brücken überqueren, die wir in diesem Jahr gebaut haben“

Dominik Dose
Dominik Dose Online-Redaktion
Apenrade/Aabenraa
Zuletzt aktualisiert um:
BDN-Generalsekretär Uwe Jessen stellte die deutsche Minderheit aus Nordschleswig vor. Foto: dodo

30 Mitglieder der Jugend Europäischer Volksgruppen (JEV) reisen in dieser Woche quer durch Europa und besuchen neun Minderheiten, um mit politischen Akteuren und Minderheitenvertretern zu diskutieren. Mit dabei ist auch die aus Nordschleswig stammende JEV-Vorsitzende Britta Tästensen. Sie glaubt, dass die Minderheiten-Jugend viel erreichen kann – auch was die stockende Minority Safepack Initiative angeht.

Mit einem Bus in acht Tagen neun Minderheiten besuchen. So lautet der letzte Teil des Arbeitsplans der JEV (Jugend Europäischer Volksgruppen) in diesem Jahr. Unter dem Motto „Gemeinsam Brücken bauen“ hat die Organisation über das ganze Jahr Seminare und Treffen abgehalten, um Netzwerke auszubauen und mit anderen Akteuren eine Resolution zur Stärkung von Minderheitenrechten und Minderheitenschutz verabschiedet. Mit der abschließenden Bustour „Crossing Rivers“ sollen die im übertragenden Sinne übers Jahr aufgebauten Brücken zwischen und zu den Minderheiten nun überquert werden, erklärt die Vorsitzende der JEV, Britta Tästensen, die selbst aus der deutschen Minderheit aus Nordschleswig stammt.

Von Nord nach Süd, von Ost nach West, wird die 30-köpfige Gruppe aus rund 10 verschiedenen Minderheiten bis zum 9. Oktober neun Stationen besuchen. Angefangen bei den beiden Minderheiten im Grenzland, geht es über die Nord- und Westfriesen zu den Minderheiten in Belgien, Frankreich, der Schweiz und Italien bis hin zur sorbischen Minderheit im Osten Deutschlands. „Wir wollen die Minderheiten besuchen und ihnen zeigen, wer wir sind“, sagt Britta Tästensen.

Die JEV-Gruppe ist bereit, um zur nächsten Station aufzubrechen. Foto: Jakob Schäfer

Treffen und Diskussionen

Auf ihrer Reise wird sich die Gruppe mit politischen Akteuren und Vertretern der einzelnen Minderheiten treffen und diskutieren, wie die verschiedenen Organisationen aufgebaut sind und wie sich die Jugendlichen der Minderheiten Europas noch besser vernetzen können. „Die Teilnehmer bekommen so einen besseren Einblick, wie es in den Minderheiten läuft. Wir wollen mit den Erkenntnissen unsere zukünftige Arbeit verbessern“, erzählt die JEV-Vorsitzende.

In Nordschleswig traf sich die Gruppe mit dem Generalsekretär des Bundes Deutscher Nordschleswiger, Uwe Jessen, sowie dem BDN-Kulturkonsulenten Uffe Iwersen und dem Konsulenten des Deutschen Jugendverbandes, Lasse Tästensen, die die deutsche Minderheit vorstellten und von der Arbeit der jeweiligen Verbände berichteten.

Minority Safepack im Blick

Ein wichtiger Punkt, der auf der Bustour der JEV-Gruppe eine wichtige Rolle spielt, ist auch die Minority Safepack Initiative des Minderheiten-Dachverbandes FUEN (Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten). Für diese werden seit Frühjahr dieses Jahres Unterschriften gesammelt, um Minderheitenrechte und den Minderheitenschutz in Europa zu verbessern und auf die Agenda der EU zu bringen.

Ein Jahr hat die Organisation Zeit, um eine Million Unterschriften zu sammeln. Zusammengekommen sind in den vergangenen Monaten allerdings erst rund 14.000. Woran hapert es? „Man hat vielleicht unterschätzt, wie schwierig es bei so einer Sache ist, tatsächlich Unterschriften zu bekommen. Das Thema Minderheiten ist für viele Menschen etwas, von dem sie wenig wissen. Daher muss man den Leuten erst erklären, wer wir genau sind und sie dann auch noch um ihre Unterschrift bitten, das ist nicht immer einfach.“ sagt Britta Tästensen.

Aufgeben kommt für sie allerdings nicht in Frage: „Wir machen weiter – bis zum Ende. Aufgeben gibt es nicht.“ Sie ist zudem davon überzeugt, dass die JEV dazu beitragen kann, noch viele Stimmen zu gewinnen. „Jugendliche können viel erreichen, wir sind alle in den sozialen Netzwerken und den digitalen Medien unterwegs und haben eine große Reichweite.“

JEV-Vorsitzende Britta Tästensen (Mitte) hat auch die Pläne für 2018 schon fest im Blick. Foto: dodo

Plan für 2018 steht

Auch für das kommende Jahr hat die JEV bereits einen Arbeitsplan ausgearbeitet und finanzielle Mittel bei der European Youth Foundation beantragt. Das Ziel 2018 soll sein, „das Wort der JEV in Europa mehr zu verbreiten und die Menschen über die Vielfalt in ihrem Land aufzuklären.“ Dafür sollen sogenannte „Minority Messenger“ ausgebildet werden. Das sollen in Workshops und Seminaren ausgebildete Personen sein, die den Menschen in ihren jeweiligen Heimatländern das Thema Minderheiten näher bringen. Am Ende soll eine große Datenbank über die Minderheiten in Europa entstehen, sagt JEV-Vorsitzende Britta Tästensen.

Mehr lesen