Deutsche Minderheit

Ratssitzungen statt Ruhestand: Gerhard Bertelsen will für die SP in den Stadtrat

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Der 73-jährige Sonderburger will im Auftrag der Schleswigschen Partei die Sonderburger Wirtschaft ankurbeln.

Vor vier Jahren verpasste er den Einzug ins Sonderburger Kommunalparlament, jetzt will Gerhard Bertelsen erneut kandidieren. Seine Beweggründe verrät er im Interview.

Seit gut zehn Jahren ist der pensionierte Danfoss-Geschäftsführer im Ruhestand, jetzt plant er seine Rückkehr in die Stadtratspolitik: Gerhard Bertelsen aus Sonderburg kandidiert bei der Kommunalwahl im November für die Schleswigsche Partei (SP). Im November 2021 holte Bertelsen 104 persönliche Stimmen, nicht genug für einen Sitz im Stadtparlament. Jetzt versucht es der 73-Jährige nach vierjähriger Pause erneut.

Stadtratssitzungen am Livestream

„Nach der Wahl 2021 habe ich mich erst einmal zurückgelehnt und eine Pause von der Politik genommen“, sagt Bertelsen. „Die vier Jahre und die beiden Wahlkämpfe waren anstrengend.“ Doch bereits nach zwei Jahren begann der passionierte Golfspieler, die aktuelle Stadtratspolitik aktiv zu verfolgen.

Er sah sich die Stadtratssitzungen am Livestream an und fing an, sich Notizen zu machen. „Ab und zu habe ich mich geärgert, und manchmal habe ich die SP-Stadtratsmitglieder auch angesprochen. Aber es ist immer schwierig, Input zu geben. Man muss eine Sache auch verkaufen, und das geht am besten, wenn man vor Ort ist.“

Ziel: Gute Rahmenbedingungen für Unternehmen schaffen

Gerhard Bertelsen verfolgt die Stadtratssitzungen regelmäßig online und hält sich auf dem Laufenden, was die Stadtratspolitik bewegt.

Als pensionierter Danfoss-Geschäftsführer liegt ihm die Wirtschaft in der Kommune besonders am Herzen. Welche Rahmenbedingungen haben Unternehmen, wo kann die Kommune effizienter arbeiten und wie können Kommune und Wirtschaft enger zusammenarbeiten – auf diese Fragen will er im Stadtrat Antworten liefern.

„Was mich an der Stadtratspolitik reizt: Wenn man sich engagiert, kann man seine eigenen Vorstellungen einbringen und dafür argumentieren“, sagt Bertelsen. So führte er als Vorsitzender des Ausschusses für Gewerbe damals ein, vor jeder Ausschusssitzung ein Unternehmen zu besuchen, um sich über konkrete Herausforderungen von Betrieben zu informieren.

Mit Wirtschaftsexpertise das Profil der SP stärken

Gerhard Bertelsen spricht im September 2021 im Stadtrat Sonderburg.

In der kommenden Legislaturperiode würde er gerne die Zusammenarbeit aller vier Kommunen in Nordschleswig stärken – und die Wirtschaft in und um Sonderburg. Dass er als erfahrener Wirtschaftspolitiker nicht für beispielsweise Venstre kandidiert, sondern erneut für die Schleswigsche Partei, hat zwei Gründe. Zum einen ist er als Kind der Minderheit groß geworden und in der deutschen Minderheit vernetzt. Zum anderen findet er, „dass die SP in Sonderburg breit aufgestellt sein sollte; und ich als Wirtschaftsexperte meinen Teil dazu beitragen kann, damit die SP eine Partei der Mitte bleibt“.

Die Kommunalwahl findet am Dienstag, 18. November, in allen 98 Kommunen Dänemarks statt. Die SP in Sonderburg ernennt und bestimmt auf der BDN-Bezirksvorstandssitzung am 27. Februar alle ihre Kandidatinnen und Kandidaten.