Eishockey

Galbraith hat die innere Ruhe gefunden

Galbraith hat die innere Ruhe gefunden

Galbraith hat die innere Ruhe gefunden

Jens Kragh Iversen
Jens Kragh Iversen Sportredaktion
Woyens/Vojens
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Patrick Galbraith war bei seinem WM-Debüt 2006 nur Ersatz, stand danach aber bei acht Weltmeisterschaften für Dänemark zwischen den Pfosten. Foto: Karin Riggelsen

Der langjährige Nationaltorhüter Patrick Galbraith greift nach neun Jahren im Ausland nach seinem dritten Meistertitel mit SønderjyskE.

Zwei dänische Meistertitel hat er schon, aber das ist gefühlt bereits eine halbe Sportler-Karriere her. Ein dritter Titel soll folgen, wenn Patrick Galbraith und SønderjyskE am Freitag in Hørsholm gegen Rungsted Seier Capital die Finalserie um die dänische Eishockey-Meisterschaft in Angriff nehmen.

Der 33-Jährige ist nach neun Jahren im Ausland in seine Heimatstadt zurückgekehrt und verkörpert die Verwandlung bei dem Klub, der ein Jahrzehnt lang Dänemarks Eishockey-Flaggschiff war, aber nach dem vorerst letzten Meistertitel 2015 einige Enttäuschungen einstecken musste und im Vorjahr mit dem neunten Platz und einem Viertelfinal-Aus den Tiefpunkt erreichte. Galbraith hat nicht nur auf dem Eis, sondern auch außerhalb, einen großen Anteil daran, dass SønderjyskE wieder angekommen ist – dort, wo der Klub für ihn auch hingehört.

„Als ich vor neun Jahren ins Ausland gegangen bin, war das noch ein Amateur-Klub, wo noch mit dem Herz in der Hand gearbeitet wurde. Daraus ist eine professionelle Maschine geworden. Es ist wirklich beeindruckend, was viele leidenschaftlich arbeitende Leute, allen voran Klaus Rasmussen, hier geschaffen haben. Das ist einer der am besten geführten Klubs Dänemarks, mit dem sich nicht viele messen können. SønderjyskE hat finanziell alles im Griff und die Zuschauer kommen in die Arena“, meint Patrick Galbraith, der in seiner Karriere für Björklöven, Leksand, Frölunda, Oskarshamn und Karlskrona (alle Schweden) sowie Slovan Bratislava (Slowakei), Blues (Finnland), Nottingham Panthers (England), Adler Mannheim und Krefeld Pinguine (beide Deutschland) spielte: „Ich habe im Ausland einiges gesehen und erlebt, aber professioneller als bei SønderjyskE war es nicht. Es mag sein, dass die Gehälter höher sind, aber hier muss man an nichts anderes denken als essen, schlafen, trainieren und spielen.“

Patrick Galbraith stand im Tor, als Dänemark bei der WM 2010 bis ins Viertelfinale vorstieß und erst mit 2:4 an Schweden scheiterte. Foto: dpa

Nach zehn Stationen in neun Jahren hat der 33-Jährige einen Dreijahresvertrag bis zum Sommer 2021 bei SønderjyskE unterschrieben.

„Nach neun Jahren im Ausland hat mir die Rückkehr eine innere Ruhe gegeben. Wenn Du in anderen Teilen Europas lebst, bist Du eben der Ausländer, und Ausländer sind im Eishockey disponibel. Die Torhüter stehen oft in der Schusslinie. Manchmal sind wir die Helden, aber manchmal sind wir auch die Schurken. Manchmal verdienen wir weder das eine noch das andere. Hier hatte ich mal drei Jahre, um das Vertrauen aufzubauen“, so Galbraith, der nicht zuletzt im Halbfinale gegen Aalborg der überragende Mann gewesen ist: „Es ist schnell gegangen, aber ich habe auch die beste Defensive der gesamten Liga vor mir. Ich schätze die Arbeit, die vor mir verrichtet wird und auch das Konzept, das wir haben.“

Nach den Enttäuschungen der vergangenen drei Jahre ist bei SønderjyskE viel von einem Wiederaufbau gesprochen worden, doch der langjährige Nationaltorwart steckte sich von Anfang an hohe Ziele.

„Als wir Anfang August das erste Mal aufs Eis gegangen sind, wusste ich sofort, dass diese eine Mannschaft ist, die weit kommen kann. Platz zwei in der regulären Saison war eine Überraschung, aber ich habe von Anfang an die Qualität gesehen. Für mich wäre es enttäuschend gewesen, wenn wir zum jetzigen Zeitpunkt den Sommerurlaub angetreten hätten“, so Galbraith: „Die Vereinsführung hat fantastische Arbeit verrichtet. Die Verpflichtung von Ausländern ist manchmal eine Lotterie. Liegst Du mit zwei daneben, kann es schon die Harmonie in der Mannschaft zerstören, aber in diesem Jahr sind alle eingeschlagen. Ohne dass wir die besten Freunde sind, haben wir eine gute Harmonie in der Umkleidekabine und auf dem Eis. Und wir haben mit Rod Pelley einen fantastischen Leitwolf, der nicht schreit und tobt, aber die richtigen Dinge sagt und großen Respekt genießt.“

Patrick Galbraith war beim ersten Meistertitel 2006 noch zweite Wahl hinter Brian Greer, aber beim zweiten Titel 2009 Stammtorwart. Foto: Karin Riggelsen

Patrick Galbraith kann in Sachen Meistertitel mit Vater George gleichziehen, der 1977 aus Kanada nach Dänemark kam, als Torwart von Vojens IK 1979, 1980 und 1982 Meister wurde und mit seiner dänischen Ehefrau eine Familie gründete. Die Söhne Patrick (Jahrgang 1986) und Daniel (1991) greifen nach dem ersten gemeinsamen Titel.

„Im Finale treffen die beiden besten Mannschaften der Saison aufeinander. Die beste Offensive gegen die beste Defensive – das kann nur gut werden“, meint Patrick Galbraith, der der Tatsache, dass SønderjyskE aus den fünf Spielen gegen Rungsted in der regulären Saison 13 von 15 Punkte erzielen konnte, nicht zu viel Bedeutung beimessen will, aber dennoch sagt: „Das bedeutet, dass wir sie nicht fürchten. Wir haben aber großen Respekt.“

Zwischen den ersten beiden Finalspielen am Freitag ab 19.30 Uhr in Hørsholm und am Sonntag ab 14 Uhr in Woyens findet am Sonnabend ab 15 Uhr in Woyens ein Länderspiel zwischen Dänemark und Finnland statt, aber das Thema Nationalmannschaft spielt für ihn derzeit keine Rolle.
„Die Möglichkeit ist natürlich da, aber im Kader stehen aktuell drei tüchtige und erfahrene Torhüter. Hinzu kommt mit Thomas Lillie ein weiterer Torwart mit Nationalmannschafts-Erfahrung, der auch im Finale spielen wird. Daran denke ich jetzt nicht. Jetzt zählt die Meisterschaft, alles andere wäre ein Bonus“, sagt Patrick Galbraith, der für die dänische Eishockey-Nationalmannschaft von 2006 bis 2016 neun Weltmeisterschaften absolviert hat und im Tor stand, als Dänemark im Viertelfinale der WM 2010 nur knapp mit 2:4 an Schweden scheiterte.

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