Abenteuer

Einmal im Ruderboot rund um Dänemark für den guten Zweck

Einmal im Ruderboot rund um Dänemark für den guten Zweck

Einmal rund um Dänemark für den guten Zweck

Judith Reicherzer
Judith Reicherzer
Sonderburg/Sønderborg
Zuletzt aktualisiert um:
Umruderung
Ein schwimmendes Klassenzimmer: Mit dem Projekt wollten die Ruderer auf die Bedeutung von sauberen Meeren aufmerksam machen. Foto: Sebastian Muth

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Wir sitzen alle in einem Boot: Christian Havrehed und Lars Gabe starteten und beendeten ihre 35-tägige Umruderung Dänemarks im deutsch-dänischen Grenzgebiet. Auf ihrer Reise hatten sie eine besondere Mission, und die hat mit Müll zu tun. „Der Nordschleswiger“ hat die beiden Ruderer im Sønderborg Roklub auf ihrer Umrundung zum Schnacken getroffen.

Sie schafften, was 30 Kajaks und ein SUP-Board bereits vor ihnen taten – sie umrundeten Dänemark.

Am Montag endete die 1.300 Kilometer lange Tour rund um Dänemark beim Grenzstein 1 bei Schusterkate (Skomagerhus). Die beiden Ruderer Christian Havrehed und Lars Gabe, die mit nur einem Tag Verspätung ihr Ziel erreichten, warben auf ihrer Umruderung für saubere Meere und Strände.

Umruderung
Da nur etwa 30 Prozent des Mülls, der ins Meer gelangt, an die Strände zurückgespült werden, sammelten die beiden Ruderer Geld für die Organisation Os Om Havet. Ziel: Die Meere sauberer machen. Foto: Underwater Ambassador

Die Idee

„Ich rief Lars an und erzählte ihm von meinem Vorhaben. Seine Antwort: Nein. 20 Minuten später ruft er mich mit einer Kehrtwende zurück und sagt, dass er dabei ist“, erzählt Christian Havrehed schmunzelnd.

Eigentlich ist die Reise eine Aufwärmtour für Christian Havrehed, denn sein geplantes Projekt – Auf den Spuren chinesischer Expeditionen in das Amerika vor Kolumbus – fiel wegen der Corona-Pandemie ins Wasser.

Aufgrund der anhaltenden Beschränkungen in China war es seinem Kollegen Sun Haibin außerdem nicht möglich, nach Dänemark zu kommen, um an der Umrundung teilzunehmen.

So kam Christian Havreheds Bekannter Lars Gabe ins Spiel, der nach 20 Minuten Bedenkzeit doch noch an Bord des Projekts war. Ein paar kleinere Runden mussten zur Vorbereitung reichen, und das Abenteuer konnte beginnen.

Ich rief Lars an und erzählte ihm von meinem Vorhaben. Seine Antwort: Nein. 20 Minuten später ruft er mich mit einer Kehrtwende zurück und sagt, dass er dabei ist.

Christian Havrehed, Ruderer

Start und Endpunkt im Grenzgebiet

Die Route startete am 27. Juni in Ruttebüll (Rudbøl) und endete 35 Tage später in der Flensburger Förde bei Schusterkate mit qualmenden Fackeln.

Christian Havrehed, der auch Deutsch spricht, war begeistert von der Erfahrung, mit deutschen und dänischen Ruderklubs in Kontakt zu treten: „Viel Geschichte und der Kontakt mit der Lokalbevölkerung waren großartig“, sagt er.

Lars Gabe empfand die Menschen unglaublich positiv, freundlich und offen. „Ein fantastisches Abenteuer“, fasst Lars Gabe, der in seiner Freizeit Kajak fährt, die Rundreise zusammen.

Umruderung
Diese Route war geplant und konnte fast komplett eingehalten werden. Aus 34 Tagen wurden 35. Foto: Christian Havrehed und Lars Gabe

35 Tage, 135 Freiwillige, 894 Kilo Müll

Ein schwimmendes Klassenzimmer: Mit dem Projekt wollten die Ruderer auf die Bedeutung von sauberen Meeren aufmerksam machen. Auf ihrer Reise hielten sie vor über 300 Menschen Vorträge zu diesem Thema.

„Insgesamt haben wir zusammen mit 135 Freiwilligen 894 Kilo Müll gesammelt“, sagt Christian Havrehed, der bereits in seiner Zeit auf dem United World College (UWC) für das Thema Umwelt sensibilisiert wurde.

Auf dem College entdeckte Christian Havrehed auch seine Abenteuerlust, und das ist kaum verwunderlich, da zu den Paten der Schule kein Geringerer als Thor Heyerdahl zählte. Der norwegische Ethnologe und Abenteurer ging mit seinen Seeabenteuern in die Geschichte ein und fuhr unter anderem mit einem Floß von Südamerika nach Polynesien.

Vielleicht bezeichnet sich Christian Havrehed auch wegen seiner Begeisterung für den Norweger gerne als dänischen Wikinger.

Umruderung
Die beiden Ruderer bei ihrer Ankunft bei Schusterkate (Skomagerhus) Foto: Hanns Peter Blume

Ein Tropfen auf dem heißen Stein?

Ist das Projekt ein Tropfen auf dem heißen Stein? Nein, wenn es nach den beiden Ruderern geht. Sie wollen mit ihrer Aktion für saubere Meere den Stein für mehr Bewusstsein vielmehr ins Rollen bringen, und deshalb ist es auch weiterhin möglich zu spenden.

Unterwegs arbeiteten sie mit verschiedenen Umweltverbänden und örtlichen Rudervereinen zusammen und machten Station in Esbjerg, Læsø, Grenå, Helsingør, Klintholm, Sonderburg (Sønderborg) und in Kollund, wo Strandsäuberungen durchgeführt wurden.

Da nur etwa 30 Prozent des Mülls, der ins Meer gelangt, an die Strände zurückgespült werden, sammelten die beiden Ruderer Geld für die Organisation Os Om Havet. Diese adressiert die etwa 70 Prozent Müll, die im Meer bleiben und hat sich darauf spezialisiert, Tauchende auszubilden, um diesem Müll den Kampf anzusagen.

Mehr als 18.000 Kronen (2.415 Euro) konnten per Crowdfunding bereits eingesammelt werden, und es werden weiterhin Spenden über MobilePay 773349 entgegengenommen.

Wir wollen etwas zurückgeben und PR für die Natur machen.

Lars Gabe, Ruderer
Die beiden Ruderer beim Kaffeetrinken mit dem „Nordschleswiger" im Roklub in Sonderburg: Trotz der großen Tour sehen Christian Havrehed und Lars Gabe erholt aus. Foto: Judith Reicherzer

Alle in einem Boot

Ein besonderes Anliegen der beiden Ruderer: die dänische Bevölkerung in das Projekt miteinbinden. „Es sollte auch ein Gemeinschaftsprojekt mit Menschen für die Natur sein“, so Christian Havrehed.

Das Projekt orientiert sich insgesamt an 4 der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, wie das Ziel, nachhaltige Städte und Gemeinden zu fördern. „Wir wollen etwas zurückgeben und PR für die Natur machen“, sagt Lars Gabe über die Umrundung.

Auf die Frage, ob es noch weitere gemeinsame Projekte geben wird, antworten die beiden mit einem verschmitzten Lächeln: „Sag niemals nie. Wir schließen es auf jeden Fall nicht aus.“

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