Schottergarten muss weg: Bürger hat Vorschlag für Weiterverwendung

Dieses Beet in seinem Vorgarten hatte Manfred Ehrlinger aus Spelle schon vor Jahrzehnten pflegeleicht mit Granit angelegt. Doch die Steine musste er nun nach Aufforderung des Landkreises Emsland entfernen.

Seine Steinbeete musste Manfred Ehrlinger entfernen, nachdem sein Landkreis seinen Vorgarten kontrolliert hatte. Wohin mit dem Schotter? Dafür hat der Pensionär einen Vorschlag. Doch weder im Rathaus noch im Kreishaus oder in Hannover will man sich dem annehmen.

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Zusammenfassung

  • In Niedersachsen musste Manfred Ehrlinger seine seit Jahrzehnten bestehenden Schotterbeete nach einer Kontrolle des Landkreises Emsland entfernen.
  • Der Pensionär schlug vor, den anfallenden Schotter zentral zu sammeln und für den Straßen- und Radwegebau wiederzuverwenden, stieß damit aber bei Behörden zunächst auf Desinteresse und Bürokratie.
  • Nach mehreren Schreiben stellt das Umweltministerium klar, dass Schotter bereits über die Unteren Abfallbehörden als Bauabfall erfasst und in der Regel wiederverwertet wird, ein landesweites Sammelkonzept ist jedoch nicht geplant.

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Manfred Ehrlinger ärgert sich – über nicht beantwortete Schreiben, über die schwerfällige Bürokratie und über anonyme Briefeschreiber. Der Pensionär lebt in Spelle in Niedersachsen und – wie zahlreiche andere Hausbesitzer dort – hatte er im Vorgarten Steinbeete angelegt. 

Nach Aufforderung des Landkreises Emsland musste er diese nun entfernen. Für die Entsorgung des Schotters hat er einen Vorschlag, doch der ist bisher auf taube Ohren gestoßen – im Rathaus, im Kreishaus und auch bei der Landesregierung in Hannover.

Die zwei seitlichen Beete vor seinem Haus hatte Ehrlinger bereits vor Jahrzehnten mit Kies und schottischem Granit angelegt. Geschmackvoll und pflegeleicht sollten sie sein – eine langfristige Lösung für das Alter, dachte sich der gebürtige Franke.

Kontrolle schon im Februar – Brief erst im Oktober

Doch im Sommer 2024 ging ein anonymer Brief im Speller Rathaus und beim Landkreis ein. Darin nannten die Verfasser rund 100 Adressen mit Schottergärten in der Samtgemeinde. Diese sind laut Niedersächsischer Bauordnung nicht zulässig. Der Landkreis Emsland als zuständige Bauaufsichtsbehörde nahm den Brief als Anlass zur Kontrolle. 253 anteilige Schottergärten stellte die Behörde bis zum Frühjahr 2025 fest und ordnete deren Rückbau an.

Ehrlingers Beete gehörten damals nicht dazu. „Ich hatte gehofft, dass ich nicht betroffen bin, weil ich einen großen Garten habe und die Fläche mit dem Schotter verhältnismäßig gering ist“, berichtet er. Im Oktober traf allerdings doch noch ein Brief vom Landkreis ein. Sein Grundstück sei bereits im Februar kontrolliert worden, heißt es darin. Es entspreche nicht den Vorschriften des öffentlichen Baurechts. Bis Anfang Januar habe er Zeit, die Schotterflächen freiwillig zurückzubauen.

Wohin mit den Steinen aus dem Vorgarten?

Von Herbst 2024 bis Februar 2025 seien circa 500 Schottergärten oder -beete an etwa 300 Adressen kontrolliert worden, teilt der Landkreis auf Anfrage aktuell mit. Der Großteil der betroffenen Hausbesitzer habe diese inzwischen entfernt. Etwa 50 Eigentümer müssen der Aufforderung laut Landkreis noch nachkommen. Einige Rückbauten seien bereits angekündigt oder schon begonnen worden.

Die Kontrollen des Landkreises in der Samtgemeinde Spelle hält Ehrlinger für nicht verhältnismäßig. Dass er sich an die Bauordnung halten muss, akzeptiert er dennoch – wenn auch mit Zähneknirschen. Doch stellte sich ihm die Frage: Wohin mit den Steinen? Dafür sei er selbst verantwortlich, sei ihm auf Nachfrage beim Landkreis lapidar mitgeteilt worden, berichtet der Speller.

Schotter zur Ausbesserung von Radwegen weiterverwenden

Den Schotter einfach zu entsorgen, sei für Ehrlinger keine Option gewesen, wie er sagt. Vielmehr sollte man ihn weiterverwenden – etwa zur Ausbesserung der Radwege in Spelle. Er wandte sich also an die Verwaltung. Doch dort sei man an seinem Schotter nicht interessiert gewesen. Eventuell sei er zum Ausbau von Wegen gar nicht geeignet, habe man ihm gesagt. Für Ehrlinger keine zufriedenstellende Antwort.

Stattdessen könne er den Schotter ja im Internet zum Kauf anbieten, habe man ihm im Rathaus geraten. Soll das die Lösung sein?, fragte sich Ehrlinger. Wie viel Schotter fällt allein in der Samtgemeinde Spelle an – ganz zu schweigen vom gesamten Landkreis Emsland oder gar vom Land Niedersachsen?

In seinem Berufsleben war der Pensionär viele Jahre für die Optimierung von Prozessen und die Einsparung von Ressourcen zuständig, wie er berichtet. Angesichts der anfallenden Schottermengen kam ihm daher eine Idee: zentrale Depots in ganz Niedersachsen, wo Steine und Schotter aus den Gärten kostenlos abgegeben werden können. Auf diese Depots könnten Straßenbauunternehmen bei der Errichtung oder Sanierung von Straßen und Radwegen zurückgreifen. Eine Win-win-Situation also.

Persönliches Schreiben an Ministerpräsident Lies

„Das muss von oben her koordiniert werden“, weiß Ehrlinger. Er wandte sich mit seinem Vorschlag also an den Ministerpräsidenten Olaf Lies – persönlich adressiert. Doch anhand eines Stempels auf dem Antwortschreiben erkannte der Speller, dass sein Schreiben den Ministerpräsidenten gar nicht erreicht hatte, sondern – so seine Vermutung – direkt an einen zuständigen Sachbearbeiter weitergeleitet worden war. Auch an Landrat Marc-André Burgdorf und an den CDU-Landtagsabgeordneten Christian Fühner schickte der Speller seine Ausführungen. Von beiden habe er keine Antwort erhalten. „Das ist nicht in Ordnung“, ärgert sich Ehrlinger. „Dafür leben wir in einer Demokratie.“

Aus Hannover bekam er immerhin eine Antwort. Zufriedenstellend war diese zunächst jedoch ebenfalls nicht, wie Ehrlinger schildert. Dass es ihm um ein landesweites Konzept zur Weiterverwendung des Schotters geht, habe die Mitarbeiterin im Bauministerium zunächst gar nicht verstanden. Schließlich landete sein Schreiben beim Umweltministerium im Referat für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Auch dort wurde sein Anliegen zunächst missverstanden. Der Speller wurde aufgefordert, sich wegen der Entsorgung seines Schotters an die „zuständige Untere Abfallbehörde“ zu wenden – also an den Landkreis Emsland.

Schwerfällige Bürokratie: Lustlosigkeit statt Initiative

Für dieses Vorgehen hat Ehrlinger kein Verständnis. „Ich habe einen konstruktiven Vorschlag gemacht, was man mit dem Schotter sinnvoll machen könnte, und mit dem man sogar noch Kosten einsparen könnte“, erklärt er. Doch sein Anliegen werde entweder nur von Schreibtisch zu Schreibtisch geschoben oder gar nicht erst beantwortet. „Es ärgert mich, dass die zuständigen Behörden, Ministerien und Ämter sich damit nur lustlos beschäftigt haben.“

An das Umweltministerium in Hannover schickte er daher eine deutliche Antwort: „Da muss man sich halt ein bisschen anstrengen und ein kleines bisschen Initiative zeigen“, schrieb er. Seine klaren Worte trugen offenbar Früchte, denn drei Wochen nach seiner letzten Mail erhielt er nun doch noch eine ausführliche Antwort.

Als Bauabfall entsorgter Schotter wird weiterverwendet

Schottermaterial aus Hausgärten lasse sich „in der Regel gut wiederverwerten“, erklärt darin die zuständige Mitarbeiterin. Die Entsorgung und Verwertung seien durch verschiedene Gesetze auf Bundesebene geregelt. Für deren Umsetzung seien in Niedersachsen die Unteren Abfallbehörden zuständig, die entsprechende Entsorgungsmöglichkeiten, wie etwa auf Wertstoffhöfen, vorhalten. Die Behörden „können und werden das Schottermaterial entsprechend wiederverwenden“, heißt es weiter. Ein niedersachsenweites Konzept zur Sammlung des Schotters sei daher nicht vorgesehen.

Im Landkreis Emsland kann Schotter als Bauabfall kostenpflichtig auf den Wertstoffhöfen entsorgt werden, wie eine Sprecherin erläutert. Freimengen bis zu 50 Liter werden dort sogar kostenfrei angenommen. Der überwiegende Teil des angelieferten Bauschutts werde wiederverwertet – beispielsweise für Wege- und Platzbefestigungen oder als Unterbau für Flächen, Wege und Straßen. Dafür werde das Material zunächst kontrolliert und aufbereitet.