Fussball

„Ohne Aufstieg hätte es Sønderjyske vielleicht gar nicht gegeben“

Veröffentlicht Geändert
Lars „Mini“ Hansen kickt weiter in der +40-Mannschaft des HFK.

Lars „Mini“ Hansen hat als einziger Fußballer die Reise des HFK von der Jütlandserie bis in die Superliga mitgemacht und blickt voller Stolz auf den erstmaligen Aufstieg in die höchste dänische Spielklasse zurück.

„Kongen af Sønderjylland“ (König von Nordschleswig) war in seiner aktiven Zeit ein Spitzname, den er mit einem verschmitzten Lächeln auch gerne selbst in den Mund nahm. Ansonsten war er als „Mini“ bekannt wie ein bunter Hund, ein Jahrzehnt lang die herausragende Figur einer HFK-Mannschaft, die den Sprung aus der Jütlandserie bis in die Superliga schaffte.

Sein damaliger Trainer, Frank Andersen, nennt ihn ohne zu zögern den bis heute mit Abstand bedeutendsten Fußballer, den Sønderjylland jemals hatte, wegen seiner Bedeutung für die Mannschaft.

Lars Hansen hat sein Leben lang für den Haderslev Fodbold Klub (HFK) gekickt, von der frühesten Jugend an bis heute in der +40-Mannschaft, abgesehen von anderthalb Jahren bei Ikast fS, wo er es im Mai 1997 bis ins Pokalfinale schaffte und beim 0:2 gegen den FCK zum „Pokalfighter“ gekürt wurde.

Lars „Mini“ Hansen und Frank Andersen in den Minuten nach dem Aufstieg.

„Es ist schön und gut, dass ich ein gutes Spiel für Ikast gemacht habe, vor 17.000 Leuten im Parken, aber die waren nicht alle gekommen, um mich zu sehen. Im Haderslebener Stadion haben alle auf mich geguckt. Ich bin in Hadersleben geboren und aufgewachsen, habe die gesamte Reise des Klubs von der Jütlandserie in die Superliga mitgemacht, bin Inhaber des Klubrekords, spiele weiterhin im Klub und trainiere auch eine Jugendmannschaft. Der Aufstieg mit dem HFK bedeutet mir weitaus mehr als dieses Pokalfinale mit Ikast“, sagt „Mini“ im Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Fast auf den Tag genau ist es 25 Jahre her, dass die HFK-Kicker am letzten Spieltag den erstmaligen Aufstieg in die Superliga perfekt machten.

„Ich bin voller Stolz auf das, was wir damals geschafft haben, und liebe es weiterhin, wenn ich Leute treffe, die sich daran erinnern. Wir sind Teil des Fundaments, auf dem Sønderjyske heute steht. Ohne unseren Aufstieg damals hätte es Sønderjyske vielleicht gar nicht gegeben“, meint der 56-Jährige.

Lars „Mini“ Hansen nach seinem Tor zur 2:0-Führung im entscheidenden Spiel am 18. Juni 2000 gegen AC Horsens.

Es begann mit einem Abstieg aus der Dänemarkserie, als er gemeinsam mit dem späteren Nationalspieler Carsten Dethlefsen aus der „Ynglinge DM“ in die erste Mannschaft geholt wurde, doch danach ging es mehr als ein Jahrzehnt lang nur nach oben.

Mit größerem Ehrgeiz aus Ikast zurückgekehrt

„Das war eine lange Reise, wo es immer seriöser wurde. ,Hygge' stand anfangs im Vordergrund, wir haben einfach nur gut Fußball gespielt. Früher war das Trainingslager mit ,Niller' (Niels Esbensen, d. Red.) nur im Nordals Idrætscenter. Mit Poul Hansen war es dann schon südlicher, aber immer noch wurde das eine oder andere Bier getrunken. Es wurde aber ernster, als Frank Andersen von einem größeren Klub kam und mehr Professionalität reinbrachte. Ich war zwischendurch nach Ikast gewechselt, weil ich einmal Superliga spielen wollte, ich bin aber mit einem viel größeren Ehrgeiz zurückgekommen, weil ich gesehen habe, wie anderswo trainiert wird. Ich habe auch dazu beigetragen, dass die Intensität beim Training stieg und Nachlässigkeiten nicht mehr erlaubt waren“, erzählt „Mini“.

Nach dem Abstieg in die 2. Division 1997 stieg der HFK 1998 wieder in die 1. Division auf und erreichte im Sommer 1999 mit einem fünften Platz in der 1. Division die bis dahin beste Platzierung der Vereinsgeschichte. Es sollte aber noch besser werden.

Henrik Beck (unten, 2.v.l.) stieg 2000 mit dem HFK in die Superliga auf.

Aufstieg war vor der Saison kein Thema

„Wenn ich mich an damals zurückerinnere, fällt mir als Erstes der große Zusammenhalt ein. Wir hatten über viele Jahre zusammengespielt und waren eine Einheit. Wir hatten das Gefühl, dass wir nicht verlieren konnten. Selbst bei Rückständen haben wir einfach weitergemacht und alles noch gedreht. Im Laufe der Saison haben wir herausgefunden, dass ein Aufstieg möglich war. Das war vor der Saison überhaupt kein Thema“, sagt der Stürmer, der erst kurz vor der Ziellinie das große Nervenflattern bekam.

„Mini“ hatte am letzten Spieltag vor 5.087 Zuschauerinnen und Zuschauern den HFK kurz vor dem Seitenwechsel mit 2:0 in Führung gebracht, doch AC Horsens verkürzte in der 77. Minute.

„Wir haben im Laufe der Saison überhaupt keinen Druck verspürt, der Druck fühlte sich aber groß an, als Horsens gegen Ende des Spiels verkürzte. Sehr groß sogar. Ich habe mir das Spiel noch einmal auf Video angesehen, und wir standen gar nicht unter Druck – das hat sich aber so angefühlt“, so der 56-Jährige.

Lars „Mini“ Hansen feiert den Aufstieg – den Korken der Champagnerflasche hat er vor ein paar Jahren geschenkt bekommen.

„Es war schon fantastisch, dass so viele Leute in dem kleinen Stadion waren. Da spürte man, dass aus unserem Projekt das Projekt der ganzen Stadt geworden war. Die Feierlichkeiten nach dem Aufstieg waren überwältigend“, sagt „Mini“ und erinnert sich an eine Anekdote.

„Ich habe vor ein paar Jahren von Jacob Bolwinkel den Korken von der Champagnerflasche geschenkt bekommen, die ich unmittelbar nach dem Aufstieg entleert habe. Den hatte er über so viele Jahre aufgehoben. Es ist doch schön, dass unser Aufstieg auch für andere so viel bedeutet hat“, meint „Mini“.