Vor 25 Jahren

Sensationeller Aufstieg war Startschuss für Spitzensport in Nordschleswig

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Frank Andersen im alten Haderslebener Stadion, wo er vor 25 Jahren mit dem HFK in die Superliga aufstieg.

Frank Andersen spricht auch 25 Jahre danach voller Begeisterung vom Superliga-Aufstieg, der den Spitzensport in einem Landesteil aufblühen ließ, wo dieser bis auf wenige Ausnahmen ein Fremdwort war. Der Cheftrainer von damals nennt es eine einzigartige Geschichte und bezeichnet „Mini“ als bedeutungsvollsten Spieler des Landesteils überhaupt.

Es hatte schon was von einem Märchen, als die Fußballer vom Haderslev Fodboldklub (HFK) im Jahr 2000 in die Superliga aufstiegen. Zum ersten Mal in der Geschichte stand eine Mannschaft aus Nordschleswig in der besten Fußball-Spielklasse Dänemarks.

Am 18. Juni ist es exakt 25 Jahre her, dass die Feierabend-Fußballer vom HFK mit einem 2:1-Heimsieg am letzten Spieltag vor 5.087 Zuschauerinnen und Zuschauern im alten Haderslebener Stadion gegen AC Horsens den völlig unerwarteten Aufstieg perfekt machten und für die übrigen Sportler des Landesteils den Weg in eine bis auf wenige Ausnahmen unbekannte Welt ebneten.

An eine Grenze gestoßen

„SønderjyskE als Dachorganisation ist nicht allein auf das Fundament unseres Superliga-Aufstiegs gebaut worden, aber bei allem Respekt ist die finanzielle Grundlage im Fußball und weder im Eishockey noch im Handball geschaffen worden. Unser Aufstieg war der Startschuss für den Spitzensport im Landesteil. Der Aufstieg hat ein neues Stadion und die erste Tribüne ausgelöst, ein Fundament, auf das man bauen konnte. Hadersleben und Umgebung waren an eine Grenze gestoßen und kamen nicht mehr weiter. Es war die ganz richtige Entscheidung, Sønderjysk Elitesport zu gründen, auch wenn ich diese Reise dann nicht mitgemacht habe“, sagt Frank Andersen im Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Der 63-Jährige kam im Januar 1997 aus Silkeborg zum HFK und war bis zu seinem Ausscheiden im November 2003 nicht nur Cheftrainer, sondern auch treibende Kraft hinter den Kulissen, um aus einem Amateurverein eine professionelle Organisation zu formen.

Die Aufstiegsmannschaft aus dem Jahr 2000.

„Als ich kam, habe ich einen stolzen Amateurklub vorgefunden, aber auch einen Landesteil ohne sportliche Ambitionen und mit Herausforderungen, was die Zusammenarbeit zwischen den Städten angeht. Ich habe dennoch ein Riesenpotenzial gesehen, das vollkommen unausgeschöpft war“, so Andersen, der eine HFK-Mannschaft übernahm, die bei Saisonhalbzeit auf einem Abstiegsplatz in der 1. Division stand. Den Abstieg in die 2. Division konnte er nicht verhindern.

Der unmögliche Traum

„Für mich war der erste Meilenstein in Richtung Superliga-Aufstieg der Sommer 1997. Wir waren gerade in die 2. Division abgestiegen, und hätten Povl Davidsen und Frøs den Hahn zugedreht, wären wir nicht weitergekommen. Es war nicht so, dass ich dort schon dachte, dass wir in der Superliga landen, aber ich und der damalige Sportchef Lars Elsborg hatten diesen unmöglichen Traum, den wir nicht laut aussprachen, sondern nur flüsterten, wenn wir unter uns waren. Wir konnten auf und neben dem Platz zulegen, müssen aber wohl sagen, dass wir ein oder zwei Jahre zu früh aufgestiegen sind“, sagt der damalige Cheftrainer.

Der HFK war in der Saison 1998/99 Fünfter in der 1. Division geworden, doch ein Aufstieg war in der Saison danach eigentlich kein Thema. Die Haderslebener spielten aber ganz oben mit.

„Die Saison war noch jung, als ich begann, an einen Aufstieg zu glauben. Es war auch logisch, dass wir sportlich zulegen würden. Wir hatten lange mit dem gleichen Stamm gespielt, Kontinuität geschaffen und ein sportliches Fundament aufgebaut, nicht zuletzt was Spielweise und Einstellung betrifft. Die SønderjyskE-DNA, über die so oft gesprochen wird, dass viele es nicht mehr hören können, wurde damals von uns geschaffen, mit Demut und harter Arbeit. Wir haben gegen die Top 3 nur ein oder zwei Spiele gewonnen, aber gegen die übrigen Mannschaften kein einziges Spiel verloren, weil wir jedes Mal Respekt vor dem Gegner hatten“, meint Frank Andersen.

Die Sponsoren von damals hängen immer noch an einer Tafel auf der alten Tribüne.

Die Kulmination einer bärenstarken Saison war der Aufstieg am letzten Spieltag, am 18. Juni 2000. Auch der starke Mann an der Seitenlinie wurde von seinen Gefühlen übermannt und ließ seinen Tränen freien Lauf.

Lokale Spieler

„Das war die totale Erlösung. Eine Explosion von Gefühlen. Ich sehe mich als starke Person, aber auch als Gefühlsmensch mit einem enormen Gefühlsregister. Wenn ich mir Bildausschnitte von damals ansehe, schäme ich mich ein wenig, wie ich manchmal ausgeflippt bin, aber das sind eben Gefühle“, sagt der 63-Jährige.

„Ich denke, wir dürfen uns schon erlauben, stolz zu sein und auch ein wenig anzugeben. Das war schon fantastisch, was wir erreicht haben. Wir haben aus kleinen Mitteln das Beste herausgeholt. Bis auf Mads Bro und Poul Henriksen, die ich aus Silkeborg holte, waren das alles lokale Spieler aus der Umgebung, die sich über die Zeit gesteigert haben. Das ist eine einzigartige Geschichte“, meint Frank Andersen und zieht Henrik Beck als Beispiel heran.

„Beck konnte keine Beule in eine Sahnetorte treten, aber nach einiger Zeit konnte er aus dem Stand von der einen Seitenlinie auf die andere schießen“, so der Trainer mit großer Begeisterung in der Stimme: „Es ist vielleicht richtig, vielleicht auch falsch, einzelne Spieler hervorzuheben, aber ich muss einfach sagen, dass ,Mini' (Lars Hansen, d. Red.) nach seiner Rückkehr aus Ikast das Niveau auf dem Platz und auch außerhalb angehoben hat. Er ist bis heute mit Abstand der bedeutendste Fußballer, den Sønderjylland jemals gehabt hat, wegen seiner Bedeutung für die Mannschaft. Da kommen alle Sønderjyske-Spieler nicht heran, egal, wie sie heißen.“

Lars „Mini“ Hansen und Frank Andersen in den Minuten nach dem Aufstieg.

Vergessen will er auch nicht seinen langjährigen Weggefährten, Co-Trainer Ole Schwennesen.

Nachts aufgestanden

„Ohne Ole wäre es nicht gegangen. Grob gesagt war ich der Einpeitscher und Ole hat mir gesagt, wie wir spielen sollen. Beim Aufstieg habe ich als Allererstes Ole lange umarmt. Der Aufstieg war aber auch ein Verdienst vom HFK-Vorstand mit Teddy Pedersen und Orla Mortensen an der Spitze, ein großer Dank gebührt auch ,Niller' (Niels Esbensen, d. Red.), der hinter den Kulissen mit Abstand die meisten Arbeitsstunden investiert hat, und den vielen Freiwilligen“, sagt Frank Andersen, der selbst auch Aufgaben lösen musste, die nicht in seinem Vertrag standen.

„Wenn im Keller drüben die Waschmaschine kaputt ging, haben wir die Trainingsklamotten mit nach Hause genommen und sind nachts wieder aufgestanden, um die nächste Maschine zu starten. Das haben andere auch gemacht, ich erzähle die Geschichte nur, um ein Bild davon zu geben, wo wir damals waren. Es ist doch völlig verrückt, dass man in einer Aufstiegssaison solche Aufgaben lösen muss“, lacht der Trainer.

Im Oberhaus kam schnell die Erkenntnis, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Die Haderslebener, die mittlerweile zu Halbprofis geworden waren, flogen mit nur einem Sieg aus 33 Spielen wieder raus. Die elf Punkte sind bis heute Negativrekord in der Superliga-Geschichte.

Hadersleben stand nach dem Aufstieg Kopf.

„Das ändert für mich nichts an der guten Geschichte. Was hatte man erwartet? Wir waren nicht Vollprofis. Sowohl auf als auch neben dem Platz haben die Kräfte nicht für die Superliga gereicht. Wir haben fußballerisch gut mithalten können, aber in den letzten 20 Minuten jede Menge Punkte vergeben, weil die Kraft gefehlt hat. Wir lagen, so weit ich mich erinnern kann, mindestens 13 Mal vorne, und wären in den Top 6 gelandet, wenn die Spiele nur 70 Minuten gedauert hätten“, erinnert sich Frank Andersen.