Wölfe

Landwirt aus Lüdersholm machte grausigen Fund

Landwirt aus Lüdersholm machte grausigen Fund

Landwirt aus Lüdersholm machte grausigen Fund

Lüdersholm/Lydersholm
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Die Wölfe sind scheue Tiere. Foto: Naturbehörde

Ein Mutterschaf ist auf einem Feld bei Lüdersholm grausam ums Leben gekommen. Experten meinen, dass das Tier von einem Wolf gerissen wurde, der begann, seine Beute von hinten bei lebendigem Leib zu fressen.

Als Landwirt Dieter Bruhn am Sonntagmorgen nach seinen Schafen auf dem Feld sehen wollte, stockte ihm der Atem. Ein Mutterschaf lag schwer verletzt im Gras, die hintere Partie des Tieres und das Euter waren gefressen worden.

Das Schaf lebte noch. Als Bruhn schnell die Bolzenpistole holte, um das Tier von seinen Qualen zu erlösen, war das Schaf verendet.

Dieter Bruhn schaut jeden Abend nach seinen 20 Schafen, die zurzeit Lämmer haben. Abends ging die kleine Herde friedlich auf dem Feld. Daher kann die Familie mit Sicherheit sagen, dass sich die Bluttat in der Nacht oder am frühen Sonntagmorgen zugetragen hat.

Hotline angerufen

„Das war kein schöner Anblick“, meint Dieter Bruhns Tochter Karina, die mit ihrem Vater auf dem Feld war. Sie rief sofort die Hotline der Naturbehörde an, bei der Tierbesitzer mögliche Wolfsangriffe melden können. Am nächsten Tag kam der Wildtiersachverständige Thomas Iversen der Naturbehörde Wattenmeer nach Lüdersholm, um sich das gerissene Schaf genauer anzusehen. Er will sich aber nicht hundertprozentig festlegen, bevor das Ergebnis vorliegt.

Die Eingeweide des Schafs quollen aus dem Bauch. Foto: Karina Bruhn

„Aber einiges könnte auf einen Wolf hindeuten. Die Bissspuren stammen von einem großen Tier. Und es war deutlich, dass das Tier nicht eines natürlichen Todes gestorben und gefressen worden war. Wölfe greifen ihre Beute von der Seite an, um an die nahrhaften Eingeweide heranzukommen. Es gebe also für Wölfe typische Merkmale. Iversen enthäutete das Schaf und untersuchte die Bissspuren, die seiner Ansicht nach schon auf einen Wolf hindeuten können. Nun soll ein DNA-Test zeigen, ob es tatsächlich so ist.

DNA-Probe nach Wilhelmshaven

Da Dänemark mit Deutschland zusammenarbeitet, da vermutet wird, dass ein Wolfsrudel regelmäßig die Grenze passiert, wird die Probe zum Senckenberg Forschungsinstitut in Wilhelmshaven geschickt, wo ein zentrales, internationales Register für Wölfe errichtet worden ist.

Dass sich der mutmaßliche Wolf von Lüdersholm möglicherweise wieder auf deutscher Seite aufhält, sei nicht unwahrscheinlich. Wölfe wandern normalerweise entlang der Straßen, und der Wildschweinzaun ist für sie kein Hindernis, erklärt Thomas Iversen.

Schafe in den Stall

Einen Angriff auf seine Tiere habe ihr Vater noch nie erlebt, erklärt Karina Bruhn. Daher hat er jetzt Vorsichtsmaßnahmen getroffen. „Wenn möglich, jagt er die Schafe nachts in den Stall und lässt das Licht draußen brennen, wenn das nicht hinhaut. Auch die Rinder hat er auf ein anderes Feld getrieben“, erzählt Karina Bruhn weiter.

Im vergangenen Jahr wurden 25 bestätigte Wolfsangriffe auf Haustiere registriert. Im Vorjahr gab es 28 Vorfälle. 2013 wurden Haustiere elfmal von Wölfen gerissen. In den darauffolgenden zwei Jahren waren es nur 6, um dann 2017 auf 24 Fälle zu steigen. Nach 200-jähriger Abwesenheit wurde der erste Wolf im November 2012 tot im Nationalpark Thy in Nordjütland gefunden. Seitdem sind Wölfe in ganz Jütland gesehen und DNA-Proben entnommen worden, schreibt die Umweltbehörde auf ihrer Internetseite. Eine Wildkamera hat 2013 einen Wolf in der Kommune Tondern entlarvt.

Zwei Bereiche wolfsgefährdet

Züchter von kleineren Haustieren wie Schafen und Ziegen können öffentliche Zuschüsse für Zäune beantragen, die vor einem Wolfsangriff schützen. Dies gilt nur für zwei Bereiche in Dänemark, wo die Wahrscheinlichkeit für Wolfsvorkommen am größten eingestuft wird. 2019 wurden etwa 330 Quadratkilometer Westjütland (von Holstebro gen Westen nach Vemb, gen Süden nach Tim und gen Osten nach Grønbjerg) ausgewiesen. Das zweite, 570 Quadratkilometer große Gebiet liegt westlich von Silkeborg in einem Umkreis bis Herning, Brande und Nørre Snede. Bezahlt wird der Preisunterschied von einem üblichen Elektrozaun zu einem gesicherten Modell. Wer dies nicht in den beiden Zonen wählt, kann keine Entschädigung aus staatlicher Kasse bekommen.

Falls Tierhalter den Verdacht haben, dass ein Wolf ihre Tiere gerissen hat, können sie die Hotline 30 34 15 30 anrufen.

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