Kultur

Kunst abseits der Metropolen: Christian Lemmerz kommt nach Nordschleswig

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Christian Lemmerz stammt gebürtig aus Karlsruhe, lebt aber schon seit vielen Jahren in Dänemark.

„Holmen“ in Lügumkloster landet einen künstlerischen Coup: Ab Mitte August kann die Kunsthalle einen der bedeutendsten und kompromisslosesten Gegenwartskünstler Dänemarks präsentieren. Christian Lemmerz konfrontiert in seiner Ausstellung das Publikum mit Werken zu den Themenbereichen Tod und Verzweiflung. Ob der Künstler auch diesmal verwesende Schweinekadaver mitbringt, verrät Kunsthallenleiter Klaus Gjørup im Gespräch mit dem „Nordschleswiger“.

Dass ein Künstler wie Christian Lemmerz ausgerechnet in Lügumkloster ausstellt, ist weit mehr als ein lokales Kulturereignis – es ist ein kleiner Coup. Die kleine Kunsthalle Holmen hat es geschafft, einen der bedeutendsten und zugleich kompromisslosesten Gegenwartskünstler Dänemarks in die ländliche Region Nordschleswigs zu holen. Vom 23. August bis zum 16. November 2025 ist dort die Ausstellung „Nacht“ zu sehen – eine intensive, düstere Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart, die Bronzeskulpturen, Malerei, Zeichnungen und Kaltnadelradierungen umfasst.

Ein persönlicher Kontakt macht’s möglich

Kunsthallenleiter Klaus Gjørup hat den Kontakt zu Christian Lemmerz persönlich hergestellt – und so das eigentlich Unwahrscheinliche möglich gemacht. „Es ist tatsächlich ungewöhnlich, einen Künstler seines Kalibers mit einer Soloausstellung nach Lügumkloster zu holen“, sagt Gjørup. „So große Künstler sieht man sonst nur in der Ny Carlsberg Glyptotek oder bei ARoS.“

Dass Lemmerz die Einladung angenommen hat, sei nicht nur der Ausstellungsidee, sondern auch der vertrauensvollen Beziehung geschuldet. „Christian Lemmerz ist ein großer Künstler und ein liebenswerter Mann“, sagt Gjørup und schmunzelt. „Er will nicht provozieren, um zu provozieren. Ich kann verraten, dass er keine verwesenden Körper mit nach Lügumkloster bringt. Tod und Vergänglichkeit sind aber weiterhin sein zentrales Thema. Lemmerz stellt die wirklich großen Fragen des Lebens – und seine Kunst ist ein Kommentar zur Gegenwart, zu Krieg und Unfrieden.“

Tod und Vergänglichkeit sind wiederkehrende Themen der Arbeiten von Christian Lemmerz.

Der Künstler wird bereits am Donnerstag, 21. August, persönlich in Lügumkloster eintreffen, um letzte Hand an die Ausstellung zu legen – und er wird auch bei der Vernissage am Sonnabend, 23. August, ab 13 Uhr anwesend sein.

Ein international gefeierter Künstler mit radikaler Sprache

Christian Lemmerz, geboren 1959 in Karlsruhe und seit Jahrzehnten in Kopenhagen lebend, ist beileibe kein Unbekannter in der Kunstwelt. Seine Werke hängen im Statens Museum for Kunst, in der Ny Carlsberg Glyptotek und bei ARoS. Ausgezeichnet wurde er unter anderem mit der Thorvaldsen- und der Eckersberg-Medaille. Schon 1994 sorgte er international für Aufsehen, als er im Esbjerg Kunstmuseum verwesende Schweinekadaver in Glaskästen zeigte – ein Werk, das ebenso radikal wie sinnbildlich für sein künstlerisches Anliegen steht: Lemmerz konfrontiert. Mit Tod, Schmerz, Vergänglichkeit – und der existenziellen Dunkelheit des Menschseins.

Warum Lügumkloster?

Lemmerz bringt ein paar großflächige und aussagekräftige Gemälde mit nach Lügumkloster. Kunsthallenleiter Gjørup rät deshalb dazu, sich die Ausstellung ruhig mehrfach anzusehen.

Dass Lemmerz nun mit „Nacht“ nach Lügumkloster kommt, ist alles andere als selbstverständlich. Er ist ein Künstler, dessen Werke normalerweise in den großen Kunsthäusern Europas gezeigt werden. Dass sich die Kunsthalle Holmen im beschaulichen Lügumkloster diesen Namen sichern konnte, zeigt den künstlerischen und kuratorischen Anspruch des Hauses – und macht die Ausstellung zu einem echten kulturellen Höhepunkt in Nordschleswig.

Kunst, die nicht gefallen will – und gerade deshalb berührt

Die Ausstellung „Nacht“ widmet sich dem, was viele lieber ausblenden: den Abgründen unserer Zeit, dem kulturellen Vakuum, in dem sich westliche Gesellschaften zunehmend zu verlieren scheinen. Sie ist eine Reaktion auf Paranoia, auf Orientierungslosigkeit und den Verlust kollektiver Sinnstiftung sowie auf Krieg und Unfrieden. Lemmerz’ Kunst ist dabei nie bequem, nie dekorativ. Sie fordert heraus.

Wer nach Lügumkloster fährt, braucht kein Kunstgeschichtsstudium, um von Lemmerz berührt zu werden. Seine Werke sprechen durch Material, Form, Kontrast und emotionale Wucht. In der Ausstellung „Nacht“ geht es um das große Ganze: um Leben, Tod, Schmerz, Erlösung – Themen, die niemandem fremd sind, ob auf dem Land oder in der Großstadt.

Ein Signal an die Region – und darüber hinaus

In Zeiten, in denen ländliche Räume oft übersehen werden, setzt die Kunsthalle Holmen mit dieser Ausstellung ein Zeichen: Hochkarätige Kunst gehört nicht nur in die Metropolen. „Nacht“ ist ein Angebot an die Region – und eine Einladung an alle, die Kunst nicht nur betrachten, sondern erfahren wollen.

Die Ausstellung ist nicht nur ein Grund, nach Lügumkloster zu fahren; sie ist ein Grund, hinzuschauen – „auch mehrfach“, betont Klaus Gjørup und rät während der dreimonatigen Ausstellungsperiode zu mehrfachen Besuchen in der Kunsthalle von Lügumkloster. „Die Werke sind es wert“, fügt er abschließend hinzu.