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Widerstand, Familie, Kunst: Ein besonderer Abend in Leck

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Nis-Edwin List-Petersen hat bei seiner Übersetzung des populärwissenschaftlichen Buchs von Søren Flott aus dem Dänischen ins Deutsche einen Fehler des Verlags korrigieren können.

Ein vergessener Widerstandskämpfer, ein persönlicher Blick auf die Geschichte und Kunst, die unter die Haut geht: Die Nordsee Akademie Leck lädt am Mittwoch zu einer besonderen Lesung mit Nis-Edwin List-Petersen ein. Es geht um Leben, Mut – und das Erinnern.

Ein Buch, das in die tiefsten Widersprüche des 20. Juli 1944 eintaucht, ein Übersetzer mit familiärer Verbindung zum Widerstand – und eine Kunstausstellung mit sehr persönlichem Hintergrund: Die Nordsee Akademie Leck (Læk) lädt am Mittwoch, 16. Juli, ab 19 Uhr zu einem besonderen Abend ein, der Literatur, Geschichte und gelebte Kultur miteinander verwebt.

Im Mittelpunkt der Lesung steht das Buch „Der Mann, der Hitler töten wollte“ des dänischen Autors Søren Flott – eine eindrückliche Biografie über den gebürtigen Stoltelunder Jens Peter Jessen.

Nis-Edwin List-Petersen hat sich als Übersetzer erlaubt, einen Fehler des Verlags in der deutschen Ausgabe nicht zu wiederholen. Der dänische Buchtitel lautet nämlich: „Danskeren der ville dræbe Hitler“. Der Fehler: Jessen war kein Däne. Zwar liegt der Ort Stoltelund seit 1920 auf dänischem Staatsgebiet – doch zum Zeitpunkt von Jessens Geburt im Jahr 1895 gehörte Nordschleswig noch zum Herzogtum Schleswig und damit zu Deutschland.

Jens Peter Jessen wurde in Stoltelund geboren, machte sein Abitur in Flensburg, studierte Jura und Volkswirtschaft in Kiel, erhielt den Professorentitel und war Leiter des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel. Aus dem überzeugten Nazi wurde ein Widerstandskämpfer. Sein Deckname war „Nordmann“.

Der studierte Volkswirt und Jurist aus Nordschleswig war zunächst überzeugter Nationalsozialist, wandte sich später jedoch gegen das Regime – und entwickelte die Idee für ein Attentat auf Hitler, das später in abgewandelter Form durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg umgesetzt wurde. Jessen wurde im März 1945 hingerichtet, wenige Wochen vor Kriegsende.

Gelesen wird an diesem Abend vom Übersetzer des Buches: Nis-Edwin List-Petersen aus Apenrade (Aabenraa). Vielen in der Region ist er kein Unbekannter. Der Kulturvermittler und langjährige Direktor des deutschen Büchereiwesens in Nordschleswig bringt nicht nur sprachliche, sondern auch biografische Nähe zum Thema mit – denn Jessen gehörte zu seinen Verwandten. So wird die Lesung zu mehr als einem Vortrag: Sie ist auch eine persönliche Annäherung an einen bislang wenig bekannten Widerstandskämpfer mit Wurzeln in der deutsch-dänischen Grenzregion.

Kunst trifft Zeitgeschichte

Gebbe List Petersen liebte Farben und war auch als Persönlichkeit ein Farbtupfer.

Gleichzeitig schlägt der Abend auch eine Brücke zur Kunst: In der Nordsee Akademie sind derzeit Werke von List-Petersens Schwester Gebbe zu sehen. Die bekannte nordschleswigsche Künstlerin, die zuletzt in Aventoft lebte und enge Verbindungen nach Tondern (Tønder) pflegte, verstarb im vergangenen Jahr – für viele überraschend. Ihre Werke – expressiv, farbstark, oft aber auch von dunkler Tiefe – können an diesem Abend besichtigt werden.

Beide – Nis-Edwin und seine Schwester Gebbe – haben durch familiäre Wurzeln auch persönliche Bezüge zur Region Leck. Ihr Vater, Hans Egon Petersen, war von 1960 bis 1972 Propst von Südtondern.

Der Abend verspricht also nicht nur eine spannende Einführung in ein Stück fast vergessener Geschichte, sondern bietet auch Raum für persönliche Geschichten, Erinnerungen – und stille Begegnungen mit Kunst. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen.

Wer also am Mittwochabend noch nichts vorhat, findet in der Nordsee Akademie ein Angebot, das berührt, informiert und verbindet.

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