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Mit Walter und ganz viel Kunst durchs Leben: Heike Jacobsen wird 80

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Heike Jacobsen in ihrer kleinen Kunstwerkstatt am Skovfennen

Auf Eiderstedt aufgewachsen, verschlug es Heike Jacobsen als junge Frau nach Dänemark. Mit Ehemann Walter fand sie in Nordschleswig und in der deutschen Minderheit eine neue Heimat. Am 4. Januar vollendet die kunstbewanderte Frau ihr 80. Lebensjahr. Die Kunst spielt bei ihr immer noch eine große Rolle.

„Ich bin nahe dem Wattenmeer aufgewachsen, habe als Kind immer gern im Schlick gespielt und damit geformt. Daher kommt sicherlich die Leidenschaft für die Keramikkunst“, erzählt Heike Jacobsen in der Stube am Skovfennen in Tingleff mit einem Lachen.

Nach Tingleff zogen sie und ihr Ehemann Walter 2021, als das Anwesen „Vold“ bei Warnitz (Varnæs) zu groß wurde. „Es war die richtige Entscheidung. Es ist schön hier, und wir freuen uns, dass wir nach Tingleff gezogen sind. Nicht nur wegen des kleineren Hauses. Wir haben hier eine nette Nachbarschaft und fühlen uns wohl“, sagt Heike Jacobsen. Am 4. Januar wird die kunstschaffende Frau mit deutsch-dänischem Netzwerk 80 Jahre alt.

Zeichnend zu guten Noten

Kunst habe sie schon in der Kindheit interessiert, und das nicht nur im Schlick auf Eiderstedt, wo sie aufwuchs. „Ich habe gern gezeichnet und konnte das ganz gut. Bei Aufgaben etwa in Biologie und Erdkunde bekam ich gute Noten, weil meine Zeichnungen recht gut gelangen“, blickt Jacobsen schmunzelnd auf ihre künstlerischen Anfänge zurück.

Es sollte aber noch etwas dauern, ehe sie sich ganz und gar der Kunst widmete. „Mein Vater war nicht sehr angetan, dass ich das beruflich machen wollte. Wie es damals so war, wurde eine kaufmännische Laufbahn eingefordert. Ich bin dann zur Handelsschule gegangen“, erzählt Heike Jacobsen.

Kunst blieb zwar ihr Steckenpferd, beruflich war sie zunächst aber als Reisesachbearbeiterin in Hamburg, als Verlagsangestellte in Flensburg und dann als Buchhalterin in der Anwaltskanzlei ihres Mannes in Rothenkrug (Rødekro) tätig.

Erfolgreiche Bewerbung an die Kunsthochschule

So richtig Fahrt nahm ihr künstlerisches Wirken Ende der 1980er-Jahre auf, als sie zunächst an der „Sønderjydsk Kunstakademie“ und später an der „Kunsthåndværker- und Designskole“ in Kolding studierte.

Ihr Ehemann Walter hatte sie darin bestärkt, die Bewerbung abzuschicken. „Das tat ich dann, und sie haben mich aufgenommen“, so Heike Jacobsen schmunzelnd. Es sollte ein neuer Lebensabschnitt mit noch mehr Kunst folgen.

Von Anfang bis Mitte der 1990er-Jahre ließ sich die zweifache Mutter künstlerisch ausbilden. Die beiden Töchter Marianne und Christina waren da schon groß. „Sie fanden es toll, dass die Mutter nicht ständig da war“, so Jacobsen mit einem Lachen.

Heike Jacobsen lebt seit 2021 in Tingleff und fühlt sich dort wohl.

Ehemann Walter, der deutsche und nordschleswigsche Wurzeln hat, in Kopenhagen aufwuchs und seine Heike 1969 heiratete, kam auch ganz gut mit der Situation zurecht. „Die Töchter haben ihm einen Wok geschenkt zum Kochen“, berichtet Ehefrau Heike mit einem Augenzwinkern.

Eigene Galerie

Nach dem Abschluss an der Kunsthochschule eröffnete Heike Jacobsen in Warnitz ihre eigene Galerie „Den Gyldne Løve“ und war zudem als Gastlehrerin tätig. Sogar auf einem Kreuzfahrtschiff war ihre Expertise gefragt. Das habe sich zufällig so ergeben. „Ich leitete einige Male Workshops für Aquarellmalen und Collagenkunst. Die Touren dauerten 15 Tage. Walter war damals schon pensioniert und fuhr als Passagier mit“, erzählt die Wahl-Tinglefferin.

2005 wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen, als sie sich mit Walter auf dessen Familienanwesen „Vold“ in Varnæshoved niederließ. Dort gab es umgeben von einem großen Garten und einer malerischen Landschaft reichlich Platz für das künstlerische Schaffen.

Die Familie Jacobsen mit Walter, Ehefrau Heike und die beiden Töchter Marianne und Christina

Etliche Ausstellungen im deutsch-dänischen Grenzland und darüber hinaus sollten folgen. Heike Jacobsen, die sich längst als Deutsch-Nordschleswigerin bezeichnet, ist künstlerisch in Dänemark und Deutschland vernetzt und Mitglied in verschiedenen Künstlervereinigungen, darunter BKF (Billedkunstnernes Forbund) und KKS (Kvindelig Kunstneres Samfund).

Deutsch-Nordschleswiger geworden

„Es ist spannend, Teil einer grenzüberschreitenden Kunstszene zu sein“, sagt die bald 80-Jährige. Sie und ihr Ehemann fassten schnell in der deutschen Volksgruppe Fuß. Die Töchter besuchten die deutschen Einrichtungen, und Heike und Walter engagierten sich ehrenamtlich in Vereinen und Verbänden.

Heike Jacobsen war in den 1980er-Jahren Vorsitzende der VDA-Sektion (Verein für Deutsche Kulturbeziehungen im Ausland) und Vorstandsmitglied im BDN-Kulturausschuss (Bund Deutscher Nordschleswiger). In der Volksgruppe fühle sich längst heimisch, wie sie sagt.

Die Kunst ist und bleibt die große Leidenschaft. Mit dem kleineren Kunst-Werkraum am Skovfennen in Tingleff hat sie sich arrangiert. Etwa 20 Quadratmeter stehen ihr zur Verfügung. „Nicht ganz. Fünf Prozent hat Walter abbekommen“, bemerkt Heike Jacobsen und lässt ein schelmisches Lächeln folgen, wohl wissend, dass sie in ihrem Mann einen Unterstützer hat.

„Er hat sich immer schon für Kunst begeistern können. Dieses Interesse haben wir von Anfang an geteilt.“

Feiern mit Freundinnen und Familie

Kunst ist die große Leidenschaft von Heike Jacobsen (Archivfoto).

Kunst wird auch bei der Geburtstagsrunde am Skovfennen präsent sein, denn unter den zehn Frauen, die Heike Jacobsen eingeladen hat, sind enge Freundinnen aus der Kunstszene – deutsche und dänische, versteht sich! „Es sind aber auch andere alte Bekannte dabei. Es wird eine bunte Mischung.“

Freuen kann sich Heike Jacobsen auch auf die beiden Töchter, die aus dem Norden und Nordosten Dänemarks nach Tingleff zum runden Geburtstag der Mama kommen. Christina lebt in Frederiksberg und arbeitet als Rechtsmedizinerin. Marianne wohnt in Osted bei Roskilde, ist als Beraterin im Klima- und Energiesektor tätig und arbeitet für das Außenministerium.

Mit der gesamten Familie, darunter drei Enkel, werde der 80. Geburtstag später nachgefeiert, so Heike Jacobsen.