Inselleben

„Der Strand gehört allen“ – Insulaner Kalli kritisiert Strandsegel-Verbot auf Röm

Veröffentlicht Geändert
Karl-Heinz (Kalli) Stein ist ein begeisterter und erfolgreicher Strandsegler.

Carl-Heinz (Kalli) Stein und seine Frau Jutta haben vor drei Jahren ihren festen Wohnsitz nach Kongsmark auf Röm verlegt. Der 73-Jährige ist selbst Landsegler. Der Europameister ist entsetzt und enttäuscht über das Fahrverbot am Süderstrand auf Röm. Er schlägt die Einstellung von Regatten vor.

Strandsegeln ist seine Leidenschaft, und er hat mit diesem Sport schon eine Silbermedaille 2012 bei der Europameisterschaft auf Röm und Bronze bei der Weltmeisterschaft 2018 in St. Peter-Ording gewonnen.

Der gebürtige Flensburger Karl-Heinz Stein und seine aus Nordschleswig stammende Frau Jutta verlegten vor drei Jahren ihren festen Wohnsitz von Lügumkloster (Løgumkloster) nach Kongsmark auf Röm, damit er so näher an seinem „Revier“ war, dem Süderstrand der Insel.

Dass die Polizei in Zusammenarbeit mit der staatlichen Naturschutzbehörde seiner Passion mit einem Segelverbot ein Ende gesetzt hat, trifft den Strandsegler hart. „Ich bin über das Verbot entsetzt, und es macht mich traurig, dass die Polizei nicht vorher mit uns gesprochen hat“, bedauert er.

Appell an die Politik

„Gesprochen wurde mit den Kommunen Tondern und Fanø und den Touristikvereinen. Daher gehen mein Appell und meine Bitte an die Politik, für eine Aufhebung des Verbots zu arbeiten.“

Ein Polizist müsse mal auf einem Strandsegler mitfahren, um zu verstehen, um was es bei diesem Sport eigentlich geht, schlägt er vor.

Die Frage, wie der Süderstrand für andere Strandgäste, Segelsportlerinnen und -sportler gesichert werden, kann er nicht beantworten. „Ich habe in all den Jahren nie einen Unfall miterlebt. Zwischen den Buggy-Fahrern und Strandseglern haben bislang in den Sand geschlagene Pfähle die Bereiche abgegrenzt, und das hat gut funktioniert“, erklärt er.

Auch das Fahren im Kitebuggy ist auf dem Süderstrand nicht mehr erlaubt (Archivfoto).

Platz für alle am Strand

Auf dem Strand müsste Platz für alle da sein. „Der Strand gehört allen, und mein Motto heißt immer leben und leben lassen. Rücksichtnahme und freundliches Auftreten ist geboten. „Seid vorsichtig und hilfsbereit“, so seine Devise.

„Für das Strandsegeln stehen den ‚Profis' mit Pilotenschein, den Freizeitfahrenden und den Kitebuggyfahrern neun Quadratkilometer Strand zur Verfügung. Das müsste genug sein“, erklärt Stein, der sich aufgrund seines Alters gegen Starts bei Regatten entschieden hat.

Drei Strandseglerschulen auf Röm

Die Silber- und Bronzemedaille hält Kalli Stein in Ehren.

Neben den erfahrenen Strandseglern nimmt die Anzahl der Freizeitfahrenden auch zu. Drei Segelschulen kümmern sich um die steigende Zahl von Anfängerinnen und Anfängern. Bei einer Schule habe er auch mehrfach ehrenamtlich bei der Einweisung der Interessierten geholfen. „Damit nichts passiert“, unterstreicht er.

„Wenn der Club Regatten an den Wochenenden abhält, wird dafür das beste Stück Strand für den Wettbewerb abgesperrt. In der Hauptsaison wird am Wochenende zweimal im Monat gefahren, manchmal sogar dreimal. Das ist schade für die heimischen Freizeitfahrer und für Feriengäste, die ein Sommerhaus auf Röm gemietet haben, um auch mal das Landsegeln auszuprobieren und dies wegen der Regatta nicht können. Daher sollten meiner Meinung nach keine Regatten mehr gefahren werden. Ich verstehe die Befürchtungen der Kommune Tondern, dass für den Tourismus große Einbußen entstehen werden, wenn es beim Fahrverbot bleibt“, so Carl-Heinz Stein.

Kalli Stein (vorne) mit der Nummer S 129 auf dem Segel fährt seinem Mitstreiter davon (Archivfoto).

Ich verstehe die Befürchtungen der Kommune Tondern, dass für den Tourismus große Einbußen entstehen werden, wenn es beim Fahrverbot bleibt.

Carl-Heinz Stein

Die staatliche Verkehrsbehörde in Tondern hatte die Strandseglerwagen Spielzeug genannt und darauf hingewiesen, dass am Strand die Straßenverkehrsordnung gilt. Die Fahrzeuge, die von einem Segel angetrieben werden, müssten erst verkehrstauglich gemacht werden, bevor sie am Strand fahren dürfen.

Carl-Heinz Stein lenkt ein: „Die Wagen aller Regattafahrer sind mit Bremsen ausgestattet. Das fordert die internationale Weltorganisation Fisly. Aber die Wagen der Freizeit-Fahrer haben nicht alle Bremsen. Eine Bremse gibt es für unter 100 Euro, und ich habe mir eine eingebaut. Ich glaube, dass jetzt ganz viele nachrüsten werden. “

Kalli Stein hat seinen Strandsegler mit einer Bremse ausgestattet.

Auch wenn Ehepaar Stein nur nicht weit vom Süderstrand entfernt wohnt, fühlt es sich nicht vom zunehmenden Verkehr durch Strandsegelnde gestört. Wer nach Röm zum Landsegeln kommt, ist motorisiert und fährt direkt an der Haustür des Sommerhauses der Steins vorbei, das sie seit 13 Jahren besitzen. Es liegt direkt am vielbefahrenen Havnebyvej.

Die Dänen sind viel gelassener als die Deutschen. Dabei bin ich selbst Deutscher.

Carl-Heinz Stein

In jüngeren Jahren ging der frühere Berufssoldat bei Regatten für das Team Denmark an den Start, da ihm die Mentalität der dänischen Fahrer eher zusage, gibt er zu. Die Dänen sind viel gelassener als die Deutschen. Dabei bin ich selbst Deutscher“, sagt er mit einem Lächeln.

Der breite Sandstrand und der Wind seien ideal für die Ausübung dieses Sports. Der Süderstrand sei groß und einzigartig und gilt europaweit, wenn nicht sogar weltweit, als das beste Revier für Strandsegler.