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Strandsegeln: „Die Polizei ist für die Sicherheit aller da“

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Der breite Süderstrand auf Röm bietet optimale Bedingungen für den Strandsegelsport. Auch die Europameisterschaften wurden auf Röm ausgetragen (Archivfoto).

Erst die staatliche Verkehrsbehörde hat die Polizei in Nordschleswig auf die Regeln aufmerksam gemacht. Mehr Ausnahmen als eine Absperrung bei größeren Veranstaltungen können nicht eingeräumt werden. Tonderns und Fanøs Bürgermeister schreiben an den Verkehrsminister.

Eine Pressemitteilung der Polizei für Südjütland und Nordschleswig vom 28. Februar hat für Wirbel gesorgt. Demnach wird das Strandsegeln an den breiten Sandstränden der Ferieninseln Röm (Rømø) und Fanø bis auf eine Ausnahme bei größeren Veranstaltungen verboten.

Polizeiinspektor Gert Bisgaard erklärt auf Anfrage den Verlauf dieser Maßnahme, die in der breiten Öffentlichkeit meist auf Kritik gestoßen ist.

Es sei ein zugegebenermaßen komplexes Thema, für das es nach seiner Ansicht aber kein Zurück gebe, meinte Bisgaard einleitend. „Erst die staatliche Verkehrsbehörde (trafikstyrelsen) hat uns darauf aufmerksam gemacht, dass an Stränden die Straßenverkehrsordnung gilt“, räumt er ein.

Die Polizei habe nach mehreren Fragen von Strandbesuchenden die Gesetzesmäßigkeit des Strandsegelns an den Stränden untersucht und auch die Verkehrsbehörde kontaktiert, erklärt Bisgaard weiter.

Strandsegler sind Spielzeug

„Die Behörde bezeichnete die Fahrzeuge als Spielzeug und machte darauf aufmerksam, dass ein Strand von der Straßenverkehrsordnung umfasst ist. Mit anderen Worten: Die Fahrzeuge müssen für das Fahren am Strand sicherheitsmäßig verkehrstauglich gemacht werden oder die bisher geltenden Regeln müssen geändert werden“, erläutert Bisgaard.

Sowohl Strandsegler als auch Blokarts (kompakter Strandsegler), die vom Wind in den Segeln vorangetrieben werden, und auch die Kitebuggys mit Drachen als Antriebskraft sind ohne Bremsen ausgestattet und erreichen hohe Geschwindigkeiten.

Fachleute erklären dem „Nordschleswiger“, dass der Einbau von Bremsen auf den schnellen Strandflitzern nicht möglich ist. Wegen der hohen Geschwindigkeiten würde das Gefährt beim Bremsen umkippen.

Die Mischung aus diesen Fahrzeugen, Spazierenden, Radfahrenden und anderen wird von der Polizei als gefährlich eingestuft, „Und wir sind für die Sicherheit aller Strandgäste zuständig“, unterstreicht Gert Bisgaard.

Die Strandseglerinnen und Strandsegler haben das Nachsehen.

„Ich habe natürlich Verständnis für den Unmut, da sowohl Strandseglerinnen und -segler als auch das Gewerbe als solches die Leidtragenden sind.“

Weitere Ausnahmen könnten aber nicht gemacht werden, erläutert der Polizeiinspektor weiter. Erlaubt wird es sein, bei größeren Veranstaltungen bei einem vorherigen Antrag an die Polizei den Bereich für eine Regatta ausnahmsweise abzusperren.

„Die Frage sei schwer anders zu lösen. Strände sind von zwei unterschiedlichen Gesetzgebungen umfasst. Zum einen gilt die Straßenverkehrsordnung, zum anderen aber auch das Naturschutzgesetz. Laut Letzterem müssen Strände für alle Menschen zugänglich sein. Man kann also keinen Bereich einfach permanent absperren. Es könnte auch darauf hindeuten, dass der Umfang des Strandsegelns im Vergleich zu seinen Anfängen zugenommen hat und Einschränkungen nötig waren“, vermutet Bisgaard.

Laut des Naturschutzgesetzes muss ein Strand für alle zugänglich sein.

Gert Bisgaard

Verbotsschilder stehen schon

In der Touristikbranche und der Politik läuten die Alarmglocken. Mehrere Politikerinnen und Politiker haben sich eingeschaltet, die helfen wollen. Dazu zählen die Folketingsmitglieder Anders Kronborg (Soz.), Peter Kofod (DF), Anni Mathiesen (V) und zuletzt auch Henrik Frandsen (Moderate), der seit dem vergangenen Jahr auf Röm lebt.

Die Kommune Tondern forderte in der vergangenen Woche, dass das Strandsegeln erlaubt bleiben sollte. Tonderns Bürgermeister Jørgen Popp Petersen und sein Amtskollege von Fanø, Frank Jensen, haben daher auch an Verkehrsminister Thomas Danielsen (Soz.) geschrieben. Er meint, dass sich eine Lösung finden müsste, mit der beide Seiten leben können.

In der vergangenen Woche wurden die Pfähle, die als Abgrenzung des Segelbereichs dienten, entfernt. Jetzt zeigt ein großes Schild, dass das Strandsegeln verboten ist.

Obwohl viele der Strandseglerinnen und Strandsegler in Wohnmobilen und mit Proviant anreisen, werden Einbußen für den Tourismus in beiden Kommunen befürchtet, zumal Strandsegeln auch bei Menschen populär ist, die Sommerhäuser gemietet haben, und bei Tagesgästen, so die Touristikerinnen und Touristiker.

Hartes und überflüssiges Tackling

Colin John Seymour, Direktor des Touristikvereins Röm-Tondern, schreibt auf Facebook, dass mit diesen Einschränkungen nicht nur ein Bein gestellt, sondern ein hartes und überflüssiges Tackling begangen wurde. Die Maßnahme widerspreche den Zielen der nationalen Tourismusstrategie, in der Ferienaktivitäten unter freiem Himmel einen hohen Stellenwert einnehmen.

„Wir würden gerne an einer Lösung ausgehend vom Gewohnheitsrecht mitarbeiten. Während mit der jetzigen Praxis weiterverfahren wird, könnten sich die Behörden ein Bild von den Aktivitäten machen. Dann werden sie hoffentlich gemeinsam mit den Aktiven über eventuell gewünschte Änderungen, Anpassungen und Ähnliches sprechen, die dann in der Saison 2026 in Kraft treten könnten“, so Seymours Vorschlag.

Keine Unfälle auf Röm

Seymour verweist auch auf die polizeiliche Unfallstatistik, wonach im Zeitraum vom 1. Januar 2018 bis 30. Oktober 2023 nur zwei Unfälle an den Stränden von Röm und Fanø verzeichnet wurden. Menschen wurden nicht verletzt. Beide Unfälle ereigneten sich auf Fanø.

Nach einem Rekordjahr für den Tourismus in der Kommune Tondern befürchtet er Einbußen. Zahlen von Danmarks Statistik zeigen, dass im vergangenen Jahr 7,3 Prozent mehr Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet wurden, womit ein Stand von 2,2 Millionen Übernachtungen erreicht wurde. Für ganz Dänemark gilt nur ein durchschnittlicher Zuwachs von etwa zwei Prozent.

Kürzlich erklärte Morten Dahlin (V), Minister für Städte, den ländlichen Raum, Kirchen und die nordische Zusammenarbeit, dass er für das Ergebnis der Kommune Tondern den Hut ziehe.