Verabschiedung

Knud Erik Therkelsen hat Grænseforeningen modernisiert

Knud Erik Therkelsen hat Grænseforeningen modernisiert

Knud Erik Therkelsen hat Grænseforeningen modernisiert

Kopenhagen/Südschleswig/Nordschleswig
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18 Jahre lang hat er hier gewirkt: Knud Erik Therkelsen, Vorsitzender von Grænseforeningen. Foto: Thomas Tolstrup / Grænseforeningen

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Nach 18 Jahren als Generalsekretär des Grenzverbandes gibt Knud Erik Therkelsen Ende Februar das Zepter ab. Zusammenarbeitspartner sprechen von einem ideenreichen und engagierten Mann, der auch schwierigen Debatten nicht aus dem Weg geht.

Bereits beim Vorstellungsgespräch mit dem Vorstand machte Knud Erik Therkelsen deutlich: Ein „Weiter so“ werde es mit ihm an der Spitze von Grænseforeningen nicht geben.

Der Vorstand wollte einen Paradigmenwechsel, und so bekam Therkelsen 2004 die Stelle als Generalsekretär des Verbandes. Kurze Zeit noch hatte Torben Rechendorff den Vorsitz, dann übernahm der mittlerweile verstorbene Finn Slumstrup, mit dem Therkelsen bis 2014 ein enges Tandem bildete.

Ab 2016 war Jens Andresen aus Branderup bei Lügumkloster (Løgumkloster) Vorsitzender.

Er hat unzählige Ideen hervorgebracht und denkt sehr kreativ.

Jens Andresen, ehemalige Vorsitzender Grænseforeningen

„Ich habe Knud Erik als einen sehr guten Kenner des Grenzlandes erlebt. Er hat unzählige Ideen hervorgebracht und denkt sehr kreativ. Für einen Vorstand ist es ein wahrer Luxus, zwischen so vielen Vorschlägen wählen zu können“, erinnert er sich.

Jens Andresen war 2016 bis 2020 Vorsitzender von Grænseforeningen. Foto: Niels Åge Skovbo / Grænseforeningen

Einer der ersten entscheidenden Vorschläge, den Therkelsen durchsetzen konnte, war, die Sammlung von Spenden für die südschleswigschen Verbände zu stoppen. Stattdessen sollte der Verband sich auf die volksbildende Arbeit konzentrieren.

Knud Erik hat sich unermüdlich dafür eingesetzt, Wissen über die Minderheit in Dänemark zu verbreiten.

Gitte Hougaard-Werner, Vorsitzende des SSF

„Es ist in hohem Maße sein Verdienst, dass wir in eine Organisation umgewandelt wurden, die über das Grenzland informiert“, so Andresen.

Vorkämpfer für dänische Minderheit

Und eben diesen Einsatz Therkelsens lobt auch die dänische Minderheit in Südschleswig.

„Knud Erik hat sich unermüdlich dafür eingesetzt, Wissen über die Minderheit in Dänemark zu verbreiten. Wir haben eine gute Zusammenarbeit gehabt, und er hat enge Kontakte zu unseren Verbänden aufgebaut und gepflegt. Persönlich schätze ich ihn sehr“, sagt Gitte Hougaard-Werner, Vorsitzende des Südschleswigschen Vereins (SSF), die jedoch nicht ganz mit dem Kurs, den der Grenzverband unter Therkelsen eingeschlagen hat, einverstanden ist.

SSF-Vorsitzende Gitte Hougaard-Werner lobt Knud Erik Therkelsen als unermüdlichen Anwalt für die dänische Minderheit. Foto: Gregor Fischer/DPA/Ritzau Scanpix

Dieser Kurs kann im jetzigen Wahlspruch des Verbandes zusammengefasst werden: „For en åben danskhed“.

„Knud Erik ist jemand, der für die Sache brennt. Er hat sich von einem traditionellen Verständnis des Nationalen zu einem sehr viel breiteren Verständnis bewegt. Er lebt den Wahlspruch der Grænseforening von einem offenen Dänentum“, sagt der Kopenhagener Bischof Peter Skov-Jakobsen, der seit 2020 Vorsitzender ist.

Lehrzeit als Leiter der Volkshochschule

Diese Entwicklung hat viel mit Therkelsen eigener Biografie zu tun. Zunächst als Schüler und seither als Lehrer an der Rønshoved Højskole sah er zunächst die Geschichte Nordschleswigs und der dänischen Minderheit als Gegensatz zum „Deutschen“. Doch diese Sichtweise forderte Lehrkräfte aus Deutschland heraus, als er 1993 Leiter der neu gegründeten Højskolen Østersøen in Apenrade (Aabenraa) wurde.

„Als Knud Erik als Schulleiter an die Højskolen Østersøen kam, war ihm das Deutsche etwas fremd. Doch seine Offenheit und Neugierde haben bedeutet, dass er ein klares Verständnis dafür entwickelt hat“, so Skov-Jakobsen.

Jens Andresen war Vorsitzender der Volkshochschule.

„Sein Umbau von Grænseforeningen hat ihren Ursprung in seinen Erfahrungen auf Rønshoved und Østersøen“, meint er.

Gemeinsame Projekte mit dem BDN

In der Zeit als Volkshochschulleiter begann Therkelsen auch, die immer engeren Kontakte zur deutschen Minderheit aufzubauen. Auch diese Erfahrungen nahm er in den Grenzverein mit.

Über die Jahre haben wir eine fantastische Zusammenarbeit gehabt.

Hinrich Jürgensen, Vorsitzender BDN

„Er hat mit Sicherheit Grænseforeningen uns gegenüber geöffnet. Über die Jahre haben wir eine fantastische Zusammenarbeit gehabt und viele gemeinsame Projekte ins Leben gerufen“, sagt der Vorsitzende des Bundes Deutscher Nordschleswiger (BDN), Hinrich Jürgensen, der zum 100-jährigen Bestehen des Grenzvereins 2020 als Festredner geladen war.

Hinrich Jürgensen lobt die Zusammenarbeit mit Knud Erik Therkelsen. Foto: Karin Riggelsen

Kontroversen

Noch umstrittener war und ist die Öffnung in Richtung anderer Minoritäten in Dänemark. Seine Initiative zur Schaffung der Kulturbotschafter vom Grænseforeningen und die dadurch angestoßene Debatte über Bindestrich-Identitäten hat vor allem in der dänischen Minderheit heftige Kontroversen ausgelöst.

„In dieser Frage bin ich nicht mit ihm einig“, sagt SSF-Chefin Hougaard-Werner. „Aus südschleswigscher Sicht entfernt sich Grænseforeningen zu sehr von unseren gemeinsamen Wurzeln. Ich habe zwar Verständnis dafür, dass man mit diesem Winkel in Dänemark ankommen kann, aber wir hätten einen anderen Winkel gewählt.“

Niemand kann an seiner Loyalität gegenüber der dänischen Minderheit zweifeln.

Peter Skov-Jakobsen, Vorsitzender Grænseforeningen

Grænseforeningen

Nach der Grenzziehung 1920 sahen zentrale Akteure einen Bedarf, die unterschiedlichen Gruppierungen, die für die „Genforening“ gestritten hatten, zusammenzuschließen, um die dänisch gesinnten Menschen in Südschleswig zu unterstützen. Entscheidend war ein Brief des Chefredakteurs von „Flensborg Avis“, Ernst Christiansen an H. P. Hanssen, in dem er schrieb, dass die Südschleswiger nun „Slesvigsk Forening“ gegründet hatten. Daher sollten sich alle Kräfte in Dänemark, die sich für die schleswigsche Frage interessierten, zusammenschließen.

Zunächst wurden jedoch zwei Verbände gegründet: am 28. Oktober 1920 „Sønderjyske Foreningers Fællesråd“ und am 2. November 1920 Grænseforeningen.

Im Frühjahr 1921 haben sich die beiden Verbände unter dem Namen „Grænseforeningen, Sønderjydske Foreningers Fællesraad“ vereint, und bis 1945 wurde dieser Name beibehalten.

Nach Hitlers Machtübernahme 1933 und den daraus folgenden Spannungen stieg die Mitgliederzahl auf 100.000, verteilt auf ungefähr 200 Lokalvereine an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg das Interesse in Dänemark an der Südschleswig-Frage weiter; Grænseforeningen hatte 1949 400 Mitgliedsvereine und 200.000 Mitglieder.

Der Grenzverein hat Gelder für die südschleswigschen Vereine und Organisationen gesammelt. Er unterstützt auf vielfache Weise die Kontakte zwischen der dänischen Minderheit und Dänemark.

Seit Anfang des Jahrtausends sammelt er keine Mittel mehr ein, sondern konzentriert den Einsatz auf volksbildende Arbeit.

Quelle: Grænseforeningen

Hougaard-Werner betont gleichzeitig, sie schätze an Therkelsen sehr, dass er sich so stark über die Jahre hinweg für die Belange der dänischen Minderheit eingesetzt hat.

Auch Bischof Skov-Jakobsen hebt wiederholt diesen Einsatz hervor: „Er empfindet eine große Liebe für Südschleswig und die südschleswigschen Verbände. Natürlich kann es da auch schon mal Funken schlagen, wie es nur unter engen Freunden und unter Familienmitgliedern der Fall ist. Es zeigt, wie sehr man sich mag. Niemand kann an seiner Loyalität gegenüber der dänischen Minderheit zweifeln.“

Denkanstöße

Hougaard-Werner ist letztendlich Therkelsen für die von ihm angestoßene Diskussion dankbar. „So werden die eigenen Argumente auf den Prüfstand gestellt und auch Positionen neu überdacht. Solche Diskussionen sind wichtig, um zum Kern zu finden, wer wir eigentlich sind“, meint sie.

Um die Jahrtausendwende gab es Diskussionen darüber, ob es eine Zukunft für den Grenzverband gibt. Laut Skov-Jakobsen hat Therkelsen diese Frage eindeutig mit Ja beantwortet.

„Knud Eriks Einsatz war entscheidend für die Entwicklung von Grænseforeningen zu einem offeneren Verband. Und ich meine nicht, dass er sich dabei zu sehr von den Wurzeln des Vereines entfernt hat. Im Gegenteil finde ich, dass er tiefere Zusammenhänge im Grenzland und in den Lehren, die wir daraus ziehen können, entdeckt hat. Die Entwicklung von Freunden zu Feinden ist eine, die ihn zutiefst fasziniert“, meint er.

Wird Knud Erik Therkelsen vermissen: Grenzverbandsvorsitzender Peter Skov-Jakobsen Foto: Liv Møller Kastrup/Ritzau Scanpix

Für ihn ist, wenig überraschend, auch Wehmut mit dem Abschied von Therkelsen verbunden.

„Als Vorsitzender werde ich ihn selbstverständlich vermissen, wie es immer mit sehr engagierten Personen der Fall ist. Aber ich freue mich auch auf die Zusammenarbeit mit einer neuen Generalsekretärin oder einem neuen Generalsekretär. Ich bin Knud Erik zutiefst dafür dankbar, dass ich das Grenzland durch seine Brillen gesehen kennenlernen durfte. Er hat ein herzliches Verständnis für die Minderheiten nördlich und südlich der Grenze und auch darüber hinaus in Europa. Für ihn gibt es keinen Gegensatz zwischen einem nationalen Ausgangspunkt und der natürlichen Doppeltheit zweier Sprachen und Kulturen.“

„Der Nordschleswiger“ hat selbstverständlich auch mit der Hauptperson selbst gesprochen. Sonntag veröffentlichen wir ein Interview mit ihm.

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