Nordschleswig wurde nach der Karriere zur Heimat

George Galbraith: Ich bin viel zu dänisch geworden

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Der gebürtige Kanadier George Galbraith lebt seit 1977 in Woyens.

Ein Jahr in Europa Spaß haben, danach die NHL in Angriff nehmen. So lautete der Plan von George Galbraith, doch knapp 48 Jahre später ist der Kanadier weiter in Dänemark zu finden. Mit seiner Ehefrau gründete er in Woyens eine Eishockey-Dynastie. Von zehn Meistertiteln ist nur einer ohne einen Galbraith geholt worden.

George Galbraith lacht laut, als er über seinen Plan von damals erzählt, denn da hatte er sich verrechnet. Um fast ein halbes Jahrhundert.

„Ein Jahr wollte ich nach Dänemark gehen, nicht mehr. Das war zu 100 Prozent sicher. Ich wollte Europa erleben und ein wenig Geld verdienen, und dann zurück nach Nordamerika, wo ich versuchen wollte, in die NHL zu kommen. Das war der Plan, aber er ging schief“, so der legendäre Eishockeytorwart von Vojens IK zum „Nordschleswiger“.

Der 70-jährige Kanadier aus Pembroke (Ontario) kam 1977 nach Dänemark, doch aus dem geplanten Jahr wurden mittlerweile mehr als 47 Jahre. Nach drei dänischen Meisterschaften, 530 Spielen und vier Amtszeiten als Liga-Trainer wurde er 2013 Ehrenmitglied von Vojens IK, nach der Einbürgerung 1982 und zwei WM-Teilnahmen wurde er 2017 in die Hall of Fame des dänischen Eishockeys aufgenommen.

George Galbraith feiert mit Speedway-Legende Ole Olsen einen seiner drei dänischen Meistertitel.

Von Anfang an mit viel Erfolg und viel Spaß

„Ich hatte keinerlei Erwartungen und wusste nichts über Dänemark. Ich wollte einfach Dänemark und Europa erleben, nachdem ich vier Jahre an der Clarkson University in Potsdam, New York, gewesen war“, erzählt der Torwart, der damals dem NHL-Klub New York Rangers gehörte: „Ich wusste, dass ich nur ein Jahr in Dänemark sein durfte, wenn ich noch eine Chance auf die NHL haben wollte, aber ich war 22 und hatte einfach einen Riesenspaß in Dänemark. Ich hatte von Anfang an Erfolg und habe mich hier so wohl gefühlt. Es hat natürlich auch eine Rolle gespielt, dass ich zwischen meinem ersten und zweiten Jahr hier meine Frau Lisbeth kennengelernt habe ...“

Auf dem Eis stellten sich die Erfolge schnell ein. 1979, 1980 und 1982 wurde Vojens IK dänischer Meister, die ersten Titel der Vereinsgeschichte. 1980 wurde Galbraith zum Spieler des Jahres in Dänemark gekürt, 1982 nahm er neben der kanadischen auch die dänische Staatsbürgerschaft an und nahm 1986 an der B-Weltmeisterschaft teil.

Früher sah der Gesichtsschutz eines Eishockey-Torwarts noch anders aus.

„Die Meisterschaften waren natürlich Höhepunkte, aber auch die Länderspiele für Dänemark. Wenn du da bei einer WM auf der blauen Linie stehst und die dänische Hymne hörst, ist das schon eine großartige Sache. Ich denke nicht so viel über die persönlichen Auszeichnungen nach, wie die Wahl zum Spieler des Jahres, aber es war selbstverständlich eine Ehre, als ich in die Hockey Hall of Fame aufgenommen wurde“, so George Galbraith.

Comeback mit 46 Jahren

Er absolvierte in 10 seiner 19 Saisons für Vojens IK sämtliche Spiele und beendete 1997 seine Karriere, aber in der Saison 2000/01 kehrte er noch einmal aufs Eis zurück und stand im Alter von 46 Jahren noch ein letztes Mal zwischen den Pfosten.

„An eine Rückkehr nach Kanada habe ich nicht gedacht. Meine Frau hatte mal den Gedanken, dass wir nach Kanada ziehen sollten. Ich hatte Angebote aus anderen Ländern, aber ich wusste, was ich hier hatte“, so der Torwart, der 1994 zum zweiten Mal bei einer Weltmeisterschaft spielte: „Mein letztes Angebot kam, als ich schon 39 war. Es kam aus der Schweiz. Ich hatte gerade die WM gespielt und gut gehalten. Die Schweizer waren hoch überlegen, hatten aber nur 2:1 gegen uns gewonnen. Der Klub aus der Schweiz hatte zu Bjarne Madsen (Spielerberater, Anm. d. Red.) Kontakt aufgenommen, aber daran hatte ich kein Interesse. Das wäre sicherlich ein Spaß geworden, wenn ich Single gewesen wäre, aber ich war verheiratet und hatte zwei Kinder.“

George Galbraith war mehrmals Trainer der Liga-Mannschaft von Vojens IK.

Respekt, Höflichkeit und Disziplin

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Lisbeth gründete er in gewisser Weise eine Eishockey-Dynastie in Woyens (Vojens). Die Söhne Patrick und Daniel kamen 1986 und 1991 zur Welt, und von den zehn Meistertiteln für Vojens IK und SønderjyskE (1979, 1980, 1982, 2006, 2009, 2010, 2013, 2014, 2015, 2024) gab es nur einen ohne einen Galbraith in der Mannschaft: 2010, als beide Galbraith-Brüder in Schweden unter Vertrag standen.

„Als die Kinder klein waren, habe ich natürlich mit ihnen Eishockey gespielt, aber ich habe sie nicht gepusht. Es ist immer die eigene Lust am Eishockey, die die Jungs vorangetrieben hat. Das Wichtigste, was wir ihnen mit auf dem Weg gegeben haben, ist der Respekt vor anderen Menschen. Die Leute, denen du auf deinem Weg nach oben begegnest, triffst du auf deinem Weg nach unten wieder. Respekt, Höflichkeit und Disziplin waren in unserer Erziehung wichtig. Als kleine Kinder haben die Jungs natürlich herumspielen dürfen, aber ich habe immer gesagt, dass sie eine Saison auch zu Ende spielen, wenn sie sie begonnen haben. Dann dürfen sie gerne in der nächsten Saison Klavier oder Handball spielen, aber was man beginnt, führt man auch zu Ende“, meint George Galbraith.

George Galbraith mit seinen beiden Söhnen Daniel (links) und Patrick

Die Galbraith-Gebrüder haben im April nach dem ersten gemeinsamen Meistertitel ihre Eishockey-Karriere beendet, doch das bedeutet nicht, dass die Galbraith-Dynastie zu Ende ist.

„Die dritte Generation ist unterwegs“, lacht der 70-Jährige, der drei Enkelkinder hat, alle Jungs: „Der Jüngste von Patrick, Valdemar, spielt ununterbrochen Eishockey. Dagegen spielt Alexander Handball, und Lukas, der Sohn von Daniel, ist noch klein. Sie sollen spielen, wozu sie Lust haben. Ich hoffe nur, dass sie einen Mannschaftssport betreiben. Das bringt ihnen für das spätere Leben sehr viel, wie man sich in eine Mannschaft einordnet und Rücksicht auf seine Kameraden nimmt.“

1979, 1980 und 1982 wurde Vojens IK mit George Galbraith im Tor dänischer Eishockeymeister.

Zeit für seine Enkelkinder hat er. Seit vier Jahren ist er Rentner, mit 61 ging er in Frührente („Efterløn“). In den 15 Jahren davor war er Bademeister in der Woyenser Schwimmhalle.

„Vor meiner Zeit als Bademeister war ich Betriebsleiter bei ,Gram Køleskabe‘ und hatte für 300 Mitarbeitende die Verantwortung, aber die Produktion wurde nach Polen verlegt. Ich hatte danach keine Lust mehr auf eine Führungsrolle und habe Freude am Bademeisterjob gefunden“, erzählt Galbraith.

George Galbraith stand noch im hohen Sportleralter im Tor von Vojens IK.

Kanadier und Dänen ähneln sich sehr

Freude hat er auch an seinem „neuen“ Heimatland gefunden. Die Umstellung ist ihm damals nicht schwergefallen. Und auf die Frage, woran er sich nach fast 50 Jahren in Dänemark nie so richtig gewöhnen konnte, fällt ihm keine richtige Antwort ein.

„Kanadier und Dänen ähneln sich sehr. Deswegen habe ich mich auch so schnell eingelebt. Dänemark ist ein fantastisches Land. Wenn ich mich beschwere, dann beschwere ich mich wie ein Däne über die zu hohen Steuern, über das Wetter und solche Sachen. Ich bin viel zu dänisch geworden“, sagt George Galbraith lachend.

George Galbraith zwischen den Pfosten beim 60-jährigen Jubiläum von Vojens IK