Nordschleswig wurde nach der Karriere zur Heimat

Orsi Kurucz: Aus 6 Monaten wurden 20 Jahre

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Die gebürtige Ungarin Orsi Kurucz lebt seit mehr als 20 Jahren in Dänemark.

Die Ungarin stand 14 Jahre lang bei den SønderjyskE-Handballerinnen zwischen den Pfosten und lebt auch nach der aktiven Karriere mit ihrer Familie in Nordschleswig. Im Herzen ist sie Ungarin geblieben, aber Nordschleswig fühlt sich auch wie Heimat an.

Geplant war eigentlich nur ein kurzes Intermezzo in der stärksten Liga der Welt, doch daraus ist für die ungarische Handballerin Orsolya Kurucz viel mehr geworden.

„Ich hatte nur einen Vertrag für sechs Monate unterschrieben und dachte, dass ich nach sechs Monaten wieder heimkehren würde. Aber es lief gut, und ich habe einen neuen Vertrag unterschrieben, dann den nächsten und wieder den nächsten. Dann habe ich Daniel bekommen und einen Job. Wir wollten nach Ungarn zurückkehren, wenn Daniel in die Schule muss, aber mittlerweile geht er in die siebte Klasse“, sagt Orsolya Kurucz lachend im Gespräch mit dem „Nordschleswiger.

Die 46-jährige Ungarin, die nur „Orsi“ genannt wird, stand insgesamt 14 Jahre lang für die Handball-Mannschaft von SønderjyskE im Tor und ist auch nach der aktiven Karriere in Nordschleswig hängen geblieben.

Orsi Kurucz kam im Dezember 2003 aus Ungarn nach Dänemark.

Mit ihrem ungarischen Ehemann András und ihren beiden Kindern Daniel (13) und Emma (9) lebt sie in einem Haus in Rothenkrug.

Vor wenigen Wochen hat sie auch die dänische Staatsbürgerschaft angenommen. Überreicht bekam sie die Urkunde vom Apenrader Bürgermeister Jan Riber Jakobsen, der seinerzeit Schiedsrichter einiger Liga-Spiele von Kurucz war.

„Die Kinder sind hier aufgewachsen, und ich finde es gut, dass wir beide Staatsbürgerschaften haben. Nach 20 Jahren ist das jetzt auch meine Heimat geworden. Ich werde im Herzen immer Ungarin bleiben, aber das fühlt sich hier auch wie Heimat an“, so die 46-Jährige.

Als Torwarttrainerin schnürt die 46-Jährige weiterhin die Handballschuhe.

Im Dezember 2003 war sie zu SønderjyskE gekommen. Der Wechsel war aus der Not geboren. Ihr ungarischer Verein musste Konkurs anmelden, der damalige Sportchef Poul Erik Thomsen holte die Torhüterin nach Apenrade (Aabenraa).

„Ich wusste damals nichts über das Land Dänemark. Wenn ich einmal ins Ausland gehen sollte, hätte ich mir Frankreich oder Spanien vorgestellt, aber Dänemark hatte damals die stärkste Liga der Welt mit vielen Stars. Zu dem Zeitpunkt ein Angebot aus Dänemark zu bekommen, ist damit vergleichbar, wenn die Fußballer heutzutage ein Angebot aus der Premier League erhalten“, sagt Kurucz, die sich gern an ihre Karriere zurückerinnert, obwohl es Höhen und Tiefen gab.

„Besonders die ersten Jahre waren spannend, als wir gegen die besten Handballerinnen der Welt gespielt haben, aber auch die Wiederaufstiege nach den Abstiegen haben viel Spaß gemacht. Ich hatte viele gute Trainer und Mannschaftskameradinnen“, meint die Torhüterin.

Insgesamt 14 Jahre stand Orsi Kurucz bei SønderjyskE zwischen den Pfosten.

Bis auf ein halbjähriges Intermezzo bei KIF Vejen (2011/2012) spielte sie bei SønderjyskE, 2014 beendete sie ihre Karriere.

In der Saison 2016/17 gab sie noch einmal ein Comeback bei SønderjyskE in der 1. Division, bevor sie Torwarttrainerin bei SønderjyskE wurde und auch die „Orsolya Kurucz Goalkeeper Academy“ gründete. Sie verließ SønderjyskE im Streit mit der damaligen Trainerin und Sportchefin Olivera Kecman, eine Rückkehr schließt sie aber nicht aus.

„Ich bin eine der Spielerinnen mit den meisten Einsätzen bei SønderjyskE, und SønderjyskE ist immer noch mein Klub. Ich habe weiterhin Ambitionen, meine Erfahrung vom höchsten Level in Ungarn in Dänemark auf Seniorenniveau einzubringen“, sagt Kurucz, die seit 2010 hauptberuflich für den Fuhrunternehmerverband FDE in Pattburg (Padborg) mit der Rückerstattung von Mehrwertsteuer für Fuhrunternehmer arbeitet.

Orsi Kurucz arbeitet gern mit den jungen Talenten.

„Ich habe dabei auch ungarische Kundschaft“, erzählt die 46-Jährige, die ihrer ungarischen Heimat weiter sehr verbunden ist und eine Rückkehr nach Ungarn nicht ganz ausschließen möchte.

„Wir haben uns eigentlich zu keinem Zeitpunkt hingesetzt und entschieden, dass wir jetzt hierbleiben. Das hat sich halt so entwickelt. Ich denke, dass es jetzt vielleicht schwierig werden würde, uns wieder in Ungarn zu integrieren. András und ich haben beide hier unsere Jobs, und die Kinder sind hier aufgewachsen und kennen den Alltag in Ungarn nicht. Man sollte niemals nie sagen, aber wir bleiben jetzt auf jeden Fall hier, solange die Kinder noch zur Schule gehen. Vielleicht leben wir, wenn wir älter sind, einige Monate hier und einige Monate in Ungarn“, so Kurucz, die mit ihrer Familie jeden Sommer nach Ungarn reist und Urlaub am Balaton (Plattensee) macht.

Orsi Kurucz spielte in der dänischen Liga gegen die besten Handballerinnen der Welt.

„Ich komme aus Veszprem, direkt am Balaton. Manchmal ist es mir dort im Sommer zu heiß, aber auf der anderen Seite finde ich den vielen Regen hier in Dänemark auch nicht so gut“, sagt sie lachend.

„Das Leben hier in Dänemark ist ruhiger und entspannter. Ich habe davon keinen Gebrauch gemacht, aber das soziale Netz macht alles sicherer. Mir gefällt auch der Umgang miteinander in der Schule und auf dem Arbeitsplatz.“

Orsi Kurucz reist jeden Sommer in ihre ungarische Heimat.