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Marc Dal Hende: „Im Kopf bin ich noch ein Teenager“

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Marc Dal Hende verabschiedet sich nach sechseinhalb Jahren bei Sønderjyske.

Ein Kapitän, ein Krieger und ein Kulturträger verlässt Sønderjyske nach insgesamt sechseinhalb Jahren. Der 34-Jährige hat wie kaum ein anderer um die Werte von Sønderjyske gekämpft, spricht im „Nordschleswiger“-Interview aber auch über unsichtbare Helden des Alltags.

Zum Abschied wird auch der harte Mann ganz weich. Marc Dal Hende wird sich schwertun, seine Gefühle zu verstecken, wenn er am Sonntag sein letztes Heimspiel im Sønderjyske-Trikot absolvieren wird.

„Weich ist nicht das erste Wort, das mir einfällt, wenn ich mich beschreiben soll, aber ich merke schon, dass ich älter geworden bin, und es bedeutet mir auch alles sehr viel. Ich wäre überrascht, wenn ihr beim letzten Spiel keinen bewegten Marc Dal Hende zu sehen bekommt. Ich merke auch, dass ich voller Wehmut bin, denn es gibt hier viele gute Menschen, die ich vermissen werde“, sagt Marc Dal Hende im Interview mit dem „Nordschleswiger“.

Der 34-Jährige kommt aus Dragør, spielte u. a. mit Thomas Delaney zusammen in der Jugendabteilung des FC København und landete über Viborg FF, AB und FC Vestsjælland im August 2015 bei Sønderjyske, wurde nach anderthalb Jahren aber an den FC Midtjylland verkauft, um im Sommer 2020 wieder zu Sønderjyske zurückzukehren. Der Kopenhagener kehrt nun in die Hauptstadt zurück und wird seine Karriere bei Zweitdivisionär AB ausklingen lassen.

Marc Dal Hende freut sich über den geschafften Klassenerhalt.

„Sønderjyske hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Das sieht man daran, wie häufig ich hier einen Vertrag unterschrieben oder verlängert habe“, so der ehemalige Offensivspieler, der damals von Jakob Michelsen, Peter Enevoldsen und Hans Jørgen Haysen als Ersatz für Bjørn Paulsen auf der Außenbahn geholt wurde.

Ein Dank an Jakob Michelsen

„Ich hatte meine Unstimmigkeiten mit Jakob Michelsen. Obwohl ich es nicht gerne zugebe, schulde ich Michelsen einen Dank, dass er mich zum Linksverteidiger umgeschult hat“, so Marc Dal Hende, der 2016 mit Sønderjyske Vizemeister wurde und schon damals eine enge emotionale Bindung zum Klub bekam: „Das war meine erste Liebe. Ich bin nach meiner Zeit beim FC Midtjylland zurückgekommen und habe mit Sønderjyske eine Reise mitgemacht, über eine nicht so gelungene Zeit in amerikanischer Hand und jetzt zurück in dänischer Hand.“

Er hat alles gegeben, um in seinem letzten Jahr einen Sønderjyske-Abstieg zu verhindern.

„Es bedeutet mir wahnsinnig viel, Sønderjyske in der Superliga abzugeben. Was mich bei Sønderjyske am meisten bewegt, ist, dass wir hier wieder gute Menschen geworden sind. Als ich seinerzeit zu Sønderjyske kam, war Sønderjyske ein Klub, wo man die beste Zeit seiner Karriere hatte. Leute, die anderswo auf dem Abstellgleis gelandet waren, oder junge Spieler, die vor dem Durchbruch standen – egal, wer geholt wurde, alle haben es hier geschafft und den nächsten Sprung in ihrer Karriere geschafft. Ein wenig stehe ich jetzt mit demselben Gefühl da. Ich bin wahnsinnig stolz, dass wir das geschafft haben“, meint der 34-Jährige.

Marc Dal Hende jubelt nach der sensationellen Vizemeisterschaft 2016.

Für ihn ist der Klassenerhalt in dieser Saison einer der absoluten Höhepunkte in seiner Sønderjyske-Zeit.

Magische Osterwoche

„Nach einer guten ersten Saisonhälfte hatten wir aus irgendeinem merkwürdigen Grund einen schrecklichen Januar und verloren die ersten fünf Spiele. Nichts lief. Wir haben ein paar soziale Veranstaltungen organisiert, uns in die Augen geschaut und die Trainingskultur geändert. Wir haben die Wende geschafft und an sechs Ostertagen mit drei Siegen gegen unsere direkten Konkurrenten uns von den Abstiegsplätzen distanziert. Daran werde ich mich voller Stolz zurückerinnern, wenn ich mal alt werde“, so Marc Dal Hende.

Mit dem FC Midtjylland wurde er 2018 dänischer Meister, die Vizemeisterschaft mit Sønderjyske 2016 zählt aber auch zu den größten Erfolgen.

„Es lassen sich von der Kultur her zu damals Parallelen ziehen, als wir morgens zum Training kamen und an vier Tischen ,Partners' gespielt wurde. Dort saßen all die alten Legenden: Tommy Bechmann, Marc Pedersen, Pierre Kanstrup, Nicolaj Madsen, Johan Absalonsen, all die alten Jungs. Da wurde Jakob Michelsen oft bei der taktischen Besprechung veräppelt, wir sind nach jedem Spiel abends weggegangen. Nach jedem Training wurde um einen großen Schokoriegel und eine große Cola gewürfelt. Wenn man daran denkt, wie seriös heute alles ist ... Damals hat unser enorm starker Zusammenhalt uns viele Siege eingebracht. Das lässt sich nicht wiederholen. Daran werde ich mich immer mit Freude zurückerinnern. Das ist das Jahr, wo ich den größten Spaß hatte“, erzählt Marc Dal Hende mit einem großen Lächeln im Gesicht.

Marc Dal Hende gibt auf dem Trainingsplatz den Ton an.

Ärger mit den Amerikanern

Das Lachen ist ihm allerdings auch einmal vergangen. In der Zeit mit amerikanischen Eigentümern legte er sich auch mal mit der Vereinsführung an.

„Ich bin immer ein Mensch gewesen, der sich einmischt, wenn es um die Kultur geht oder darum, Verantwortung zu übernehmen. Ich war als junger Spieler bei einem Klub, wo der Spielerkader zu einer möglichen Trainerentlassung Stellung beziehen musste. Viele ältere Spieler haben sich versteckt, obwohl sich der Spielerkader eigentlich einig war. Da habe ich mir geschworen, dass ich mich als älterer Spieler immer einbringen und keine Angst vor einer Strafe haben würde. Es ist wichtig, dass sich einer vor die Mannschaft stellt und zur Zielscheibe wird, wenn Kämpfe ausgetragen werden müssen. So wie es bei uns in der Zeit mit amerikanischen Eigentümern der Fall war, wo wir viele Kämpfe austragen mussten. Da hoffe ich, dass der Spielerkader das Gefühl hat, dass ich für die Jungs gekämpft habe“, sagt der Kapitän.

Auch in anderen Belangen versteckt er sich nicht.

Marc Dal Hende wird am Sonntag zum letzten Mal in seinem „Wohnzimmer“ Sydbank Park kicken.

„Wir haben in der Mannschaft ja viele Traditionen. Es ist ganz natürlich für mich, dass ich beispielsweise die Liederabende arrangiere. Das macht mir Spaß. Im Kopf bin ich noch ein Teenager, obwohl ich als Fußballer alt bin“, lacht er.

Unsichtbare Helden des Alltags

Der 34-Jährige hat wie kaum ein anderer um die Werte und um die Kultur von Sønderjyske gekämpft, möchte aber in der Stunde des Abschieds auch „unsichtbare Helden“ würdigen, die sich ebenso für die berüchtigte Sønderjyske-Kultur eingesetzt haben, und bezeichnet den ehemaligen Masseur Kim Zacho und den jetzigen Physiotherapeuten Matthias Fredeløkke als „unsichtbare Helden des Alltags“.

„Kim ist ein guter Masseur, aber als Mensch eine Legende. Es bedeutet so viel, dass man in schweren Zeiten Menschen hat, die kritisch sind und sich selbst einbringen, mit denen man verrückte Sachen machen kann und gute Laune verbreiten. Als Zacho aufhörte, kam Matti rein und hat uns im Sturm erobert. Es hat unzählige verrückte Wetten gegeben, wo wir in schweren Zeiten gemeinsam lachen konnten. Das wird oft unterschätzt, aber es ist so wichtig, dass es diese Menschen mit solchen Fähigkeiten gibt. Das möchte ich gerne würdigen, denn das gibt den Spielern so viel, besonders in schweren Zeiten“, meint Marc Dal Hende.