Schüler texten und performen

Dichterischer Wettstreit auf dem grenzüberschreitenden Stundenplan

Dichterischer Wettstreit auf dem grenzüberschreitenden Stundenplan

Dichterischer Wettstreit auf dem Stundenplan

Tondern/Tønder
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Der frühere Dänemarkmeister im Poetry-Slam Peter Dyreborg, teilte die Schüler im Vorfeld der Präsentation in verschiedene Gruppen ein. Foto: Monika Thomsen

Die Autoren und Slam-Poeten Björn Högsdal und Peter Dyreborg führten die Neuntklässler der deutschen Schule in Tondern und der dänischen Schule in Husum professionell an das kreative Arbeiten heran. Minderheit wurde als Thema „verarztet“.

In die Welt des Poetry-Slam sind die Neuntklässler der Ludwig-Andresen-Schule (LAS) in Tondern und ihre Kollegen von „Husum Danske Skole“ im Rahmen eines grenzüberschreitenden Projekts an zwei Tagen eingetaucht. Regie bei dem Projekt hin zum dichterischen Wettstreit mit eigenen Texten führten die Autoren und Slam-Poeten Peter Dyreborg und Björn Högsdal.

„Erst geht es darum, bei den Schülern alle Vorurteile abzubauen, dass Poetry-Slam nicht langweilig ist“, erläutert der Däne Peter Dyreborg, der seit neun Jahren mit seinem deutschen Kollegen Björn Högsdal bei solchen Projekten gemeinsame Sache macht, die Herangehensweise. „Die Texte müssen auf unterhaltsame Weise präsentiert werden. Sie dürfen gerne zum Reflektieren und auch etwas zum Lachen anregen“, erläutert Dyreborg.

Da 2020 die 100-Jahr-Feier für die Grenzziehung und die Geburtsstunde der Minderheiten im Kalender steht, hatte Schulleiterin Bonni Rathje-Ottenberg das Projekt zu diesem Thema eingefädelt und wurde bei der Suche nach Partnern in Husum fündig. Das Vorhaben wird finanziell vom Bund Deutscher Nordschleswiger, „Grænseforeningen“ sowie aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert. „Das Ziel ist, dass sich alle Gedanken gemacht und etwas geschrieben haben. Wir haben auch viel gelernt“, meint die Schulleiterin in Gedanken an sich und Lehrerin Maren Petersen.

Gestikulieren tun die Slam-Poeten Peter Dyreborg und Björn Högsdal nicht nur auf der Bühne. Foto: Monika Thomsen

„Da das Thema Minderheit im Zusammenhang mit Poetry Slam eher ein bisschen langweilig ist, da man lieb und nett miteinander umgeht, schieben wir die Schüler dazu an, dass sie gerne Grenzen überwinden dürfen. Satire ist gefragt, und man darf gerne provozieren. Einige meinen auch, dass sie nicht schreiben können. Das Ziel ist, dass sie kreativ arbeiten und über die deutsch-dänischen Verhältnisse nachdenken“, so Dyreborg, während die Schüler noch in Gruppen oder allein an den Tischen über ihren Texten brüten und daran feilen. Dabei geht es in manchen Fällen auch darum, was erlaubt ist und was nicht.

„Humor darf provozieren. Satire ist ein Mittel gegen die Mächtigen und darf klassisch alles nach oben, tritt aber nicht nach unten. Als ich jünger war, habe ich auch härter und böser geschrieben als jetzt“, erklärt Björn Högsdal am Rande. Er erläutert, dass die insgesamt 20 Schüler aus Husum und 13 aus Tondern drei Schreibansätze für einen leichten Einstieg bekommen haben, um sie ans Ziel zu führen. „Kreativität ist nicht planbar“, sagt er.

„Es ist interessant“, erklärte Jole Malin Hahn aus Husum. „Und es macht Spaß“, ergänzt ihre Mitschülerin Carmen Stöcker. Indes nutzt Karlotta Matelski die Pause dazu, ihren handgeschriebenen Text noch mal reinzuschreiben.

Jole Malin Hahn, Karlotta Matelski und Carmen Stöcker (v. l.) waren auch in der Pause aktiv. Foto: Monika Thomsen

Auch die LAS-Schülerin Hedda Sievert findet es interessant. „Wir haben auch etwas gelernt, das wir in der Zukunft gebrauchen können“, meint die 14-Jährige mit Blick auf das deutliche und laute Sprechen. „Als es uns erklärt wurde, hörte es sich nach Gedichten und nicht besonders spannend an. Es wurde aber interessant gemacht und Schwung reingebracht“, erklärt der 15-jährige Asbjørn Pilgaard, Neuntklässler der LAS. „Anfangs hörte es sich etwas langweilig an. Sie haben es aber unterhaltsam gemacht. Ich dachte, dass die Texte sich reimen müssen. Das ist aber nicht der Fall“, erläutert seine gleichaltrige Mitschülerin Susanne Matzen. Asbjørn, Hedda und Susanne war es an den zwei Tagen (Montag in Husum, Dienstag in Tondern) nicht langweilig.

Nach der Pause stand dem Gleichgewicht zuliebe erst mal Hüpfen auf dem Programm. Die Haltung der Hände und Füße bedeutet für die Art des Sprechens viel, wie Dyreborg veranschaulicht. Verschränkte Arme gehen schon mal gar nicht. Högsdal vermittelt Tipps, wie ein Text lebendig und mit Betonung vrübergebracht werden kann, damit sich die Stimmungen, Gefühle und die Atmosphäre entfalten. Werkzeuge sind dabei die Stimme, die Mimik und die Gestik.

Nach dem Überwinden der großen Hemmschwelle vor anderen zu sprechen, wurden bei der freiwilligen Präsentation vor der gesammelten Mannschaft dann prompt Talente gesichtet. In den vorgetragenen Texten wurden zum Beispiel auf beeindruckende und originelle Art die Identität in der Minderheit oder der Wildschweinzaun aus der Sicht von Wildschweinen verarbeitet. Auf den Aspekt des Wetteiferns wurde aufgrund der kurzen Anlernphase verzichtet.

Bei den LAS-Schülern Susanne Matzen, Hedda Sievert, und Asbjørn Pilgaard (v. l.) kam keine Langeweile auf. Foto: Monika Thomsen
Jole Marlin Hahn während ihrer souveränen Präsentation. Die zwei Fachleute bescheinigten ihr Talent. Foto: Monika Thomsen
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