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Yussuf Poulsen sieht bei RB Leipzig noch Luft nach oben

Jens Kragh Iversen
Jens Kragh Iversen Sportredaktion
Mainz
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Yussuf Poulsen erzielte gegen Bayer Leverkusen sein zweites Saisontor. Foto: dpa

Es ist eine Rolle, die für Yussuf Poulsen fast schon in Vergessenheit geraten war. Die Rolle des Matchwinners. Der 22-jährige Däne schoss RB Leipzig in der 90. Minute des Bundesliga-Heimspiels gegen Bayer Leverkusen zum 1:0-Sieg. Es war erst sein zweites Saisontor, doch trotz der für einen Stürmer außerordentlich mageren Ausbeute ist er beim Aufsteiger unumstritten. Seine Bedeutung für die Mannschaft wurde nicht zuletzt deutlich, als er sich im Februar gegen den HSV einen Muskelbündelriss zuzog und für sechs Wochen aussetzen musste.

„Die Jungs kennen meine Bedeutung für die Mannschaft und haben mir in meiner sechswöchigen Abwesenheit gesagt, dass sie mich auf dem Platz vermissen. Ich bin wie Stefan Ilsanker ein Mentalitätsspieler, der die anderen mitreißt – so wie in diesem Spiel, wo es um jeden Zentimeter geht“, sagt Yussuf Poulsen, als Der Nordschleswiger nach dem hochintensiven Spiel beim 3:2-Sieg gegen Mainz 05 mit ihm spricht.

Die fehlenden Tore wurmen den dänischen Nationalspieler schon, bereiten ihm aber keine schlaflosen Nächte.

„Wenn ich 90 Minuten spiele und wir als Mannschaft gewinnen, ist es nicht unbedingt wichtig, dass ich ein Tor mache. Selbstverständlich will ich gerne Tore erzielen, aber die werden noch kommen. Es ist vielleicht eine Frage der nötigen Ruhe und Abgeklärtheit in den Abschlüssen. Ich trainiere jeden Tag daran, Tore zu machen“, so Yussuf Poulsen, der im Juli 2013 für 1,3 Millionen Euro vom damaligen Erstdivisionär Lyngby Boldklub zu RB Leipzig in die 3. Liga wechselte.

Ein Wechsel, der in Dänemark für Verwunderung sorgte. Was hatte ein dänisches Talent mit zahlreichen Jugend-Länderspielen auf dem Buckel in der 3. Liga Deutschlands verloren? Das Verständnis für den Wechsel ist über die Jahre gewachsen, denn die Roten Bullen schafften nicht nur den Durchmarsch ins Oberhaus, sondern werden in der nächsten Saison auch international spielen.

„Alle sind überrascht, dass es so gut läuft, wir auch. Wir haben einen Kader, der auf hohem Niveau mitmischen kann, aber keiner hatte erwartet, dass es in unserer ersten Bundesliga-Saison so gut laufen würde. Wir sind in erster Linie eine Mannschaft. Wir haben jede Menge Qualität und viele gute Spieler auf den verschiedenen Positionen, viele Nationalspieler. Viele von uns haben auch in der vergangenen Saison zusammen gespielt. Wir haben eine Mannschaft aufgebaut, wo alle sich hundertprozentig reinhängen und sich gegenseitig hundertprozentig vertrauen. Bei uns ist sich auch kein Stürmer zu schade, nach hinten zu laufen und einen Gegenspieler abzugrätschen“, meint der 22-Jährige, der bei RB Leipzig noch bis zum Sommer 2019 unter Vertrag steht und sich auf die Erfahrung Champions League freut, aber auch in der Bundesliga noch Luft nach oben sieht: „Die Bayern sind uns in dieser Saison davongeeilt. Es ist eine gute Frage, wie viel wir uns den Bayern in den nächsten Jahren nähern können. Wenn wir unsere Entwicklung fortsetzen, kann es sein, dass wir irgendwann einmal die Bayern gefährden können.“

Die Miene des 18-fachen Nationalspielers verrät mit aller Deutlichkeit, dass er es langsam leid ist, über die fehlende Popularität seines Vereins in Fußball-Deutschlands zu sprechen.

„Wir merken es kaum, es ist ein ,Medien-Stunt‘. Es sind die Medien, die nicht aufhören wollen, darüber zu schreiben, dass keiner uns mag. Wenn Frankfurt hier nach Mainz kommt, werden die auch nicht freundlich begrüßt“, sagt Yussuf Poulsen, dem auch die Farbbeutel-Attacke gegen den Leipziger Mannschaftsbus in Leverkusen nicht beeindrucken kann: „Die Frankfurter sind in Darmstadt auch mit Farbe beworfen worden. Das spielt für uns keine Rolle.“

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