Region Süddänemark

Konservatives Quellenstudium zur Qualität der Flensburger Strahlen

Peter Lassen
Peter Lassen Hauptredaktion
Vejle/Flensburg
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Ein modernes Bestrahlungsgerät (Archivbild). Foto: dpa

Das Flensburger St. Franziskus Krankenhaus stellt klar, dass die Qualität der dortigen Behandlung top sei – „aber laufen keinem hinterher“.

Es hat schon Verwunderung ausgelöst, dass der konservative Fraktionschef im süddänischen Regionsrat, Morten Weiss-Pedersen, das Nein zur Wiederaufnahme der Strahlenbehandlung in Flensburg und seinen Umfaller in dieser Sache damit begründet hat, dass die Qualität der Therapie auf dänischer Seite besser sei als die im von Vejle 122 km entfernten St. Franziskus Hospital.

Auf Anfrage des Nordschleswigers erklärt Weiss-Pedersen, dass diese Äußerung auf Informationen beruhe, die ihm Kollegen während der Budgetverhandlungen gegeben haben:
„Ich bin ja kein Fachmann und muss davon ausgehen, dass solche Informationen von der Administration kommen und korrekt sind. Es wurde gesagt, dass die Apparate in Flensburg eine ältere Generation sind als unsere – und dass die Qualität der Behandlung dort daher nicht ganz unser Niveau erreicht. Das sagt man ja wohl nicht, wenn das nicht stimmt? Aber um Klarheit in die Sache zu bringen, werde ich nun offiziell von der Administration ein klare Antwort haben, wie sich das tatsächlich verhält. Es ist ja das Gute, dass man dies als Politiker fordern kann. Das schulden wir dieser Sache, denn die ist wichtig.“

Auf die Frage, ob er gegebenenfalls bereit wäre, doch für eine Wiedereinführung des Flensburger Angebots an grenznahe Krebspatienten zu plädieren, wenn die Qualitätsfrage geklärt werde, meint Weiss-Pedersen:
„Das muss man dann sehen. Aber es ist wichtig, dass die Qualitätsfrage geklärt wird, denn die ist für die Patienten eigentlich noch wichtiger als die Frage der vielen Kilometer, die sie transportiert werden müssen. Ich werde nun Quellenstudium betreiben, um herauszufinden, was wirklich Sache ist.“

„Sagen nicht bitte, bitte“

Der Geschäftsführer des Flensburger St. Franziskushospitals, Klaus Deitmaring, will nicht so vermessen sein, über die Qualität der Behandlung in Vejle oder Odense zu urteilen. Aber aus internationaler Sicht sei das Niveau in Flensburg – genau wie in Süddänemark – sehr hoch und Spitze in Nordeuropa.

Es möge sein, dass man beispielsweise in Odense aktuell neuere und damit etwas bessere Linealbeschleuniger habe als im St. Franziskus Krankenhaus, wo sie fünf, sechs Jahre alt seien. Aber auch Flensburg rüste laufend auf – und die Standards, sowohl dänische als auch internationale, habe man immer eingehalten: „Die Qualität in Flensburg ist in Ordnung, aber denkt auch jemand an die Patienten, die weit fahren müssen? Qualität ist schwer messbar, und da müsste man das Behandlungsergebnis bewerten – und da sind wir ganz sicher auf gleichem Niveau.“

Geschäftsführer Klaus Deitmaring stellt fest, dass man aktuell aus Vejle gar nicht kontaktiert worden sei. Man habe 1,5 Jahre gekämpft, aber tue nun selbst aktiv nichts mehr: „Aber wenn man uns in Vejle sprechen will, sind wir jederzeit bereit. Aber wir sagen nicht bitte, bitte – und laufen keinem hinterher.“

800 SP-Unterschriften – Ziel 3.000

Die Unterschriftensammlung der Schleswigschen Partei zur Flensburger Strahlenbehandlung läuft auf Hochtouren.
In der ersten Woche sind rund 800 Unterschriften digital und manuell eingegangen. Ab heute kann man auf der Homepage der SP verfolgen, wie es läuft. Laut Parteisekretärin Ruth Candussi ist man überzeugt, das Ziel 3.000 Unterschriften zu erreichen. Und dann wird man im Roten Wurm vorstellig werden. Apropos 3.000 – so viele Patienten aus Nordschleswig haben über die Jahre bis Anfang 2017 in Flensburg Krebstherapie bekommen. Nie wurde an der Qualität gezweifelt.

Hintergrund: Die Region Süddänemark hat in ihrem Haushalt für 2019 erneut die Möglichkeit für Krebspatienten, sich im für viele nahe gelegenen Flensburg behandeln zu lassen, nicht wieder aufgenommen.

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