Deutsche Minderheit

Das Kajakabenteuer eines ehemaligen Tingleffers: Till paddelt von Berlin nach Kopenhagen

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Till Blume ist Profi im Kajakfahren. Das Foto zeigt ihn in rauer See vor Wales (Archivfoto).

Innerhalb von etwa sechs Wochen will er seine Mission vollbringen: Der in Tingleff aufgewachsene Till Blume hat es sich zum Ziel gesetzt, mit dem Kajak von der deutschen Hauptstadt in die dänische zu fahren. Beweggründe dafür hat der ehemalige Schüler der deutschen Schule gleich mehrere.

Die Abenteuerlust, die Begeisterung für das Kajakfahren und die Herausforderung nennt Till Blume als Ansporn für eine außergewöhnliche Kajaktour. Der aus Tingleff stammende 55-Jährige plant, von der Spree am Berliner Reichstag bis nach Kopenhagen zu paddeln.

In einem Zeitraum von zirka sechs Wochen möchte der IT-Experte mit Wohnsitz in Kopenhagen die mehr als 800 Kilometer lange Strecke über Flüsse, Kanäle und die Ostsee meistern.

Inspirieren ließ sich Blume von der Kajak-Mission Dänemark-Rund und ähnlichen Mammuttouren anderer Wassersport-Enthusiasten.

Grenzüberschreitende Strecke bewusst gewählt

Dass es eine deutsch-dänische Route wurde, hat einen besonderen Hintergrund. Till Blume: „Ich habe die dänische Staatsbürgerschaft beantragt, und da kam die Idee, die Strecke ‚Berlin Reichstag bis København Christiansborg‘ zu paddeln. Meine deutsch-nordschleswigschen Wurzeln spielen ebenfalls mit hinein, dass es genau zu dieser Tour kommt. Lübeck ist dann auf dem Weg, wo die Großeltern wohnten und mein Vater (Peter Blume, red. Anm.) aufgewachsen ist.“

Los geht es für den 55-Jährigen am Donnerstag, 19. Juni. Am Tag vorher lässt er sich von Ruderboot-Koryphäe Christian Havrehed nach Berlin bringen. „Ich habe ihn bei einem Erste-Hilfekurs kennengelernt. Wir kamen ins Gespräch und sind in Kontakt geblieben“, erwähnt Till Blume, der etwas Ausrüstung von seinem Wassersportfreund borgen kann.

Havrehed hat sich als Extrem-Ruderer einen Namen gemacht, der sich für die Umwelt und den Schutz der Meere einsetzt.

Bis zum Start quartiert sich Till Blume beim Berliner Paddelklub „Wiking“ in Gatow an der Havel westlich von Berlin ein. Der Klub ist dann auch die erste Übernachtungsstation nach dem Start am Reichstag. Ansonsten ist nichts gebucht oder abgeklärt.

Till Blume steht eine lange Kajakreise bevor.

Wo Till Blume auf der Reise übernachtet, „lasse ich auf mich zukommen. Es kommen Campingplätze infrage – ich habe Zelt, Luftmatratze und Schlafsack dabei. Auch Pensionen oder Privatunterkünfte kommen in Betracht“, so Blume.

Menschen treffen

Neben der sportlichen Herausforderung reizt ihn der Austausch mit den Menschen, die er auf der Tour trifft. „Das wird sicherlich spannend“, sagt der ausgebildete Kajak-Trainer.

Blume ermöglicht allen Interessierten, an seinem Vorhaben teilzuhaben. Er hat eine Tour-Homepage eingerichtet, auf der die Mission beschrieben wird, und auf der mittels eines Live-Trackers seine Position in Echtzeit verfolgt werden kann. Till Blume wird zudem regelmäßig Erlebnisse seiner Streckenabschnitte posten. „Und wer unterwegs ein Stück mitpaddeln möchte, ist dazu herzlich eingeladen.“

Er fühle sich für das Unterfangen gerüstet und gut vorbereitet. Blume, der vor etwas mehr als zehn Jahren das Kajakfahren für sich entdeckte, hat Erfahrungen mit längeren Strecken und dem Paddeln auf rauer See gesammelt, unter anderem vor der Küste Großbritanniens.

Till Blume in seinem Element: im Kajak auf dem Wasser

Vor ein paar Jahren paddelte Till Blume an nur einem Tag um die dänische Insel „Møn“. 80 Kilometer legte er in gut 12 Stunden zurück. „Auf den letzten 10 Kilometern gab es 14 m/s Gegenwind und Wellen. Die waren härter als die 70 Kilometer davor“, erzählt der Kajakenthusiast.

Respekt, aber keine Angst vorm Meer

Angst vorm Paddeln über die Ostsee – Blume wird sie bei Zingst in Mecklenburg-Vorpommern in Richtung dänische Küste (Hestehoved/Falster) überqueren – habe er daher nicht, zumal er entsprechende Sicherheitsausrüstung, allen voran eine Rettungsweste, dabeihat.

„Mich beschäftigt eher, dass ich bei der Überquerung der 45 Kilometer weiten Strecke mal pinkeln muss. Das wird bei ungefähr acht Stunden Fahrzeit vermutlich nicht ausbleiben. Dann heißt es wohl, den Neoprenanzug aufmachen und Wasser marsch“, so Till Blumen am Telefon mit einem Lachen.

Es gelte zudem, das Gepäck und vor allem die technische Ausrüstung wie Laptop, Handy und Tracker gut zu verstauen und vor Wasser zu schützen. „Aber das wird schon klappen“, ist sich Abenteurer Till Blume sicher.

Till Blume hat bei Kajak-Touren so einiges erlebt. Da ist dann auch schon mal eine Kegelrobbe an Bord gehüpft.

Wo er schon in offener See unterwegs ist, wird Till Blume Wasserproben für seinen Wassersportkumpel und Umweltaktivist Havrehed entnehmen. Die Proben sollen Rückschlüsse auf den Anteil von Mikroplastik im Meer geben.

Seinen Abschluss in Kopenhagen hat Till Blume schon vor Augen: „Ein alkoholfreies Bier trinken, einen Burger essen und dann das Kajak in die Garage bringen.“