KOMMENTAR

„Das viel zu frühe Saisonende für den dänischen Eishockeymeister“

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Titelverteidiger SønderjyskE ist im Viertelfinale gescheitert.

Nach dem Titelgewinn im Vorjahr sind die Eishockeyspieler von SønderjyskE bereits an der ersten Playoff-Hürde gescheitert. Der Titelverteidiger ist in einer Saison mit mehr Tiefen als Höhen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Ein Kommentar von Sportredakteur Jens Kragh Iversen.

Der Traum vom zweiten Titelgewinn in Folge ist geplatzt, um die Medaillen spielen andere Teams. Die Eishockeyspieler von SønderjyskE sind zum dritten Mal in den letzten vier Jahren bereits im Playoff-Viertelfinale ausgeschieden. Die Odense Bulldogs setzten sich im siebten und entscheidenden Viertelfinale mit 5:2 durch.

Von einem Fiasko zu sprechen, ist ein wenig übertrieben. Es ist aber eine herbe Enttäuschung für eine Sønderjyske-Mannschaft, die in einer Saison mit mehr Tiefen als Höhen unterm Strich hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist.

Leitwölfe fehlten

Die Hellblauen haben viel zu spät zur mannschaftlichen Geschlossenheit gefunden. Es fehlten Leitwölfe in einer nicht immer harmonisch wirkenden Mannschaft. Daran hatte auch Meistertrainer Anders Førster zu knabbern, der mit Stresssymptomen krankgeschrieben wurde. Die Verantwortlichen des Titelverteidigers hatten keine glückliche Hand, als sie versuchten, die Führungsspieler Villiam Haag und Patrick Galbraith zu ersetzen.

Alexander Wiklund war für diese Rolle vorgesehen, konnte diese aber nicht ausfüllen und war auch als Torjäger eine Enttäuschung. Rang 61 in der Scorerliste der Liga nach der regulären Saison ist für einen Top-Legionär mehr als enttäuschend.

Es haben aber auch viele andere enttäuscht. Kein SønderjyskE-Spieler konnte sich in der regulären Saison in die Top 20 der Scorerliste der Liga schieben, und auch in den Playoffs strahlten die Hellblauen immer weniger Torgefahr aus. Die magere Torausbeute von lediglich vier Treffern aus den letzten vier Spielen gegen Odense spricht Bände.

Zu viele Nebenschauplätze

Die nachlassende Torgefahr ist vielleicht auch ein Ausdruck für die nachlassenden Kräfte eines nicht besonders breiten Kaders. Das Fehlen des seit November verletzten Jacob Schmidt-Svejstrup sowie von Anders Biel und Søren Dietz-Larsen, die früh in der Saison von ihren Verträgen gelöst wurden, ist nicht kompensiert worden.

Das Geld hierfür war nicht da. SønderjyskE schloss das vergangene Haushaltsjahr mit einem Rekordminus von 2,575 Millionen Kronen ab und hat noch nicht die angekündigte Investorengruppe vorgestellt, die dafür sorgen soll, dass SønderjyskE auch künftig in der Spitzengruppe des dänischen Eishockeys mitmischen kann.

Auch an dem geklauten Pokalfinale hatte SønderjyskE lange zu knabbern. Einer von offenbar zu vielen Nebenschauplätzen in einer verkorksten Saison ohne die nötige Stabilität. So sprang am Ende nur Tabellenplatz sieben nach der regulären Saison heraus.

Das Ergebnis war ein Viertelfinal-Duell gegen eine starke Odense-Mannschaft, die die Qualität besitzt, um Herning im Titelkampf herauszufordern. Diesen Gegner hat SønderjyskE immerhin zu einem siebten und entscheidenden Viertelfinale gezwungen. Das ist anerkennenswert.

Der Titelverteidiger hat sich mit aller Kraft gegen das drohende Aus gestemmt, doch es hat nicht gereicht.

Kampf hinter den Kulissen

Ein Doppelschlag innerhalb von 19 Sekunden früh im Anfangsdrittel war der Knackpunkt einer Begegnung, die nie so richtig spannend wurde.

Die Odense Bulldogs bestraften die Fehler des Gegners gnadenlos und spürten so erst gar nicht den Druck, der auf den Favoriten lastete, und auch nicht die Angst vorm Scheitern.

Gescheitert ist der Titelverteidiger. Diese Mannschaft gehört auch vom Budget her in die Top 4 und ist hinter den Erwartungen zurückgeblieben.

Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob SønderjyskE das Geld finden kann, künftig zur Spitze des dänischen Eishockeys zu gehören.

Odense Bulldogs - SønderjyskE (3:0,0:1,2:1) 5:2

1:0 Jonathan Brinkman (6:53), 2:0 Markus Jensen (7:12), 3:0 Kristian Jensen (15:40/Penalty), 3:1 Joseph Jonsson (35:36/Ass.: Nikolaj Krag-Christensen), 4:1 Luka Barzan (41:38), 4:2 Joseph Jonsson (55:02/Ass.: Nikolaj Krag-Christensen, Jacob Panetta), 5:2 Joakim Thelin (58:24).

Zeitstrafen: Odense 1x2 – SE 2x2 Minuten. Schiedsrichter: Martin Theiltoft Christensen/Kenneth A. Nielsen. Zuschauer: 3.104.

SønderjyskE: Playoff-Abschneiden der letzten 10 Jahre:

2015/16: Aus im Halbfinale (3:4 gegen Esbjerg)

2016/17: Aus im Viertelfinale (2:4 gegen Esbjerg)

20:17/18: Aus im Viertelfinale (1:4 gegen Esbjerg)

20:18/19: Vizemeister (0:4 gegen Rungsted)

2019/20: Keine Playoffs wegen Corona

2020/21: Aus im Halbfinale (1:4 gegen Rungsted)

20:21/22: Aus im Viertelfinale (3:4 gegen Odense)

2022/23: Aus im Viertelfinale (2:4 gegen Esbjerg)

2023/24: Meister (4:2 gegen Esbjerg)

2024/25: Aus im Viertelfinale (3:4 gegen Odense)